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Schwimmen: Phelps fliegt zu Weltrekord und flippt aus

Erst "flog" er übers Wasser, dann flippte er aus: Michael Phelps hat sich bei den US-Schwimm-Meisterschaften in Indianapolis den langersehnten Weltrekord über 100 Meter Schmetterling geholt.

Am Donnerstagabend (Ortszeit) schwamm der 14-malige Olympiasieger in 50,22 Sekunden zum Titel und blieb 18/100 Sekunden unter der bisherigen Bestmarke seines Landmannes Ian Crocker. Sechs Jahre Warten und Wut im Bauch hatten endlich ein Ende. Phelps war völlig aus dem Häuschen: "Das ist riesig, etwas, dass ich unbedingt erreichen wollte. Ian und ich haben eine großartige Geschichte über diese Distanz und uns großartige Rennen geliefert. Seitdem er mir bei der WM 2003 den Weltrekord abgenommen hat, wollte ich ihn mir zurückholen."

Fünf Einzelstrecken-Weltrekorde hält der 24-Jährige jetzt - keiner war ihm so wichtig wie dieser. "Es tut gut, den Rekord zurückzuhaben. Ich denke, jeder hat gesehen, wie aufgedreht ich danach war", betonte der Superstar, der sich mit der linken Hand am Beckenrand festhielt und mit der rechten Faust unaufhörlich ins Wasser schlug.

Phelps überrascht

Vor knapp drei Wochen hatte Phelps Crockers Bestmarke beim Meeting in Montreal noch um 8/100 verfehlt. "Seitdem wusste Michael, dass er den Rekord brechen kann. Und seitdem war er heiß darauf", sagte Bob Bowman. Obwohl er Phelps seit 13 Jahren trainiert, wurde der erfahrene Coach erstmals so richtig von seinem Schützling überrascht. Er habe in diesem Jahr nicht mit einem Weltrekord gerechnet, so Bowman. Doch dank seines Fabel-Flugs baute Phelps seinen unglaublichen Rekord-Reigen aus. Seit 2001 hat er mit Ausnahme von 2005 in jedem Jahr einen Weltrekord aufgestellt. "Dies zeigt, dass du alles erreichen kannst, wenn du alles dafür tust. In Peking war ich in der Form meines Lebens, dennoch bin ich erst jetzt diesen Rekord geschwommen - mit nicht einmal sechs Monaten Training. Das ist schon ziemlich geil", meinte Phelps voller Genugtuung.

Und Bowman kündigte an, dass sein Ausnahme-Athlet "mit etwas mehr Pause und einigen Wochen mehr Training" bei der Weltmeisterschaft in Rom vom 17. Juli bis 2. August noch schneller sein werde. Er wolle nicht ausschließen, dass dann sogar die Marke von 50 Sekunden unterboten wird. "Michael hätte es hier schon schaffen können, aber seine Wende war nicht die beste", so Bowman.

Deutscher Trainer nörgelt

Glücklich und kritisch zugleich war auch Bowmans Kollege Michael Lohberg. Der deutsche Trainer von Dara Torres freute sich, dass die 42-Jährige in 24,43 Sekunden zum Titel über die 50 Meter Freistil sprintete und damit erstmals seit 1986 wieder bei einer WM startet. "Aber ihr Start ganz war ganz schlecht. Deshalb musste sie von hinten das Rennen schwimmen", nörgelte Lohberg. Allerdings betonte der Coach, dass die Olympiazweite über 50 und 100 Meter Freistil starke Schmerzen im linken Knie gehabt habe. "Dadurch kann sie sich nicht richtig abdrücken und ist somit beim Start und der Wende benachteiligt", so Lohberg. Deshalb werde Torres an diesem Samstag lediglich im Vorlauf über die 100 Meter Freistil starten, um sich so ihren WM-Platz in der Staffel zu sichern.

Für das dritte Highlight sorgte Rebecca Soni. Die Olympiasiegerin und Weltrekordlerin über 200 Meter Brust stellte über die halbe Distanz in 1:05,34 Minuten den vierten US-Rekord der Trials auf.

Heiko Oldörp/DPA / DPA

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