Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
mit American Football konnte ich ehrlicherweise nie viel anfangen. Zu viel Taktik, viele Unterbrechungen, zu wenig Spielfluss, so hab ich es immer wahrgenommen. Vielleicht habe ich das Spiel aber auch nie richtig verstanden. Ich war eher NBA-Fan. Schnelles Spiel, viel hin und her, viele Punkte. Das war mehr nach meinem Geschmack.
Der Super Bowl hat mich trotzdem stets fasziniert. Dieses Mega-Spektakel, das einmal im Jahr quasi alle US-Amerikaner vor dem Fernseher versammelt, auch die, die sonst keinen Sport schauen. Weil man den Super Bowl gesehen haben muss, um in den Tagen danach mitreden zu können. Nicht nur das Spiel, sondern auch die legendäre Halbzeitshow, die Live-Acts vor dem Spiel und nicht zu vergessen die TV-Spots, die extra für diese eine Ausstrahlung produziert werden. Der Super Bowl war bislang ein Lagerfeuer, um das sich die Amerikaner ungeachtet aller Differenzen versammeln konnten.
In diesem Jahr wurde der Super Bowl im Vorfeld jedoch politisiert wie wohl nie zuvor. Dass ausgerechnet der puerto-ricanische Musiker Bad Bunny für die Halbzeit-Show und die Punkrocker von Green Day fürs Vorprogramm verpflichtet wurden, stieß Donald Trump und seinen Maga-Anhängern bereits im Vorfeld bitter auf. Bad Bunny singt nämlich stets nur auf spanisch und nutzte bereits die Grammys vor einer Woche, um gegen die Politik der US-Regierung und insbesondere die umstrittene Grenzschutztruppe ICE auszuteilen. Beim Super Bowl nutzte er die riesige globale Bühne für eine Hommage an alle Länder des amerikanischen Doppelkontinents – nicht nur die USA. Green Day hielten sich dagegen mit Seitenhieben gegen die gegenwärtige US-Politik eher zurück. Die Kritik des Präsidenten kam prompt. Die Show sei "schrecklich" und eine der schlimmsten aller Zeiten gewesen, maulte Trump auf seinem eigenen sozialen Netzwerk Truth Social.
Seattle Seahawks gewinnen den Super Bowl
Der Präsident war anders als im Vorjahr dem diesjährigen Super Bowl in der kalifornischen Stadt Santa Clara ferngeblieben. Obwohl man Donald Trump durchaus eine gewisse American Football-Besessenheit attestieren kann. Und mit der NFL verbindet den Präsidenten gar eine Art Hassliebe, wie mein Kollege Fabian Huber hier beschreibt. Um ein Zeichen gegen den diesjährigen vermeintlichen "Woke Bowl" zu setzen, organisierte die vom 2025 ermordeten Charlie Kirk gegründete rechtskonservative Organisation "Turning Point USA" in diesem Jahr sogar alternatives Lagerfeuer: Einen Livestream mit einer eigenen Halbzeit-Show, die angeblich amerikanische Werte verkörpert. Deren Headliner war Trump-Freund Kid Rock. Ob Trump die Show ebenfalls angesehen hat, weiß ich nicht. Die offizielle hat er sich ja offenbar zu Gemüte geführt.
Ach ja, Sport gab es neben dem ganzen Drumherum übrigens auch: Auf dem Rasen standen sich die News England Patriots und die Seattle Seahawks gegenüber. Elf Jahre nach der Schlappe gegen die Patriots gelang den Seahawks die Wiedergutmachung. Das Team gewann zum zweiten Mal in seiner Geschichte den Super Bowl. Späte Touchdowns brachten die Entscheidung.
Darf die AfD zur Münchner Sicherheitskonferenz?
Am Ende der Woche kommt die außen- und sicherheitspolitische Elite zur Münchner Sicherheitskonferenz (Siko) zusammen, um über die Weltlage zu beraten. Es wird mit Sicherheit um die Ukraine und den russischen Angriffskrieg gehen, ebenso sicher um den Iran und den Umgang des Regimes mit Demonstranten. Interessant dürfte auch nicht zuletzt werden, wie sich europäische Vertreter in München mit amerikanischen Regierungsmitgliedern verstehen. US-Vize-Präsident J.D. Vance, der im vergangenen Jahr mit einer deutlichen antieuropäischen Rede auffiel, kommt in diesem Jahr nicht, stattdessen hat sich US-Außenminister Marco Rubio angekündigt.
Zudem sind einige Vertreter der AfD eingeladen, so sollen laut Konferenzchef Wolfgang Ischinger die die Realitäten im Bundestag abgebildet werden. Der Aufschrei der anderen Parteien war in der Folge groß, von einem "Sicherheitsrisiko" war unter anderem die Rede. Ist das so? Mein Kollege Veit Medick kommentiert an dieser Stelle, warum man die Vertreter der AfD ruhig zur Siko lassen soll und wie diese dort bestenfalls noch etwas lernen können.
5-Minuten-Talk: Warum die Regierung vor der BSW-Klage zittern muss
4,981 Prozent holte Sahra Wagenknechts BSW vor rund einem Jahr bei der Bundestagswahl. Die Partei scheiterte denkbar knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Nur ein paar Tausend Stimmen fehlten zum Einzug ins Parlament. Aber die Parteigründerin gibt nicht auf und will nun per Klage in Karlsruhe eine Neuauszählung der Wahl erzwingen.
Die Folgen wären womöglich dramatisch – auch für die Bundesregierung. Käme das BSW am Ende doch noch ins Parlament, wäre die ohnehin knappe schwarz-rote Mehrheit futsch. Alles nur Zahlentrickserei oder muss sich die Koalition ernsthaft Sorgen um die eigene Mehrheit machen? Darüber sprechen meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Montag, dem 9. Februar 2026
- Auftaktveranstaltung vor der 62. Münchner Sicherheitskonferenz und Vorstellung des Munich Security Report 2026
- Entscheidungen bei den Olympische Winterspielen: Ski alpin Männer, Skispringen, Männer, Eisschnelllauf Frauen, Ski Freestyle Frauen, Snowboard Frauen (Hier finden Sie den Olympia-Newsblog)
- Mutter auf Anklagebank: Prozess um jahrelang eingesperrtes Mädchen beginnt neu
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
"Life is what happens to you while you′re busy making other plans" – Leben ist, was Dir passiert, während Du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen, sang John Lennon einst.
Auch Familienpläne können sich schneller ändern, als uns lieb ist. Eine Beziehung zerbricht, plötzlich ist man alleinerziehend und sieht sich ungeahnten Herausforderungen gegenüber. Eine Expertin gibt Tipps, wie man sich dafür wappnet – emotional, aber auch finanziell.
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Patrick Rösing