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NFL: Super Bowl XLVI - Der Teamcheck

19 oder 18 Spiele liegen hinter den Spielern der New York Giants und New England Patriots, jetzt kommt der Höhepunkt und für sie die vielleicht einmalige Chance auf den Titel der NFL. Welches Team hat das Zeug zum Champion? Wir versuchen uns an einer Antwort.

Der Saisonhöhepunkt in der NFL steigt heute Nacht deutscher Zeit in Indianapolis. Wenn beim Super Bowl XLVI die New England Patriots auf die New York Giants treffen, geht es für Coaches, Spieler, Team-Besitzer und Fans um die Krönung einer langen Saison. Wir nehmen im Teamcheck die beiden Mannschaften einmal genauer unter die Lupe.

Quarterbacks

Seit 2001, als er für den verletzten Drew Bledsoe einspringen musste, ist Tom Brady neben seinem Coach Bill Belichick das Gesicht der Patriots. Zu Recht, hat er sich nach dem ersten Titelgewinn 2002, als er mehr Ballverwalter, denn der Top-Spielmacher war, der er heute ist, doch stetig auf den Olymp des Footballs hochgearbeitet. Einmal abgesehen davon, dass er mit dem Erfolg über die Giants sein Idol Joe Montana in Sachen Anzahl der Super Bowl-Ringe einholen könnte - seinen Platz in der Hall of Fame hat er heute schon sicher.

Was Brady auszeichnet, ist seine Spielübersicht und die Fähigkeit, eine erfolgreiche No-Huddle-Offense zum Erfolg zu bringen. No Huddle heißt in dem Falle, ohne Pause von einem Spielzug zum nächsten überzugehen und so dem Gegner keine Zeit für Defensiv-Einwechslungen zu lassen oder auf bestimmte Formationen der Patriots zu reagieren. Was Brady jedoch nicht kann, ist laufen. Wenn er unter Druck gerät, versucht er in den seltensten Fällen selbst zu laufen, sondern sich per Wurf aus der Affäre zu ziehen. Aber auch die Coolness in diesen Moment ist eine seiner großen Stärken.

Gegenüber Eli Manning strebt ebenfalls einen Platz in der Hall of Fame an und könnte diesen ebenfalls erreichen, er muss jedoch in Indianapolis gewinnen, um mit seinem zweiten Super Bowl-Sieg zu überzeugen. Besonders in den letzten Woche zeigte er denjenigen, die es beinahe vergessen hatten, seine große Stärke auf. Manning - so scheint es oft - spielt unter Druck am allerbesten. 

Ebenfalls bewundernswert: Er kann eine Menge wegstecken. Auch wenn er von 300 Pfund-Kolossen der gegnerischen Defense umgerannt und zu Boden geworfen wird - er steht immer wieder auf. Und er reagiert auf solche Angriffe gelassen und entwickelt, anders als viele seiner Kollegen, nicht den Drang den Ball sofort wegzuwerfen, sondern sucht sich geduldig einen passenden Mitspieler als Anspielstation.

Offensive Line

Mittlerweile dürfte es jeder wissen, dass mit Sebastian Vollmer der einzige Deutsche in der NFL bei den Patriots spielt und das sehr erfolgreich. Right Tackle Vollmer ist aber auch ein Musterbeispiel für die Offensive Liner New Englands in den letzten zehn Jahren. Ob es eben nun Vollmer, Left Tackle Matt Light oder Rookie Nate Solder sind, sie erfüllen den Zweck, für den sie unter anderem da sind perfekt: Sie geben Tom Brady Zeit um seine Stärken auszuspielen und Spiele zu gewinnen. Manchmal könnte man denken, Brady hat vor dem Pass noch genug Zeit einen Pullover zu stricken, bei der Zeit, die ihm seine O-Line gibt. 

Das Pendant der Giants besticht vor allem durch Größe, Spieler wie Center Dave Bass, Guard Chris Snee und Tackle Dave Diehl bestechen durch ihr imposantes Auftreten. Die Probleme, mit dem die großen Jungs der Giants jedoch zu kämpfen hatten, waren personeller Natur und so mussten die New Yorker zeitweise drei ihrer Starter ersetzen und die Positionen umbesetzen. 

Running Backs

New Englands BenJarvus Green-Ellis, der aufgrund seiner imposanten Namensgebung auf den Spitznamen Law Firm hört, Kevin Faulk, Stevan Ridley und Danny Woodhead sind solide Running Backs, die auch den einen oder anderen großen Lauf auf das Feld legen können - sie gehören aber nicht zu den Top-Leuten ihrer Position.

Anders ist das bei Brandon Jacobs und vor allem Ahmed Bradshaw von den Giants. Der Letztgenannte kann eigentlich alles, was von einem Running Back gefordert wird. Ob dies Laufen, Pässe fangen oder aber auch blocken ist. Bradshaws Manko ist die Verletzungsanfälligkeit, die bisweilen Jacobs auf das Feld zwang. Der ist ein guter Running Back der Marke Kopf-durch-die-Wand, als Passfänger ist er jedoch noch nicht groß in Erscheinung getreten.

