NBA-Basketballer in Berlin
Zwei Brüder, eine Mission

Moritz und Franz Wagner sitzen auf einer Pressekonferenz in Berlin
Zwei Brüder als Botschafter: Die NBA-Basketballer Moritz (r.) und Franz Wagner spielen mit den Orlando Magic in Berlin
© Andreas Gora / Picture Alliance
Moritz und Franz Wagner sind mit den Orlando Magic in Berlin zu Gast. Die beiden Basketballer wollen Werbung machen – nicht nur für ihren Klub, sondern gleich für die ganze NBA.

Das Haus ihrer Kindheit steht nicht weit entfernt, fünf Minuten mit dem Fahrrad, doch Moritz und Franz Wagner kommen an diesem Vormittag mit einem großen Bus zur Max-Schmeling-Halle. Die Brüder sind dienstlich nach Berlin gereist – zum ersten Mal seit sie in der nordamerikanischen Profiliga NBA unter Vertrag stehen. Beide spielen für die Orlando Magic, beide verbringen sie ihre Tage mit der Mannschaft statt mit den Eltern im Stadtteil Prenzlauer Berg.

Und beide sind sie derzeit mehr als nur Basketballer, die mit den Magic an diesem Donnerstagabend in Berlin gegen die Memphis Grizzlies antreten. Franz und Moritz Wagner sind auch Stadtführer und Deutschland-Erklärer. Sie müssen ihre Teamkameraden zum Beispiel darüber aufklären, dass Bier und Brezeln bayrische Spezialitäten sind, in der Hauptstadt jedoch der Döner als Gericht Nummer eins gilt. "Wir müssen viele Tipps geben", sagt Moritz Wagner, 28, "es ist ein anstrengender Trip. So viele Termine, wir wissen nicht mehr, wo oben und unten ist."

Moritz und sein vier Jahre jüngerer Bruder Franz Wagner haben sich selbst einiges an Arbeit auferlegt in diesen Tagen. Moritz nennt es sogar eine Mission. Franz sagte am Dienstag vor dem Training mit den Orlando Magic: "Früher hat sich die NBA weit weg angefühlt für mich. Wir wollen den Weg ein bisschen klarer erscheinen lassen für die nächste Generation in Deutschland."

Moritz kann sich noch gut daran erinnern, wie er zum ersten Mal in Tuchfühlung kam mit der NBA, dem Traumziel vieler junger Basketballer. Er spielte in der Nachwuchsabteilung von Alba Berlin, als das Bundesliga-Team 2006 den Center Ruben Boumtje-Boumtje verpflichtete. Der feingliedrige Kameruner hatte zuvor für die Portland Trailblazers, Cleveland Cavaliers und Orlando Magic gespielt. 

Boumtje-Boumtje war 2,13 Meter lang, aber er wirkte noch viel größer. Alles an ihm strahlte Stolz und Gravitas aus. Boumtje-Boumtje ging nicht, er schritt. Er beugte sich zu Gesprächspartnern nicht hinunter, sondern erwartete, dass man zu ihm aufschaute. Boumtje-Boumtje war der perfekte NBA-Botschafter. Einer, der kleine Jungs wie die Wagners beeindrucken und die Sehnsucht nach Amerika wecken konnte.

Basketball-Botschafter seit dem WM-Sieg

Nun sind die Brüder selbst Botschafter. Das begann im Sommer 2023, am Spätnachmittag des 10. September. Die deutschen Basketballer schlugen angeführt von Moritz und Franz Wagner im WM-Finale die favorisierten Serben. Sie gewannen Gold, es war der erste Titel für den Verband seit 30 Jahren und der erste Triumph bei einer Weltmeisterschaft überhaupt. Aber diese Nachricht drohte unterzugehen an diesem Sonntagnachmittag, denn zeitgleich verkündete der Deutsche Fußball-Bund die Trennung von Bundestrainer Hansi Flick.

Moritz und Franz Wagner mit dem WM-Pokal 2023
Historischer Triumph: Moritz (l.) und Franz Wagner mit dem WM-Pokal
© IMAGO/Tilo Wiedensohler

Erst einige Tage später, als sich die Aufregung um die Fußballer etwas gelegt hatte, begriff die Sportnation Deutschland, was die Basketballer Großes geleistet hatten. Dass dort eine junge Mannschaft zunächst die hochfavorisierten USA und dann im Finale die starken Serben geschlagen hatte – und dass von diesem Team noch viel zu erwarten sein würde in den nächsten Jahren.

Dirk Nowitzki war es nie vergönnt gewesen, einen Titel zu gewinnen mit der Nationalmannschaft. Franz Wagner gelang es gleich im ersten Anlauf, für Moritz war die WM das zweite Turnier für Deutschland. Nowitzki war immer Einzelkämpfer geblieben, wenn es darum ging, für Basketball in Deutschland zu werben. Es gab nur Nowitzki, den sie in den Vereinigten Staaten "German Wunderkind" oder "Dirkules" nannten.

Franz Wagner erhält bis zu 269 Millionen Dollar für fünf Jahre

Die Wagner-Brüder hingegen sind nicht allein. Dennis Schröder spielt für die Sacramento Kings, Isaiah Hartenstein wurde 2025 Meister mit OKC Thunder, Maximilian Kleber steht bei den LA Lakers unter Vertrag und Ariel Hukporti bei den New York Knicks. Und in Tristan da Silva gibt es sogar einen dritten Deutschen bei den Orlando Magic.

Seit dem Karriereende von Nowitzki 2019 ist die NBA nochmals gewachsen; vor allem, was die Gehälter betrifft. So hat Franz Wagner bei Orlando einen Arbeitsvertrag unterschrieben, der ihm mindestens 224 Millionen Dollar garantiert – und mit Bonuszahlungen, wie etwa für eine Nominierung als All-Star, bis zu 269 Millionen Dollar einbringt. Tritt dieser Fall ein, würde Franz Wagner innerhalb von nur fünf Jahren mehr verdienen als Nowitzki (252 Millionen) in seinen 21 Jahren bei den Dallas Mavericks.

Moritz und Franz Wagner stehen in einem NBA-Spiel auf dem Platz
Zurück auf dem Platz: Moritz (r.) und Franz Wagner waren zuletzt beide angeschlagen. In Berlin dürften sie wieder zum Einsatz kommen
© Phelan M. Ebenhack / Picture Alliance

Surreale, luftige Summen sind dies. Kaum greifbar, wie Franz Wagner selbst mal sagte. Im Moment aber ist Franz Wagner mit ganz irdischen Problemen beschäftigt. Nach einer Sprunggelenkverletzung, die er Anfang Dezember im Spiel gegen die New York Knicks erlitten hatte, musste er zuletzt für 16 Spiele aussetzen. Für das Berlin-Spiel ist er jedoch zuversichtlich. "Mir geht's gut. Ich habe ein gutes Training gemacht und schaue, wie der Fuß reagiert. Und dann hoffe ich, dass ich am Donnerstag spielen kann."

Auch Moritz Wagner kommt aus einer Verletzungspause zurück. Nach einem Kreuzbandriss hat er erst eine Partie bestritten und soll langsam aufgebaut werden. Wahrscheinlich werden die beiden Brüder gegen Memphis einige Minuten spielen. Sie werden gebraucht, auf dem Platz – und als NBA-Botschafter in ihrem Heimatland.

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