SKISPRINGEN Hannawald fliegt von Sieg zu Sieg


Nach seinem Sieg beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen hat Sven Hannawald gute Chancen, alle Wettbewerbe der Vierschanzen-Tournee zu gewinnen.

Sven Hannawald fliegt allen davon. Zwei Tage nach dem Auftaktspringen gewann der 27-jährige Schwarzwälder aus Hinterzarten auf der großen Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen auch die zweite Konkurrenz der 50. Vierschanzentournee. »Das ist einfach phänomenal. Ich musste losschreien, als der Erfolg feststand, weil die Anspannung so groß war«, jubelte »Hanni« und tanzte nach seinem Sieg im Neujahrsspringen mit den Ski hoch über dem Kopf wie ein »Rumpelstilzchen« im Auslauf herum. Sechs Jahre nach dem letzten deutschen Tournee-Gesamtsieg durch Jens Weißflog (Oberwiesenthal) hat er nun beste Chancen auf den Gewinn des »Grand Slam« der Schanzenspringer und könnte als erster alle vier Tournee-Springen gewinnen.

Martin Schmitt mit Materialproblemen

Hannawald siegte vor der Rekord-Kulisse von 35.000 Zuschauern mit 264,5 Punkten für Sprünge von 122,5 Metern und der Tagesbestweite von 125 Metern vor dem nach dem ersten Durchgang noch führenden Andreas Widhölzl. Der Österreicher landete bei 122 und 124 Metern. Dritter wurde der polnische Weltcup-Spitzenreiter Adam Malysz mit 259,7 Punkten für Weiten von 121,5 und 122,5 Metern. Der viermalige Weltmeister Martin Schmitt (Furtwangen) hatte als Achter (243,3/116+120) zwar erneut keinen Chancen auf den Tagessieg, doch wies er mit guten Sprüngen seinen Aufschwung nach. »Ich habe bei Martin keine Fehler gesehen. Seine Reserven liegen eindeutig im Material«, schätzte Bundestrainer Reinhard Heß die Leistungen von Schmitt ein und wies Gerüchte um einen möglich bevorstehenden Ski-Wechsel nicht zurück. »Der erste Sprung war richtig gut. Schade dass ich da keine guten Wind-Bedingungen hatte«, ärgerte sich Schmitt.

»Ich wusste, dass es ein schönes Duell mit Andreas Widhölzl wird. Doch ich war nahe dem Herzinfarkt«, bekannte der nach außen sehr locker wirkende Hannawald. Er war nur als »Lucky Loser« nach dem Zweikampf im ersten Durchgang mit dem Österreicher ins Finale der besten 30 gekommen. Am Vortag hatte er die Qualifikation erneut ausgelassen. In der Tournee-Wertung hat er nun knapp 20 Punkte Vorsprung vor Malysz. »An den Gesamtsieg denke ich aber noch nicht. Wenn ich bei einem Jubler nach meinen derzeit guten Sprüngen mal rodle, ist der Vorsprung weg«, scherzte der Skiflug-Weltmeister. »Auf jeden Fall bin ich froh, dass die Schanze in Innsbruck umgebaut wurde und nun weitere Sprünge zulässt. Denn auf dem alten Bock bin ich nicht so gut zu Recht gekommen«, blickte der neue »Überflieger« der zweiten Tournee-Halbzeit entgegen. In Bischofshofen, der letzten Station, ist er Schanzenrekordler.

Auch der erste Durchgang war großer Sport

Bereits im ersten Durchgang hatten die fantastischen Zuschauer in der Kältekammer des Werdenfelser Landes einen hochklassigen Sprunglauf-Krimi erlebt. Nur 1,6 Punkte trennten Spitzenreiter Widhölzl (122 Meter), Hannawald (122,5) und Malysz (121,5), die sich bereits etwas vom Rest der 50 Springer abgesetzt hatten. »Lange halte ich das nicht mehr durch. Ich stehe total unter Strom, auch wenn das Springen vor dem tollen Publikum total Spaß macht«, sagte Hannawald, der seine Treibhöhe, die Absprunghöhe durch die Sprungkraft am Schanzentisch, in den vergangenen Monaten um 14 Zentimeter steigern konnte.

Hannawald war durch das lautstarke Publikum förmlich nach unten getragen worden. Unter den Zuschauern machten sich auch seine Eltern Regina und Andreas mit einem selbst gemalten Plakat in den Händen sowie einer handgeschnitzten Holz-Rassel lautstark bemerkbar. »Die Rassel hat mein Vater immer dabei. Darauf schreibt er alle Erfolge. Hoffentlich mit kleinen Buchstaben, damit noch viel Platz für neue Siege bleibt«, sagte der 27 Jahre alte Skisprung-Profi. »Allerdings steht da schon so viel drauf, dass ich bald eine neue Rassel basteln muss«, ergänzte Andreas Hannawald.

Nachwuchstalent Hocke mit Super-Steigerung

Das »Konzentrations-Wunder« Stephan Hocke überraschte nach schwächeren Versuchen im Training und in der Qualifikation erneut mit einer Super-Steigerung und dem elften Platz. »Ich bin schon nicht mehr überrascht davon«, lobte Bundestrainer Reinhard Heß den jungen Oberhofer, der zum ersten Male in Partenkirchen springen durfte. »Es war wie ein Rausch. Ich habe fast nichts mitbekommen«, kommentierte der 18-jährige Thüringer.

Eric Dobias und Uwe Jentzsch, dpa


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker