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NFL: Super Bowl XLVI - Eli Manning und Tom Brady

Nach fünf der letzten zehn Super Bowls hieß der erfolgreiche Quarterback entweder Brady oder Manning mit Nachnamen, sechs Mal hörte mindestens einer der Spielmacher der Teilnehmer auf diesen Namen. Peyton Manning muss zugucken, doch sein kleiner Bruder Eli und Tom Brady, der einst von genug Geld für täglich neue Socken träumte, spielen den NFL-Titel untereinander aus.

Als Eli Manning vor der Saison den fehlenden Respekt bemängelte und forderte, ihn doch endlich auch als einen der Elite-Quarterbacks anzuerkennen, da erntete er auch in der Redaktion Kopfschütteln. Doch der meist als zunächst Archie Mannings Sohn und dann Peyton Mannings kleiner Bruder übersehene Quarterback der New York Giants sorgte mit seinem zweiten Super Bowl-Einzug dafür, dass seine Rolle in der NFL-Historie erneut überdacht werden muss.

Schließlich würde ihm ein erneuter Sieg gegen die Patriots einen Ring mehr als Peyton und zwei mehr als Papa Archie bescheren, der es nie bis in die Playoffs brachte, aber trotzdem in den siebziger Jahren als Spielmacher der New Orleans Saints in der Liga hoch geschätzt wurde.

Von den Statistiken her hinkt Eli Peyton und Brady zwar hinterher, in Sachen Trophäen hat er nun den großen Bruder eingeholt und am Sonntag sogar die Chance ihn zu überholen. Dazu führen seine Befürworter eine imposant erscheinende Zahl ins Feld, kann Eli sich doch rühmen, in diesem Jahr mit 15 Touchdowns im letzten Viertel das ein oder andere Spiel zugunsten der Giants gedreht zu haben. Außerdem – und da machen ihm weder der Super Bowl-Gegner noch der große Bruder derzeit etwas vor – hat er sieben seiner letzten acht Playoff-Spiele gewonnen.

Der schlechteste Wurf im Super Bowl?

Seinen bislang größten Erfolg hat er nach Ansicht vieler Experten jedoch "dem schlechtesten Wurf in einem Super Bowl zu verdanken“, wie kansascity.com Ex-Spieler Warren Sapp zitiert. Zu hoch sei dieser Wurf gewesen und hätte David Tyree nicht mit Glück erst den Helm und dann die Hände an den Ball bekommen, wäre Eli nur einer von mehreren erfolglosen Super Bowl-Teilnehmern gewesen.

Dabei vergessen viele auch, was kurz vor dem Wurf passierte, als sich Eli aus der Umklammerung der gegnerischen Verteidiger wand, ein paar Schritte zurück machte und – bedroht von den Gegnern – immerhin den Ball in Tyrees Richtung warf. Dass dabei ein schlechter Wurf herauskommt, mag nicht verwundern.

Manchmal kommt es eben nicht auf die Würfe an, wie Ex-Quarterback und Manning-Mentor Kurt Warner, dazu noch Sapps TV-Kollege beim ligaeigenen Sender, erklärt. "In seiner Rookie-Saison habe ich einige schlechte Spiele von ihm gesehen. Doch die Buhrufe haben ihn kalt gelassen. Er hat konstant sein Spiel gespielt. Und das ist etwas, worauf es ankommt als Quarterback“, verriet Warner der Chicago Post Tribune.

In Peytons Schatten

Kritik, so scheint es, perlt am jüngeren Manning ebenso ab, wie an seinem großen Bruder. Und auch die ewigen Fragen der Medien in der Super Bowl-Woche nach Peyton lassen Eli scheinbar kalt. Ruhig und gelassen beantwortete er beim Media Day die hundertste Frage, wie es denn dem Nacken seines Bruders gehe und was für ein Gefühl es sei, in Peytons Stadion zu spielen.

"Ich mache mir eigentlich nie Gedanken darum, dass ich mit Peyton verglichen werde“, gab Eli gegenüber suntimes.com zu Protokoll. "Meine einzigen Gedanken gelten dem Spiel am Sonntag.“ Die Diskussion und die Vergleiche zwischen ihm und Peyton dürften auch dann nicht verstummen, sollte Eli den großen Bruder mit einem Titel überholen. Ex-Mentor Warner weiß allerdings, welcher der beiden Brüder dann trotzdem noch höher anzusehen ist: "Peyton ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Quarterback aller Zeiten. Nur weil jemand einen Ring mehr hat, macht ihn das nicht besser“, erklärte er gegenüber der Chicago Sun Times.

