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NFL: Any Given Wednesday - Transfergeschichten

Der Lockout ist endlich vorbei und verlorene Zeit will aufgeholt werden. So beschäftigt sich die NFL-Kolumne in dieser Woche mit sechs Spielern, die "zu haben" sind.

Nach gut viereinhalb Monaten hält die Normalität wieder Einzug in die NFL - ab heute können die Teams mit Free Agents über deren Dienste verhandeln. Zeit also, einen Blick auf die Spieler auf dem Transfermarkt zu werfen und sechs von ihnen kurz vorzustellen.

Einiges an Prominenz ist in der Verlosung, allerdings sollte man natürlich nicht nach Namen einkaufen. Für mich gibt es in Sachen Free Agents drei Kategorien: Die Fünf-Minuten-Gewinner, die Biedermänner und die Kneifzangen - eine Erklärung, so sie denn nötig ist, folgt in der jeweiligen Kategorie.

Wobei ich die Biedermänner einmal außen vor lassen werde. Solide Spieler gibt es, wie eigentlich immer, in diesem Jahr genug. Allen voran die Quarterbacks, von denen wirklich keiner in die eine oder andere Richtung hinausragt. Wenn sie es denn doch tun, sind sie durch das Franchise Tag wie Peyton Manning gebunden oder bei ihnen steht ein Wechsel außer Frage, wie es zum Beispiel bei Michael Vick der Fall ist.

Die Fünf-Minuten-Gewinner

Ähnlich wie die tolle Idee von Maggi bekommt das Team mit diesen Spielern einen sofortigen Zugewinn, der für die Verbesserung der Mannschaft sorgen kann. Solch ein Free-Agent könnte das Zünglein an der Waage für eine Hop- oder Top-Saison sein.

Für mich sind derzeit nur vier Akteure auf dem Markt in dieser Kategorie. Der eine ist Cornerback Nnamdi Asomugha von den Oakland Raiders, der als absolute Nummer eins auf allen Free Agent-Listen stehen dürfte. Schließlich zählt der Verteidiger zu den Besten auf seiner Position. Er gilt dazu als sogenannter Shutdown-Corner, der den Wide Receiver auf seiner Seite durch Deckung aus dem Spiel nimmt.

Einer, der aufgrund seiner Position wenig in Betracht gezogen wird, der aber auf dem Markt sein könnte, ist Kicker Adam Vinatieri. Sowohl bei den Patriots als auch bei seinem jetzigem Team, den Colts, war der 38-Jährige Mister Zuverlässig schlechthin. Nicht umsonst trauern die Fans in New England dem Mann nach, der bei ihren drei Super Bowl-Erfolgen jeweils das entscheidende Field Goal schoss.

Dritter und Vierter im Bunde sind Running Back DeAngelo Williams von den Carolina Panthers und Wide Receiver Sidney Rice von den Minnesota Vikings. Williams soll laut mehreren Medienberichten zwar in Carolina bleiben, doch erscheinen die Denver Broncos mit seinem alten Coach ein verlockendes Ziel für ihn. Rice verpasste im letzten Jahr zwar den Großteil der Spiele, dürfte aber einem Team, das keinen schnellen Wide Receiver sein Eigen nennt, weiterhelfen. Und: er ist erst 24!

Die Kneifzangen

Zwei Spieler, die Free Agents werden könnten, ein Team am Ende aber mehr am Erfolg hindern könnten, als ihm helfen, sind Randy Moss und Cedric Benson. Über Moss habe ich ja vor einigen Wochen geschrieben. Ein Spieler, den im letzten Jahr gleich zwei Teams entlassen haben - und dies nicht aufgrund der sportlichen Leistung - den sollte man nicht mit der Kneifzange anfassen.

Running Back Cedric Benson würde ich insbesondere dank der Episode in der letzten Woche, als er seinem Ex-Mitbewohner an einer Straßenecke nach Berichten ins Gesicht schlug und festgenommen wurde, ebenfalls nicht so gerne in meinem eigenen Team sehen.

Auch wenn sich die Aussage seiner Rechtsanwälte als wahr erweisen sollte, dass jener Mitbewohner Benson erpressen würde, wie nfl.com vermeldete - mit Selbstjustiz löst er solche Probleme nicht. Zudem war er bereits 2008, wegen Trunkenheit am Steuer eines Bootes, und 2010, als er einen Barkeeper ebenfalls geschlagen haben soll, mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Lockout - Nachtrag

Auch wenn die Aussperrung jetzt vorbei ist - ein kleines Nachtreten gegen die Besitzer erlaube ich mir noch. Dass die am Donnerstag schnell erfolgte Abstimmung der 31 Teameigner nicht ganz mit rechten Dingen zuging, mag zum einen die Reaktion der Oakland Raiders zeigen, die sich von diesem Voting fernhielten. Ja, Al Davis ist ein Querulant, der gerne gegen die Liga schießt. Aber - er hat seine Prinzipien. Aus diesem Grunde könnte er seine Leute von der Abstimmung abgezogen haben. Oder er ist doch eben nur Al Davis, der ewige Liga-Rebell.

Zum anderen spricht die empörte Reaktion der Spieler Bände. Nein, man muss es nicht so drastisch wie Vonnie Holliday formulieren (via Twitter: "Wir wurden ausgetrickst, übertölpelt, fehlgeleitet, getäuscht, beschwindelt."), doch ein kleines Gschmäckle hatte die Sache schon. Praktisch schien es auf jeden Fall, so waren die Spieler nun am Zug, es sich mit den Fans zu verderben.

Zudem schien die Sache auch aus der Not hinaus geboren, denn mit dem Ausfall eines ersten vollen Spielwochenendes, wie es mit den Vorbereitungspartien in zweieinhalb Wochen geplant ist, würden den Teams 60 Millionen Dollar durch die Lappen gehen. Ein Schelm, wer Böses bei diesem plötzlichen Eiltempo denkt.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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