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Rücktritt: Olympiasieger Langen beendet seine Karriere

Bobfahrer Christoph Langen muss seine Hoffnungen auf einen erneuten Olympia-Sieg in Turin begraben. Nach einem Herzinfarkt lässt seine körperliche Konstitution eine Fortsetzung seiner Karriere nicht zu - der Ausnahmesportler nimmt seinen Hut.

Knapp vier Monate vor den Olympischen Spielen in Turin hat sich Bobpilot Christoph Langen endgültig entschlossen, seine Traumkarriere zu beenden. Der gebürtige Kölner wird somit seinen olympischen Zweierbob-Sieg von Salt Lake City nicht wiederholen können. Nach seinem Herzinfarkt vor einem Jahr haben ihm erst die Ärzte von der Fortsetzung seiner Karriere abgeraten; dazu kamen auch sportliche Gründe. "Ich werde definitiv zurücktreten. Die letzten Leistungstests haben gezeigt, dass ich meilenwert von meinen Zeiten entfernt bin. Ich habe bis zuletzt gekämpft, aber es reichte nicht", sagte er bei der Pressekonferenz des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD) zur Saisoneröffnung.

Langens Traum vom Doppel-Gold in Turin ist damit genauso dahin wie der erhoffte erste Platz in den Geschichtsbüchern: Denn mit zwei Olympiasiegen (1998 im Vierer, 2002 im Zweier), je einer Silber- und einer Bronzemedaille, acht WM-Titeln (5 Mal im Zweier, 2 Mal im Vierer, einmal als Anschieber) und vier Weltcup-Gesamtsiegen bleibt er in der ewigen Statistik hinter dem Oberhofer Wolfgang Hoppe, der zwischen 1984 und 1994 zwei Mal Olympia-Gold, drei mal Silber und einmal Bronze gewann. Der heutige Frauen-Bundestrainer holte zudem sechs WM-Titel und bleibt vorerst erfolgreichster Bobpilot der Welt.

"Er war ein Urgestein im Bobsport"

"Mit Christoph geht dem Bobsport sicherlich ein exzellenter Pilot verloren. Wir haben von ihm viel gelernt und konnten uns immer mit ihm auf höchstem Niveau messen", sagte sein Dauerrivale Andre Lange. Rodel-Kollege Georg Hackl meinte: "Er war ein Urgestein im Bobsport. Er hat sein Sport über Jahrzehnte geprägt, aber irgendwann ist bei jedem Schluss." Cheftrainer Raimund Bethge meinte über Langen, der allein ein Drittel der über 80 Medaillen unter Bethges Regie gewonnen hat: "Er war ein Siegfahrer, dem man manchmal vor sich selbst schützen musste, da er oft zu viel wollte". Doch die Kombination der Gegensätze brachte Erfolg: Bethge als stiller Taktiker und besonnener Coach - Langen als Lautsprecher der Schlitten-Szene und oftmals explodierender Pilot.

Nach seiner letzten Gold-Fahrt am 17. Februar 2002 in Salt Lake City begann Langens Abschied auf Raten. Seine schwärzeste Stunde erlebte er nach dem Zweier-Olympiasieg: Das Viererbob-Rennen musste er wegen eines Anrisses der Plantarsehne abbrechen, danach pausierte er eine Saison lang. Furios meldete er sich 2003/2004 zurück: Sieben Mal fuhr er im Weltcup aufs Podest - doch für einen Sieg reichte es nicht mehr. Bei der WM auf der Heimbahn in Königssee holte er zwei Mal Silber.

Herzinfarkt stoppt den Ausnahmesportler

Die Titelkämpfe in Bayern sollten - wie selbst angekündigt - der krönende Abschluss seiner Karriere werden, doch der "Siegfahrer Langen" (Bethge) meinte: "So kann ich nicht abtreten". Viele Insider - auch in der Verbandsführung - schüttelten den Kopf, rieten dem eigenwilligen Sportsoldaten zum Rücktritt und boten ihm zugleich eine berufliche Perspektive im BSD an. Doch Langen spielte Verstecken. Ende September 2004 verblüffte er die Öffentlichkeit mit seinen Olympia-Plänen für Turin: "Der Doppelsieg bei Olympia fehlt mir noch. Das wäre ein Coup." Einen Monat später stoppte ihn der Herzinfarkt.

Nach dem erneuten Rückschlag sah er zwar ein, dass "er den Wettkampf mit der Zeit in gesundheitlicher Hinsicht verloren hat", doch andererseits zog er keine Konsequenzen und verpasste somit die passende Ausfahrt einer einzigartigen Karriere, die 1992 als Pilot begann. Die letzte Fahrt im Eiskanal absolvierte Langen am 11. März 2004 beim Training in Königssee. 580 Tage später zog der Ausnahme-Pilot die Bremse.

Frank Kastner/DPA / DPA

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