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Künftige Austragungsorte: "Diktaturen müssen Volk nicht befragen" – Skiverbandsboss wird für Aussage kritisiert

Der Vorsitzende des Internationalen Skiverbandes, Gian Franco Kasper, äußerte sich zu zukünftigen Olympia-Austragungsorten: Rein wirtschaftlich bevorzuge er Diktaturen. Dort müsse man sich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.

Skiverbands-Chef sorgt mit Aussage über Diktaturen für Erstaunen

Skiverbandspräsident Kasper zweifelt unter anderem am Klimawandel

DPA

Gian Franco Kasper ist seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der Fédération Internationale de Ski (FIS), also der Skifahrer. In dieser Funktion gab er vergangenen Montag dem Schweizer "Tages-Anzeiger" ein Interview. Gefragt nach Präferenzen für Austragungsorte zukünftiger Olympischer Winterspiele antwortete er: "Es geht um den Sport, wo er stattfindet, ist in gewisser Weise sekundär."

Die Umweltaspekte beim Skisport scheinen Kasper nicht zu beunruhigen, ihn "nerven" vielmehr die Diskussionen um Kunstschnee und Wasserverschwendung, sagte er dem "Tages-Anzeiger". Schließlich ginge ja kein einziger Tropfen verloren – wenn Menschen ihre Garten wässerten, ginge das Wasser ja ebensowenig verloren. Zudem gebe es für ihn keinen Beiweis für den Klimawandel. Schließlich hätte man [in der Schweiz, Anm. d. Red.] genug Schnee. "Ginge es nach der öffentlichen Meinung, dürften wir längst keine Wälder mehr haben. Vor 20 Jahren wütete der Borkenkäfer, es dürfte kein Baum mehr stehen."

Für Olympische Winterspiele in seiner Heimat Schweiz sieht Kasper eher schwarz. Volksabstimmungen werde man in Europa für solch einen Anlass nicht mehr gewinnen. Andere Staaten und vor allem Staatsformen eigneten sich da eher: "Diktaturen können solche Veranstaltungen mit links durchführen, die müssen nicht das Volk befragen", so Kasper. "Vom Geschäftlichen her" wolle er nur noch in Diktaturen gehen, er möchte sich zukünftig nicht mehr mit Umweltschützern herumstreiten müssen.

Kaspers Aussagen "machen den Sport eher kaputt"

Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender und Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, kritisierte die Aussagen Kaspers in der "FAZ": "Als Sportfunktionär kann er so etwas nicht sagen, denn dann macht er den Sport eher kaputt", zitiert ihn die Zeitung aus einem Gespräch mit dem Sportinformationsdienst.

Bereits in der Vergangenheit fiel Kasper mit ungewöhnlichen Antworten in Interviews auf. So argumentierte er einmal gegen das Frauenskispringen. Diese Variante des Skispringens sei nicht zuzulassen, da es den Springerinnen "bei der Landung die Gebärmutter zerreißen" könnte, wie der österreichische "Standard" zusammenfasste.

Quellen: Schweizer "Tages-Anzeiger" / "Der Standard" / "FAZ"

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