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Ski-WM Garmisch-Partenkirchen: Eventzone statt Bayern-Ballermann

Sportlich gesehen fällt die deutsche Bilanz der Ski-WM mittelmäßig aus. Doch im Veranstaltungsort Garmisch-Partenkirchen kann man mit den Titelkämpfen zufrieden sein. Vor allem konnte eines der wichtigsten Argumente der Olympia-Gegner entkräftet werden.

Von Elisabeth Schlammerl

Das mit dem Wetter war so eine Sache. Einerseits waren die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen eine weitgehend sonnige Angelegenheit dank zum Teil frühlingshafter Witterung. Andererseits schmolz die Winterkulisse immer mehr dahin, am Ende waren rund um die Kandahar und den Gudiberg die Hänge grün und der Morast tief. Schmutzige Schuhe gehörten zu dieser WM wie Medaillen und die Virusgrippe, die reihenweise Athleten, Trainer, Volunteers und Journalisten ebenso dahinraffte wie eingefleischte Werdenfelser, denen eine besonders robuste Gesundheit nachgesagt wird.

Für das Wetter konnten die Veranstalter nun wirklich nichts, die Temperaturen ließen sich nicht nach unten schrauben, aber wenn es anderswo haperte, wurde eine Lösung gefunden. Wie bei dem Problem mit der leeren Tribüne beim ersten Wettbewerb, die via Fernsehen überall in der Ski-Welt zu sehen war und ein fehlendes Interesse an der WM suggerierte. Die Plätze hatten Sponsoren reservieren lassen, aber die Karten offensichtlich an Ski-uninteressiertes Klientel verteilt, das mit Abwesenheit glänzte. Fortan durften Besucher mit billigeren Karten auf die Tribüne –und schon passte das Bild.

Kurpark als Eventzone

Die Zuschauerresonanz vor Ort hätte kaum besser sein können. Die Wettbewerbe unter der Woche waren mindestens zu 80 Prozent ausverkauft, für die vier Rennen an den beiden Wochenenden gab es schon lange vor WM-Start keine Karten mehr. Abends entwickelte sich der Kurpark zu einer Eventzone, ohne dass ein bayerischer Ballermann daraus wurde. Von so großem Interesse können WM-Orte der vergangenen Jahre wie Val d’Isere, Bormio oder St. Moritz nur träumen. Dort waren die Skirennen reine Nebensache, in Garmisch-Partenkirchen hingegen der Mittelpunkt.

Die Betreiber der Bergbahnen und vor allem die Hüttenwirte klagten zwar über Umsatzeinbußen, weil niemand mehr zum Skifahren ging, aber gleichzeitig gaben sie zu, dass sie dafür in den vergangenen Jahren von der Modernisierung des Skigebiets im Hinblick auf die WM profitiert haben. Dass es unter der Woche freie Zimmer im WM-Ort gab, hat laut Organisationskomitee einen ganz einfachen Grund: Rund zwei Drittel der in Garmisch-Partenkirchen verfügbaren Bettenkapazität war für die Athleten, Trainer und Betreuer reserviert worden, aber nicht jede Mannschaft nahm das volle Kontingent oder die gesamte Zeit in Anspruch. Am letzten Wochenende jedenfalls war die nächste akzeptable freie Unterkunft erst 15 Kilometer entfernt vom WM-Ort zu finden.

Visitenkarte für die Olympia-Bewerbung?

Garmisch-Partenkirchen hat sich in der Rangliste der stimmungsvollsten Titelkämpfe ganz weit oben eingereiht, nur in Österreich entfachen Medaillenkämpfe im Schnee mehr Begeisterung. Im Land der Berge sind alpine Ski-Weltmeisterschaften nationale Angelegenheiten. Allerdings ist dort manchmal nicht klar, ob die Besucher wegen des Sports kommen oder allein wegen der Party. Über die vom Alkohol aufgeputschte Stimmung sind die Veranstalter des legendären Hahnenkammrennens in Kitzbühel längst nicht mehr glücklich. Im Werdenfelser Land gab es eine gute Mischung. Das faire Fachpublikum hätte zwar manchmal mehr Begeisterung zeigen können, aber dafür waren vielleicht die deutschen Erfolge nicht groß genug.

Die WM sollte eine Visitenkarte für Münchner Olympiabewerbung, sein, ob sie dafür taugt, weiß niemand. Aber auf jeden Fall wurden die Olympia-Gegner, die es im Werdenfelser Land und darum herum gibt, in den vergangenen zwei Wochen Lügen gestraft. Das Argument, den Ort drohe bei Winterspielen ein Verkehrkollaps lässt sich nun leicht entkräften. Die wenigen Staus waren kleiner als an jedem gewöhnlichen Wintersonntag, wenn die Skitouristen aus dem nahen Münchner in Garmisch-Partenkirchen einfallen.

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