HOME

Pius Heinz gewinnt Poker-WM: Amerika feiert Zocker aus Bonn

Eine Geschichte wie im Märchen: Ein 22-jähriger Student aus Bonn ist neuer Poker-Weltmeister - und auf einen Schlag um 8,7 Millionen Dollar reicher. Pius Heinz hat das Pokern erst vor wenigen Jahren im heimischen Keller gelernt. Jetzt liegt ihm Amerika zu Füßen.

Von Klaus Bellstedt

Die Geschichte ist unglaublich: Erst vor vier Jahren hat Pius Heinz aus dem kleinen Dorf Swisttal-Odendorf bei Bonn das Zocken gelernt. Jetzt hat das 22-jährige Milchgesicht in Las Vegas das wichtigste Pokerturnier der Welt gewonnen. Und es wird noch unglaublicher: Neben einem mit Diamanten besetzten Armband, dem sogenannten "Bracelet", sackte der Student der Wirtschaftspsychologie mal eben noch 8,7 Millionen Dollar an Preisgeld ein. "Das ist der größte Tag meines Lebens, ich kann es nicht glauben. Das ist alles so unwirklich gerade", sagte Heinz unmittelbar nach seinem Triumph im Rio-Casino von Las Vegas um kurz nach 3 Uhr morgens amerikanischer Zeit.

25 Freunde hatten Pius Heinz in die Wüstenstadt, in der seit zehn Tagen das "November Nine", das Finale der besten neun Pokerspieler der Welt ausgetragen wurde, begleitet. Sie alle fieberten am letzten Tag ganz dicht am Pokertisch hinter einer Absperrung mit ihrem Kumpel mit. Und alle trugen sie den gleichen Kapuzenpulli. Darauf das gezeichnete Gesicht von Heinz. Der weiße Schlabberhoodie ist zum Markenzeichen des neuen Weltmeisters geworden. Kein Tag im Casino verging, an dem er nicht seinen geliebten Pulli anhatte - die Kapuze dabei stets tief ins Gesicht gezogen.

Erst vor vier Jahren Pokern gelernt

Aber das ist auch schon die einzige Marotte. Während andere Pokerstars meist mit dicken schwarzen Sonnenbrillen, umgedrehter Baseballkappe und sogar im Bademantel am Tisch sitzen und so ihre Coolness zur Show tragen, tritt Heinz ganz normal auf. Er lächelt viel und spricht auch mal mit seinen Kontrahenten. Nice guy statt Fiesling: In Las Vegas hatte ihn dieses Verhalten früh zum Publikumsliebling gemacht. Nach dem Gewinn der WM wartete auf den 22-Jährigen ein wahrer Interviewmarathon. Alle großen Sport-TV-Stationen von "Fox Sports" bis "ESPN" rissen sich um ein paar Sätze des Überraschungschampions.

Der lernte das Pokern erst vor vier Jahren. "Ich habe davon geträumt, mal dabei zu sein. Zu Hause habe ich erst mal mit meinen Kumpels im Keller gespielt", sagte er der "Bild". Aber schon bald zog es ihn vor den Computer. Beim virtuellen Spielen auf Internetplattformen wuchs seine Leidenschaft. Heinz setzte sich dazu in seinem Studium viel mit Psychologie und Mathematik auseinander. All das machte ihn in kürzester Zeit zu einem aggressiven und sehr risikofreudigen Pokerspieler. Sein erstes Turnier gewann er trotzdem erst vor ein paar Monaten. Ab Juli zockte er dann mit knapp 6000 Mitbewerbern um die Qualifikation zum "November Nine" in Las Vegas.

Für Deutschland gewonnen

Schon vor der Finalrunde hatte Heinz dann bereits 530.000 Euro sicher. Er war als Siebtplatzierter ins Rennen um die Millionen gegangen. Das Märchen ging immer weiter: Der zweitjüngste Gewinner in der Geschichte der Poker-WM war mit fast 108 Millionen Chips in Führung liegend in den letzten Tag des Finales gegangen, an dem anfangs drei Spieler teilnahmen. Auf Platz zwei und drei waren noch der Amerikaner und große Favorit Ben Lamb (rund 55 Millionen Chips) und Martin Staszko aus Tschechien (knapp 43 Millionen) dabei. Aber Heinz stach auch sie aus - und hatte am Ende alle Chips vor sich liegen.

"Poker ist ein Glücksspiel. Aber eines, das man lernen kann. Wer am grünen Tisch dauerhaft Erfolg haben will, kommt um die richtige Strategie nicht herum", gab er den amerikanischen Medien nach seinem Sieg genüsslich mit auf den Weg. Ein Journalist von "ABC" schlug ihm auf seinem Triumphzug durch das Casino gleich noch vor, die amerikanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Er könne doch hier viel mehr Geld verdienen. Aber Heinz, der derzeit in Wien studiert, lächelte nur müde und winkte ab. Wenig später ließ er auf seiner Facebook-Seite dann auch keine Zweifel an seiner Herkunft: "Hiermit verkünde ich stolz, dass ich der Poker-Weltmeister 2011 bin! Ich habe für Deutschland gewonnen."

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity