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NBA Basket Case - Die NBA zieht vor Gericht


Der Glaube ist dahin, die Hallen bleiben leer. Ein trauriger Basket Case beobachtete die letzte Verhandlungsrunde und sah, wie die Spielergewerkschaft keine Lösung außer der Auflösung fand.

Normalerweise sollte der Basket Case eine Stelle sein, an der Fans und Freunde des Korbsports sich an einem der schönsten Spiele der Welt erfreuen können. Dass uns Schreibern und den Fans diese Freude temporär genommen wurde, hatten wir mittlerweile alle akzeptiert. Aber niemand wollte wohl tatsächlich glauben, dass uns die CBA-Verhandlungen die komplette Saison kosten könnten.

Und genau danach sieht es nach der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen der Liga NBA und der Spielergewerkschaft aus. Selbst ich hatte angenommen, bei den großen Sprüngen, die bereits gemacht werden konnten, wäre eine Einigung nur eine Frage der Zeit. Die Spieler hatten sich von den ursprünglich geforderten 57 Prozent des Gesamtgewinns auf 51.5 Prozent herunterhandeln lassen, die Frage der Vertragslaufzeiten sowie der Rookieverträge schien sich klären zu lassen – und trotzdem beschlossen beide Parteien am Montag, die Verhandlungen auszusetzen, da die Spielergewerkschaft sich in Ermangelung von Übereinkünften auflösen will, um den Weg für den Gang vor ein ordentliches Gericht frei zu machen.

Für die einen ein Angebot – für die anderen ein Ultimatum

Die Teambesitzer rund um Liga-Boss David Stern hatten sich zu einem finalen Angebot hingerissen, bei dem eine 50 zu 50 Teilung der Gewinne der maßgebliche Baustein sein sollte, doch die Spieler unter der Führung von Billy Hunter und Derek Fisher betrachteten das Angebot als Erpressung – und lehnten ab.

Die NFL ging im vergangenen Sommer den gleichen Weg zu Findung eines neuen CBA-Agreements, doch ein entscheidender Faktor verhielt sich damals anders – beide Seiten wollten tatsächlich zu einer schnellen Lösung kommen und waren jeweils bereit, hier und da auf ein paar Dollar zu verzichten. Im Fall der NBA scheint diese Hoffnung nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen abstrus zu sein, benehmen sich doch beide Seiten abwechselnd wie Kinder im Kindergarten, denen ihr Spielzeug weggenommen wurde.

Allein schon die, wenn auch anonymen, Stimmen diverser Spieler, die sich große Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen und lieber heute als morgen wieder spielen würden, sprechen im Gegensatz zu der von Fisher vertretenen Postition, man wäre sich “unter den Spielern ohne Gegenstimme einig“, nicht gerade für eine gute Kommunikation im Lager der Athleten.

Uneinigkeit im Lager der Spieler

Zumal es bei der NBAPA drei verschiedene Instanzen geben sollte. Zunächst ist da die Führung um Hunter und Fisher, dann ein Gremium aus 30 Spielern, die jeweils einen Club repräsentieren, und zu guter Letzt natürlich jeder einzelne der etwa 450 Spieler, die einen NBA-Vertrag besitzen. Und die Instanz, die sich nun zur Auflösung entschied, war tatsächlich die Gruppe aus 30 Spielern, nicht die komplette Liga. Houston Rockets Guard Kevin Martin hatte ESPN.com dazu folgendes zu sagen:“Ich glaube es wäre fair, wen wir alle eine eigene Stimme hätten. Wir sind erwachsene Männer, die hier um ihre Karrieren kämpfen, und da sollte jeder mitentscheiden können, nicht nur ein Spieler pro Team.“

Weiter sagte Martin, er würde nicht preisgeben wollen, ob er für oder gegen das Angebot gestimmt hätte, nur, dass es offenbar viele Spieler gäbe, die gerne selber eine Stimme in der Angelegenheit gehabt hätten.

Und einfacher wird es nun natürlich nicht. Hatte bei der NFL bereits das zweite Gerichtsurteil ausgereicht, um den Spieler die Dringlichkeit einer Einigung vor Augen zu führen und für einen Kompromiss zu sorgen, dürfte sich selbiges bei den Basketballern ungleich schwieriger gestalten. Die NBA hat den Hut bereits in den Ring geworfen. So lagen bereits seit Wochen Papiere bei Gericht, mit denen die NBA nun die Spieler anklagt – und im Falle einer Auflösung der Spielergewerkschaft, die ja nun offiziell ist, erreichen will, dass alle Verträge der Liga mit den Spielern, unabhängig von den Laufzeiten, für ungültig erklärt werden können.

Vertragsauflösungen – Spielerwechsel im ganz großen Stil?

Genau dieser Schritt dürfte nun auch die Stars ein weiteres Mal zum Nachdenken bringen. Denn im diesem Fall wäre sogar ein Vertrag über die nächsten 5 Jahre und viele Millionen Dollar keine Garantie mehr, das Geld auch zu verdienen, wenn es mit der Saison wieder los geht. Im schlechtesten Falle müssten tatsächlich alle Spieler neue Verträge aushandeln, was aufgrund der dann auftretenden Free-Agent-Situation für jeden Spieler sicher zahlreiche Vereinswechsel nach sich ziehen würde – was sicherlich auch nicht im Sinne der Teambesitzer speziell der Teams aus strukturschwächeren Städten und Gebieten wäre.

Und auch die Fans fühlen sich natürlich hingehalten: Wer gibt schon Geld für Saisontickets – die höchste konstante Einnahmequelle einer jeden Franchise – aus, wenn sich nicht mal absehen lässt, welche Stars bei Saisonbeginn überhaupt noch im Team stehen? Und wie viel Lust hat man, sich einen Sport anzuschauen, bei dem man als Zuschauer Spieler bejubelt, die in den vergangenen Monaten bei allen entgegengesetzten Beteuerungen bewiesen haben, dass ihnen der normale Fan komplett egal ist?

Und das alles resultiert aus einer der aufregendsten, hochklassigsten und spannendsten Saisons, die die Liga seit etwa 15 Jahren hatte? Nicht nur mir erscheint es fast schon kopflos, keinen Profit aus den zahlreichen Rand-Geschichten der letzten Spielzeit zu schlagen. Können die Oldschool-Mavericks ihren Titel noch einmal verteidigen? Was passiert mit den drei Stars vom South Beach, die ihren Fans ja mindestens eine Handvoll Meisterschaften versprochen haben? Wird Kobe Bryant sich und sein Team mit einem neuen Coach nochmal zu einem Playoff-Run pushen können? Was passiert mit den kommenden Free Agent Stars wie Chris Paul und Dwight Howard?

All diese Geschichten und viele mehr nebenbei hätten der Marketingabteilung der Liga den Job quasi komplett abgenommen – wie ja bereits die sensationellen TV-Einschaltquoten in den letzten Monaten der Saison 2011 vermuten ließen.

Und stattdessen sitzen die Fans, die Angestellten der Clubs, von denen natürlich viele, genau wie auch die Angestellten der übertragenden Fernsehsender, um ihre Jobs bangen, sowie zahlreiche Journalisten mit dem Kopf auf die Hände gestützt herum, wälzen Theorien über das “Was hätte sein können“ und verlieren immer mehr den Glauben an NBA-Basketball im Frühjahr. Hoffen wir also auf einen schnellen Richterspruch – oder eben doch noch das Wunder einer Einigung unter den streitenden Parteien, denn wie beide Seiten einstimmig betonten: “Selbst nach einer Klage kann weiter verhandelt werden.“

Oliver Stein

sportal.de sportal

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