Basketball
Wagner-Festspiele in Berlin: Wie die NBA nach Deutschland drängt

Franz Wagner zieht zum Korb
Mit Zug zum Korb: Franz Wagner (r.) im Spiel gegen die Memphis Grizzlies
© Catherine Steenkeste / Getty Images
Moritz und Franz Wagner gewinnen mit den Orlando Magic in Berlin – und die NBA wittert in der Hauptstadt bereits das nächste große Geschäft.  

Moritz und Franz Wagner sind nicht nur geschätzte Angestellte der Orlando Magic, sie sind auch deren beste Kunden. Für das Spiel ihres Klubs am Donnerstagabend gegen die Memphis Grizzlies hatten sie ein üppiges Kartenkontingent geordert – "nördlich der 200", wie Moritz sagte und dann anfügte: "Mit einem Plus gehen wir aus dieser Veranstaltung nicht raus."

Wahrscheinlich nicht, denn die Tickets in der Arena am Berliner Ostbahnhof kosteten zwischen 250 und 550 Euro im Ober- und Unterrang. Etwa 100.000 Euro dürften die Brüder für ihren eigenen Auftritt ausgegeben haben.

In den ersten beiden Vierteln sah es so aus, als ob es klügere Formen der Geldanlage gäbe. Wenig lief zusammen bei den Orlando Magic, bald lagen sie mit 20 Punkten in Rückstand und die Wagner Brothers, wie sie in den USA genannt werden, ließen sich von der schlechten Teamleistung hinabziehen. 

Franz Wagners spektakuläres Schlussviertel

Aber dann, das Schlussviertel: Franz Wagner mit seinem unnachahmlichen Zug zum Korb, der elegante Spin Move klappte plötzlich, diese schnelle Drehung um die eigene Achse, zu verteidigen von keiner Defensive der Welt. Franz führte die Magic beim Punktesammeln an, Moritz bewachte Jaren Jackson Jr., den besten Mann der Grizzlies. Das war die Rollenverteilung. Orlando gewann 118:111 in Berlin, der Heimatstadt der Wagners. 

Das wurde von den 13.700 Fans gefeiert; es war das lauteste Basketballspiel, das jemals in Deutschland stattgefunden hat. Wobei sich nicht genau sagen lässt, wie viel Lärm von den Tribünen kam. Alles wurde zugedröhnt mit Musik und Kreischlauten vom Regiepult, nicht eine Sekunde herrschte Stille. So etwas muss man mögen.

Die aufgekratzte Atmosphäre in der Halle und der Rummel um ihre Person hinterließen Spuren bei den Wagner-Brüdern. "Ich weiß gar nicht, ob all diese Aufmerksamkeit überhaupt gesund ist", sagte Moritz nach dem Spiel, "ich freue mich dann auch, wenn das jetzt ein bisschen wieder runtergeht." Franz sagte: "Es war mental einfach eine Menge. Es war eine sehr emotionale Woche."

Bei den Wagner-Festspielen am Donnerstagabend saß auch Adam Silver, der Chef der nordamerikanischen Profiliga NBA, im Publikum. Für ihn war die Partie eine Art Probebetrieb für das, was ab 2027 regelmäßig in Berlin stattfinden soll: Basketball, der das Label NBA trägt. Silver plant die Gründung einer europäischen Liga, er will in die Metropolen des Kontinents, denn hier lässt sich, so glaubt er, viel Geld verdienen: "Europa bringt weiterhin mit die besten Spieler der Welt hervor, aber der kommerzielle Erfolg hier hat mit dem Wachstum unseres Sports nicht Schritt gehalten. In jedem anderen Markt wäre das ein klares Zeichen für eine riesige Chance."

Drohende Konflikte mit der Euroleague

Dass es bereits einen Wettbewerb gibt, die Euroleague, in der Traditionsklubs wie Real Madrid, FC Barcelona, Panathinaikos Athen oder Maccabi Tel Aviv organisiert sind, scheint Silver in seinem Expansionsdrang nicht zu bremsen. Auf einen drohenden Konflikt angesprochen, antwortete der NBA-Commissioner in Berlin ausweichend: "Ich denke, hier gibt es eine Chance, den europäischen Basketball wachsen zu lassen. Wir betrachten uns selbst nicht unbedingt als Konkurrenten anderer Basketball- oder Sportorganisationen. Wir konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Menschen."

Adam Silver bei einer Pressekonferenz
Auf Expansionskurs: NBA-Chef Adam Silver will in Europa eine neue Basketballliga gründen
© Mansoor Ahmed / Getty Images

Offen ist derzeit, welche Vereine das Angebot der NBA annehmen werden. Es kursieren Listen, offizielle Zu- oder Absagen gibt es bislang noch nicht. In Deutschland hat Alba Berlin, der Ausbildungsverein von Moritz und Franz Wagner, grundsätzliches Interesse signalisiert. Der FC Bayern München hält sich bislang noch bedeckt, soll aber bereits von der NBA kontaktiert worden sein. 

Offen ist auch, wie sich die neue Superliga finanzieren soll. Silver wünscht sich einen europäischen Wettbewerb, der auf NBA-Niveau inszeniert wird. Eine zweite Glitzerwelt mit modernen Arenen, prominenten Spielern und großen Marketingbudgets. Es wird allenfalls eine kleine Anschubfinanzierung der NBA für die Europa-Filialen geben – das wirtschaftliche Risiko tragen die Klubs selbst. Doch woher soll das Geld kommen? Selbst die Euroleague, die weitaus schlankere Strukturen hat als die NBA, ist defizitär. Wie soll da noch zusätzliches Geld akquiriert werden?

Hoffen auf die Strahlkraft der NBA

Silver setzt auf die Strahlkraft der NBA. Er hofft, dass große Investoren einsteigen werden, Fonds zum Beispiel, die langfristige Strategien verfolgen und an eine leuchtende Zukunft glauben. 

Die amerikanische NBA hat kürzlich einen atemberaubenden TV-Vertrag abgeschlossen: 77 Milliarden Dollar für elf Jahre. Warum sollte nicht auch Europa vom Boom des Basketballs profitieren und Kasse machen können? So sehen es die NBA-Strategen.

Noch muss Silver einiges an Überzeugungsarbeit leisten. An diesem Freitag geht es für ihn von Berlin weiter nach London, wo die Orlando Magic ein Rückspiel gegen die Memphis Grizzlies bestreiten werden. In der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs gibt es bislang noch keinen großen Basketballklub. Was sich natürlich schnell ändern muss, wie Adam Silver meint.

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