Ob besser oder schlechter als Peyton, Eli könnte vielleicht zum ersten Mal aus den Schatten des Vaters und des Bruders heraustreten und seinen Platz in der NFL-Geschichte – und der Hall of Fame – zementieren. Zwei Super Bowl-Siege als Quarterback haben nur die besten ihrer Zunft, die auf Namen wie John Elway oder Joe Montana hören.

Everybodys Darling

Den letzteren möchte Mannings Gegner Tom Brady nach Super Bowl-Siegen einholen. Stellte der Quarterback der Patriots mit dem Sieg im Championship Game bereits Montanas Rekord der meisten gewonnen Playoff-Spiele ein, so geht es nun darum, mit Montana und Terry Bradshaw von den Pittsburgh Steelers auch nach Titeln gleich zu ziehen.

Dass seine Wünsche dereinst so hoch greifen würden, hätte am College niemand für möglich gehalten. Bei den Michigan Wolverines er nur die zweite Geige hinter Drew Henson, der es am Ende in seiner Profikarriere auf insgesamt unter hundert Yards bei einem Touchdown und einer Interception gebracht hatte. Seine damalige Vorstellung von seiner Zukunft beschränkte sich auf Socken, wie ein ehemaliger Mitspieler verriet. "Ich möchte aufwachen, frische Socken anziehen und sie am Ende des Tages wegschmeißen können“, habe Brady ihm damals erzählt, erklärte Aaron Shea gegenüber espn.com.

Von seinem Sockentraum schien er Anfang des Jahrtausends noch weit entfernt. Im Draft wurde Brady 2000 an 199. Stelle von den Patriots gezogen – Erzrivale Peyton war zwei Jahre zuvor als Nummer eins zu den Colts gegangen und auch Eli war 2004 erste Wahl. Doch mit dem Ausfall des etatmäßigen Spielmachers Drew Bledsoe und Bradys Einsatz in der Saison 2001 begann der Aufstieg Bradys zum All American Boy, dem Traum aller amerikanischen Schwiegermütter.

Sportlich war der Gewinn des Super Bowls Anfang 2002 eher der Defensive und einer begeisternden Teamleistung denn einem Über-Quarterback namens Brady zu verdanken, doch der Spielmacher entwickelte sich unter Coach Bill Belichick zu einem der größten der Zunft und gewann 2004 und 2005 als MVP den Super Bowl. Er wurde zu einem Quarterback, der sein Team alleine zum Sieg führen kann.

Der Größte aller Zeiten?

Wenn es nach Warren Sapp ginge, könnte er mit seinem vierten Titel in seinem fünften Super Bowl – nur John Elway fuhr ebenso oft zum Finale – zum „größten Quarterback aller Zeiten werden“, wie der Ex-Verteidiger dem Boston Herald erklärte. "Montana hatte mit Jerry Rice, John Taylor, Brent Jones und Roger Craig vier Hall of Famer als Passfänger. Tom hatte neben Randy Moss nur Wandervögel und Troy Brown.“, zitierte bostonherald.com Sapp in Anspielung auf die relative unbekannten Wide Receiver, mit denen Brady es in Boston oft zu tun hatte.

Ehrgeiz ist dabei der größte Antrieb im Spiel, wie Ex-Mitspieler Ted Bruschi feststellt: "Ein Titel hat ihm nicht gereicht. Er guckt immer nach vorne, immer auf den nächsten Titel“, sagte Bruschi gegenüber bostonherald.com. So sei er bereits als Kind gewesen, erklärte sein Vater gegenüber ESPN und erzählte von einem achtjährigen Tom, der beim Golfspielen seine Schläger vor Wut weggeschmissen habe, weil sein Vater ihn besiegt hatte.

Dabei könnte sich Brady, der außerhalb des Spielfeldes den charmanten Schwiermuttertraum gibt, sich wirklich zurücklehnen. Nicht nur sportlich, sondern auch privat hat er alles erreicht. Zwei Söhne mit Supermodel Gisele Bündchen, sein Traum von den Wegwerff-Socken dürfte für den hundertfachen Millionär und seine Milliardärin in Erfüllung gegangen sein. Gisele könnte sogar sein größter Ansporn für einen erneuten Ring sein: Seit dem die Beiden miteinander liiert sind, konnte Brady noch keinen Super Bowl gewinnen, wie ESPN-Kolumnist und Patriots Fan Bill Simmons unlängst feststellte.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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