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Sven Hannawald: "Bei der Tournee gelten andere Gesetze"

Er war der letzte deutsche Skisprung-Star: Sven Hannawald bleibt seinem Sport auch nach dem Karrierende treu - allerdings nur als fachmännischer Zuschauer.

Vier Jahre nach seinem historischen Triumph wünscht Sven Hannawald den deutschen Skispringern wieder einen Sieg bei der Vierschanzentournee. "Ich hoffe, dass es einen Athleten gibt, dem der Sprung nach ganz vorn gelingt", sagte der Sieger von 2001/2002. In erster Linie komme Michael Uhrmann für eine Top-Platzierung in Frage. "Er hat die Stabilität, abgesehen von ganz wenigen Ausreißern. Er springt konstant unter die Top Ten, das ist eine gute Voraussetzung", erklärte Hannawald.

Zum Favoriten hochjubeln will Hannawald seinen ehemaligen Teamkollegen, mit dem er 2002 bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City Gold im Mannschaftswettbewerb gewann, jedoch nicht. "Die Erwartungen sind natürlich sehr hoch. Ich will Michael daher nicht unter Druck setzen, denn ich weiß nicht, wie er damit umgehen kann. Bei der Tournee gelten ohnehin andere Gesetze. Es wird darauf ankommen, wie gut er den Stress bewältigt", sagte Hannawald.

"Das lodernde Feuer am Leben halten"

Ein Erfolgserlebnis für die deutschen Springer bei der 54. Auflage der Traditionsveranstaltung würde dem DSV gut tun. Seit Januar 2004, als Uhrmann in Zakopane seinen bislang einzigen Weltcupsieg feierte, standen die einst vom Erfolg verwöhnten Adler nicht mehr auf dem obersten Treppchen. Dennoch ist das Interesse unverändert groß. "Es ist schön zu sehen, dass die Fans immer noch mitfiebern. Eine vordere Platzierung wäre natürlich wichtig, um das lodernde Feuer am Leben zu halten", stellte Hannawald fest.

Als Top-Favoriten bezeichnete der Hinterzartener, der seine Erfolgs-Karriere am 3. August beendet hatte, den Finnen Janne Ahonen, den Schweizer Andreas Küttel und den Tschechen Jakub Janda. "Ich denke, die werden den Gesamtsieg unter sich ausmachen. Die Reihenfolge ist offen. Adam Malysz, Andreas Widhölzl und auch Michael Uhrmann sind die Verfolger und nah dran. Die haben sich in diesem Winter alle schon gezeigt."

"Möchte mich nicht aufdrängen"

Den DSV-Adlern wird Hannawald nur beim Auftaktspringen am 29. Dezember direkt an der Schanze die Daumen drücken. "Ich werde nach Oberstdorf kommen, denn der Auftakt ist immer ein Highlight. Die anderen Springen schaue ich mir im Fernsehen an", kündigte der 31- Jährige an.

Den Kontakt zu den Springern sucht Hannawald, der seit Beginn der Olympia-Saison als Experte bei der ARD unter Vertrag steht, ohnehin kaum noch. "Ich möchte mich nicht aufdrängen. Ich weiß ja, wie ich war. Ich habe mich bei den Wettkämpfen immer zurückgezogen und ganz auf mich konzentriert. Deshalb bin ich da vorsichtig und rede lieber mal mit dem Trainer", begründete er seine Zurückhaltung.

Privat hat Hannawald nach seinem Burn-out-Syndrom und dem Rücktritt im Sommer noch keine Orientierung gefunden. "Ich bin noch auf der Suche, was mich erfüllt", gab er zu. Ob er seinen Vertrag bei der ARD verlängert, ist offen. "Ich lasse das auf mich zukommen, ob ich nach der Saison weitermache", sagte Hannawald. Sein Lebensmittelpunkt ist derzeit Vierbeiner Achilles, ein altdeutscher Schäferhund. Begeisterung empfindet er darüber hinaus beim Autorennen: "Da zu fahren, macht mir Mega-Spaß. Aber ich werde es nicht zum Beruf machen, es ist lediglich eine schöne Abwechslung."

DPA / DPA

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