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NFL: NFL-Kolumne - Abschlussrekorde und das Saisonfazit

Für den Großteil der NFL-Teams ist die Saison vorbei, erste Konsequenzen sind gezogen. Vor den Playoffs machen wir die große Abrechnung der Redaktions-Saisontipps. Außerdem: die Würdigung einiger außergewöhnlicher Leistungen.

Abgerechnet wird am Schluss, lautet ein gefügeltes Wort – und auch wenn in der NFL noch keine Trophäe vergeben ist, ist seit diesem Wochenende die Saison für 20 der 32 Teams vorbei. Von denen beendeten wiederum einige bereits das Arbeitsverhältnis mit Funktionsträgern. Auch in der Redaktion rechnen wir ab und krönen den Experten der regulären Saison.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Doch bevor die große Abrechnung kommt, sollten der Vollständigkeit halber die Bestleistungen einiger Spieler und Teams erwähnt werden. Ja, Football ist ein Teamsport und trotzdem darf man sich an solchen Errungenschaften auch erfreuen.

Auch wenn sie so zustande kamen, wie es die New Orleans Saints vormachten. Für die ging es zunächst sogar um etwas, nämlich im Fernduell mit den San Francisco 49ers um den zweiten Platz der NFC, der ein spielfreies Wochenende am ersten Playofftag bedeutet hätte.

Doch als Drew Brees, seit letzter Woche der Rekordinhaber für den größten Raumgewinn in einer Saison (nun 5476), trotz 35:17-Führung gegen die Carolina Panthers, bei ebenfalls gleichzeitiger klarer Führung des Rivalen und damit keiner Chance auf Platz zwei, immer noch im Spiel gelassen wurde, war vielen Beobachtern klar: Die wollen alle Rekorde.

Zum einen stellten Brees und Co. am Ende die neue Bestmarke für die meisten Offensiv-Yards eines Teams in einer Saison auf, Brees kam auf drei weitere Saison-Rekorde – in den Kategorien erfolgreiche Pässe, Trefferquote und Anzahl der Spiele mit über 300 Yards - und Mitspieler Darren Sproles, der die meisten Yards Raumgewinn für einen Spieler am Boden und durch die Luft verbuchte (2696), während Tight End Jimmy Graham das Duell mit Rob Gronkowski von den New England Patriots um 17 Yards verlor.

Der Grund für die Brees'sche Rekordjagd dürfte ebenfalls in Boston zu finden sein: Schließlich galt es im Kampf um die 27 Jahre alte Bestmarke von Dan Marino, Patrios-Quarterback Tom Brady zu distanzieren. Der schloss letztlich mit 241 Yard weniger als Brees die Spielzeit ab, setzte sich in der Ewigenliste mit 5235 noch vor den entthronten Rekordinhaber Marino.

Dagegen scheiterte Matt Stafford von den Detroit Lions knapp an Marinos Marke von 5087, brachte es aber mit 5038 ebenfalls auf eine stattliche Zahl mit einer fünf vorne und sorgte somit für ein Novum. Nachdem neben Marino 1984 nur Brees 2008 auf eine solche Zahl kam, sind es mit Brees, Brady und eben dem Lions-Quarterback Stafford in diesem Jahr gleich deren drei Spielmacher.

Stafford und Gegner Matt Flynn, zweiter Quarterback bei den Green Bay Packers, stellten gemeinsam auch einen Rekord auf: Beim 45:41 der Packers brachten es die beiden gemeinsam auf 1000 Yards Raumgewinn, Stafford kam auf 520, Flynn auf 480. Flynn ist seit der Partie zudem Rekordhalter in Green Bay in Sachen meiste Yards und meiste Touchdowns (6) in einem Spiel. Wohlgemerkt in einem Team, dass Quarterbackgrößen wie Aaron Rodgers und Brett Favre aufweist oder aufwies.

Erste Konsequenzen

Nach der ersten positiven, nun die negative Abrechnung. Allerdings nicht von mir, sondern vor allem den Teambesitzern. Nachdem bereits drei Spieltage vor Schluss zwei Coaches gehen mussten, folgten am Tag nach Saisonende Raheem Morris von den Tampa Bay Buccaneers und Steve Spagnuolo von den St. Louis Rams. Wenig überraschend, waren die beiden Teams doch weit hinter ihren Hoffnungen zurückgeblieben.

Die Teambesitzer der Indianapolis Colts und Chicago Bears gingen dagegen andere Wege. Dort sitzen zwar die Coaches Jim Caldwell und Lovie Smith noch im Sattel, den Herren aus dem Management wurden jedoch die Arbeitspapiere überreicht. Bei den Bears musste General Manager Jerry Angelo gehen.

Sind Mannings Tage gezählt?

