HOME

Olympia-Nominierung: 436 deutsche Athleten fahren nach Peking

436 deutsche Sportlerinnen und Sportler haben ihr Ticket für die Olympischen Spiele vom in Peking sicher. Der Deutsche Olympische Sportbund nominierte in Kienbaum weitere 236 Aktive, nachdem bei zwei vorherigen Auswahlrunden bereits 200 Athleten für die Sommerspiele ausgewählt worden waren.

Franka Dietzsch bekommt den "Freifahrtsschein", Rainer Schüttler muss weiter bangen: Das mit knapp fünf Millionen Euro teuerste deutsche Olympia-Team der Sportgeschichte wird in Peking zumindest 436 Athleten - 242 Männer und 194 Frauen - umfassen, wenn sich die Basketballer in dieser Woche noch für Peking qualifizieren. Dann wäre Deutschland mit Ausnahme von Soft- und Baseball in 26 der 28 Sportarten vertreten. "Unser Ziel ist es, in Peking den seit 1992 anhaltenden Abwärtstrend zu stoppen", hatte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bereits im Vorfeld die Ziele des Teams formuliert.

Bei der dritten Nominierungsrunde im Sportzentrum Kienbaum wurde Tennis-Profi Rainer Schüttler nicht nominiert, weil er zwar die nationalen Kriterien (Viertelfinale bei einem Grand Slam) durch seinen Halbfinaleinzug in Wimbledon geschafft hat, das internationale Kriterium mit Platz 56 in der bereinigten Rangliste des Weltverbandes aber nicht erfüllt. "Wir hoffen, dass sich dies in dieser Woche noch vorschiebt, damit er dabei sein kann", erklärte Chef de Mission Michael Vesper am Dienstag nach der Nominierung. Vorrücken kann Schüttler aber nur im Falle von Olympia-Absagen vor ihm rangierender Tennis-Profis.

Freifahrtschein für Franka Dietzsch

Schüttler gehörte zu den insgesamt sieben Einzelfällen, mit denen sich das DOSB-Präsidium in Kienbaum beschäftigte. Schnell entschieden war der Fall der Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, die aufgrund von Verletzungsproblemen noch keine Norm erbringen konnte und dies auch nicht muss. "Sie ist hochmotiviert. Und wir wissen, dass sie in Peking nur an den Start geht, wenn sie fit ist und um eine Medaille kämpfen kann", meinte Vesper. Allerdings sieht Trainer Dieter Kollark ihre Startchancen nur bei maximal 20 Prozent.

Der wegen seiner DDR-Vergangenheit umstrittene Kollark selbst gehört nicht zum Olympia-Team, das insgesamt 319 Offizielle - Trainer, Mediziner und Funktionäre - umfasst. Wie Vesper erklärte, sei der Neubrandenburger vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gar nicht zur Nominierung eingereicht worden.

Im Vorfeld der Nominierung waren alle Offiziellen von der Birthler-Behörde auf eventuelle frühere Stasi-Tätigkeit überprüft worden. "19 Namen waren in der Behörde erfasst, mit diesen hat sich die unabhängige Kommission des Sport unter Leitung von Joachim Gauch beschäftigt. Von der Gauck-Kommission wurden drei Fälle als gravierend eingeschätzt, eine Person konnte nach genauerer Prüfung nicht nominiert werden", bestätigte Michael Vesper.

Fall Vipa Bernhardt bereitet Kopfzerbrechen

Weitere Einzelfallprüfungen gab es im Fall des Mountainbikers Manuel Fumic, der vor drei Monaten wegen angeblicher Nichterfüllung von Meldeauflagen zunächst gesperrt worden war. Um seine Medaillenchance zu erhöhen, wurden weitere zwei Mountainbiker ebenso nominiert wie Adelheid Morath, die Mitfavoritin Sabine Spitz unterstützen soll. Zum Team gehören nach den Einzelfall-Prüfungen auch Hochspringer Raul- Roland Spank und Bahnradsportlerin Annette Jooß, obwohl sie die Normen nicht komplett erfüllt hatten.

Weiter Kopfzerbrechen macht der Fall der Brustschwimmerin Vipa Bernhardt, die sich per Gerichtsentscheidung ins Olympia-Team klagen will. Sie hatte eine einstweilige Verfügung erwirkt, weil die bei den Titelkämpfen in Berlin vor ihr rangierende Anne Poleska früher für amerikanische Vereine gestartet war, was nach den Statuten des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) nicht zulässig ist. "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Athletin unter Angabe von Formfehlern eine Konkurrentin aus dem Wettbewerb boxt", erklärte Bach unmissverständlich. Vesper wollte zu diesem Fall gar nicht Stellung nehmen. "Das ist ein laufendes Verfahren. Hier muss die Präsidialkommission eine Entscheidung treffen", sagte er.

Die dreiköpfige Kommission, zu der neben Bach und Vesper auch DOSB-Vize Eberhard Gienger gehören, kann bis zum 21. Juli Nachmeldungen vornehmen.

Noch nicht namentlich nominiert wurden die Aufgebote in den Mannschafts-Sportarten. Gesucht wird auch noch das zweite Duo der Beach-Volleyballerinnen, und 3000-m-Hindernis-Läufer Filmon Ghirmai erhält die Gelegenheit, nachträglich die Norm zu erfüllen. In der Hängepartie um den Berliner Schwimmer Rafed El-Masri liegt zwar die Zustimmung des Weltverbandes FINA zum Wechsel des Syrers nach Deutschland vor. Jedoch hat der syrische Verband noch nicht zugestimmt. Insgesamt könnten somit also noch rund ein halbes Dutzend Athleten den Sprung nach Peking schaffen.

DPA / DPA

Wissenscommunity