Wide Receiver und Tight Ends

Von den Wide Receivern der Patriots ist vor allem Wes Welker hervorzuheben. Mister Zuverlässig, der aufgrund seiner sieben Fänge im ersten Super Bowl zwischen den beiden Teams einen Rekord einstellte, ist besonders in den kurzen und mittleren Distanzen ein verlässliches Ziel für Brady. Das Prunkstück ist jedoch das Tight End-Duo Rob Gronkowski und Aaron Hernandez. Gronks Rekord für Spieler seiner Position in dieser Saison spricht für sich, doch auch Hernandez sollte nicht unterschätzt werden. Dazu sind die Altmeister Deion Branch und Chad Ochocinco immer noch für die ein oder andere Überraschung gut.

Bei den Giants zieht das Wide Receiver-Trio Hakeem Nicks, Victor Cruz und Mario Manningham seine erfolgreichen Kreise und bereitet Gegner um Gegner Kopfzerbrechen. Nicks beeindruckt durch Größe und Sprungkraft, Cruz durch seine Fähigkeit nach dem Fang Yards gut zu machen und Manningham durch seine Schnelligkeit.

Bei den Pats sind es zwei Tight Ends, bei den Giants wird auf drei Wide Receiver gesetzt. Ein angeschlagener Gronkowski gibt bei diesem Mannschaftsteil den Ausschlag zugunsten New Yorks.

Defensive Line und Linebacker

Nicht nur durch seine 147 Kilogramm verteilt auf 188 Zentimeter wirkt New Englands Defensive Tackle Vince Wilfork beeindruckend. Er ist das Herzstück der Defensive Line der Patriots, der es schon Mal mit zwei Offensive Linemen aufnehmen kann. Die Kollegen wie Kyle Love und Shaun Ellis verstehen ihr Handwerk zwar gut, stehen jedoch leistungstechnisch im Schatten Wilforks. Dahinter sind die Linebacker Jerod Mayo, Brandon Spikes oder auch Rob Ninkovich auf den Sprung in die Fußstapfen einiger ausgezeichneter Vorgänger in Patriots-Diensten, wie Ted Bruschi oder Mike Vrabel, zu treten.

Bei den Giants sind Jason Pierre-Paul, Justin Tuck, Osi Umenyiora und Linval Joseph neben dem Wide-Receiver Trio das Aushängeschild des Teams. Diese vier das ein oder andere Mal von Quarterback Tom Brady abzuhalten, dürfte die Hauptaufgabe der Patriots O-Line sein. Hinter diesen vier dürften die Linebacker wie Michael Boley oder Chase Blackburn alle Hände voll mit Gronkowski und Hernandez zu tun haben. 

Secondary

Diese Einheit ist derzeit die Schwachstelle der Patriots, die zeitweise sogar die Wide Receiver Julian Edelman oder Matthew Slater als Cornerback oder Safety aufbieten mussten. Doch in den letzten Spielen hat sich die Passverteidigung mehr und mehr gefunden, wie auch Sterling Moores beherztes Eingreifen gegen Baltimores Lee Evans im Championship Game beweist.

Cornerback Corey Webster ist das Aushängeschild der Giants in diesem Mannschaftsteil. Er ist derjenige, der die Aufgabe bekommt den Top-Receiver des Gegners in Manndeckung zu nehmen. Neben Webster stechen vor allem der vielseitig einsetzbare Antrel Rolle, der sowohl die Cornerback- als auch die Safetyposition einnehmen kann, und Kenny Philipps, der in den nächsten Jahren stetig besser werden dürfte, heraus.

Special Teams

New Englands Kicker Stephen Gostkowski und Punter Zoltan Mesko gehören zur gehobenen NFL-Klasse und lassen insbesonders in Sachen Feldpositon meist wenig anbrennen. Gostkowski belegte mit 85 Prozent Quote bei den Field Goals zudem einen Platz im oberen Mittelfeld unter den Kickern. In Sachen Returns sind Edelman und Woodhead die Hauptverantwortlichen, der große Erfolg gelang Edelman einmal in dieser Saison mit einem Punt Return-Touchdown.

Auf Seiten der Giants ist Lawrence Tynes ähnlich verlässlich wie Gostkowskii und auch Punter Steve Weatherford gehört sicher nicht zum schlechtesten, was die Liga zu bieten hat. Beeindruckend war zu guter Letzt, wie die Special Teams beim Sieg in San Francisco erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatten - auch wenn der gegnerische Punt.-Returner erheblich mithalf.

Fazit

Die Giants erscheinen als das komplettere Team, während bei den Patriots besonders in der Secondary ein größeres Fragezeichen herrscht. Und das ausgerechnet bei einem Gegner mit einem Top-Quarterback und drei herausragenden Wide Receivern. Viel wird zudem für die Patriots davon abhängen, ob die Defensive Linemen der Giants von Brady abgehalten werden können. Bei den New Yorkern heißt es vor allem: Obacht vor Gronkowski und Hernandez.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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