In Indianapolis trennte sich Besitzer Jim Irsay vom Vater-Sohn-Duo Bill und Chris Polian. Vater Bill war Vize-Vorsitzender des Teams und unter anderem derjenige, der 1998 Peyton Manning gedraftet hatte. Sohn Chris war 2009 in die General-Manager-Fußstapfen seines Erzeugers geschlüpft.

Die Entlassung ließ vor allem Manning geschockt zurück. Seine Zukunft steht nach seiner Nacken-Verletzung, die keinen Einsatz in dieser Saison erlaubte, der 2:14-Bilanz und dem damit verbundenen letzten Platz und dem Recht auf die erste Wahl im Draft, damit noch weiter in den Sternen. Im März müssten die Colts ihm zudem 28 Millionen Dollar Bonus bezahlen, Irsay hat jedoch bereits gegenüber Sports Illustrated angedeutet, dass Manning dieses Geld auf jeden Fall erhalten wird. Trotzdem wird eine der spannendsten Fragen dieser footballlosen Zeit sein: Geht Manning, kommt Top-Collegequarterback Andrew Luck? Spielen beide zusammen?

Abgerechnet wird am Schluss

Zurück von den Spekulationen zu den Fakten, nämlich den Redaktionstipps. In der AFC East sahen diese mit dem Divisionssieg der Patriots nicht allzu schlecht aus, auch wenn Lars Ahrens die New York Jets als Einziger vorne sah und ich ein zu enges Rennen zwischen den ihnen und Patriots vorausgesagt hatte.

Die Jets schlossen mit einem 17:19 bei den Miami Dolphins die Saison ab und verspielten damit ihre Playoffchancen. Dabei spielte Quarterback Mark Sanchez eine so unglückliche Rolle, dass seine Zukunft wackelig erscheint. Damit ist New York übrigens einer der Hauptspekulationsobjekte für einen möglichen Manning-Wechsel. Reizvoll wäre es allemal. Peyton und sein kleiner Bruder Eli in einer Stadt – das hätte etwas.

In der AFC North hatten die Baltimore Ravens die Nase hauchdünn vor den Pittsburgh Steelers, mit den Cincinnati Bengals qualifizierte sich zudem noch ein drittes Team für die Playoffs. Die hatte keiner der Redaktionsexperten auf der Rechnung. Kollege Marcus Krämer und ich lagen bei dem Steelers-Tipp zudem daneben.

Den Sieg der Houston Texans in der AFC South sah dagegen nur Christian Fichter voraus. Ich kann mich dagegen nur der richtigen Voraussage des Colts-Absturzes aufgrund von Mannings Verletzung rühmen, die Jacksonville Jaguars-Freunde in unserer Redaktion lagen jedoch daneben.

Tim Tebow und die Denver Broncos, sowie der Rest der AFC West brachte jedoch unsere Expertenrunde gewaltig ins wanken. Die San Diego Chargers waren unser aller Favorit und brachten es am Ende nur auf eine 8:8-Bilanz. Zwar genauso gut wie die erstplatzierten Broncos und die Oakland Raiders, aber der Favoritenrolle wurden sie nie gerecht.

Auch in der NFC gab es zwei Divisionen, die uns zuvor Kopfzerbrechen bereiteten. Natürlich war dies nicht die NFC North, die die Green Bay Packers als bestes NFL-Team gewannen. Der erste Stolperstein war die NFC East, die die New York Giants für sich entschieden. Immerhin in einer Art Divsionsfinale gegen die von mir getippten Dallas Cowboys, die ihre letzte Chance auf die Playoffs schnell verspielten. Damit darf ich mich vielleicht Einäugiger unter den Blinden nennen, der Rest sah die Philadelphia Eagles vorne.

In der NFC West gab es ebenfalls keinen richtigen Treffer. Die von den Kollegen Fichter, Krämer und mir genannten St. Louis Rams waren nicht der absolute Volltreffer, wie oben bereits gezeigt. An die San Francisco 49ers wollte kein Redakteur glauben. Und auch in der NFC South habe ich mit den Tampa Bay Buccaneers voll daneben gegriffen, während hier die Kollegen Henning Schulz und Marcus Krämer auf das richtige Pferd New Orleans Saints setzten.

Das amtliche sportal.de-Ergebnis:

  • Christian Fichter: Vier Divisionssieger / Drei Playoffteilnehmer
  • Henning Schulz: Vier Divisionssieger / Zwei Playoffteilnehmer
  • Marcus Krämer: Drei Divisionssieger / Zwei Playoffteilnehmer
  • Lars Ahrens: Zwei Divisionssieger / Drei Playoffteilnehmer
  • Sven Kittelmann: Zwei Divisionssieger / Zwei Playoffteilnehmer

Damit gratuliere ich dem Kollegen Fichter zum Tippsieg... und nehme mir eine Papiertüte, auch angesichts des drohenden Playoffdebakels der Broncos im Playoffspiel gegen die Steelers.

Sven Kittelmann

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