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Tennis: French Open - Dinah Pfizenmaier nun gegen Azarenka

Kerber, Lisicki, Barthel, Görges und Petkovic – das deutsche Damen-Tennis erlebt einen erfreulichen Aufschwung. Bei den French Open tauchte aus dem Nichts ein neuer Name auf, den man womöglich bald häufiger vernehmen wird: Dinah Pfizenmaier.

Lange Zeit war sich Dinah Pfizenmaier gar nicht sicher, ob sie Tennis-Profi werden möchte, bei den French Open hat sie nun den ersten großen Scheck ihrer Karriere sicher und ein Match gegen die Nummer eins der Welt, Victoria Azarenka, vor sich.

Die 20-Jährige erlebt in Paris gerade ihren "wahr gewordenen Traum". Vor einem Jahr büffelte die Ostwestfälin noch für ihr Abi und tauchte in der Weltrangliste gar nicht auf - nun steht sie plötzlich in Runde zwei von Roland Garros und spielt gegen Azarenka. "Unglaublich!", sagt die Frohnatur. Was sie mit dem ersten großen Preisgeld-Scheck über 28.000 Euro machen will? "Ich leg's mal an, und meinem Trainer und meinen Eltern hab' ich T-Shirts gekauft."

Pfizenmaier: Laufstark und guter Aufschlag 

Die Nummer 198 der Tenniswelt besticht durch ihre lockere Art - auch auf dem Platz - und als Marathonfrau. Nachdem sich die deutsche Meisterin mit drei Dreisatz-Siegen durch die Qualifikation in ihr erstes Grand-Slam-Hauptfeld gekämpft hatte, ging sie am Sonntag bei 27 Grad Hitze mit 3:6, 6:4, 6:3 gegen die Französin Caroline Garcia erneut über die volle Distanz.

Die ehrgeizige, drahtige Athletin, die man vom Trainingsplatz zerren muss, meint: "Ich kann unglaublich viele Bälle ausgraben, wo die Gegnerinnen schon denken: "Yes, ich hab' den Punkt"." Und: "Von meinem Aufschlag profitier' ich oft." Bundestrainerin Barbara Rittner fieberte in Reihe eins am Platz mit und nennt als Stärken: "Guter Aufschlag und Spielfreude."

Seit 2011 als Profi unterwegs

Die Spielfreude kommt bei ihr nicht von ungefähr - sie ist ein sportliches Allroundtalent. Die Anhängerin des FC Bayern München aus der 17.000-Einwohner-Stadt Oerlinghausen bei Bielefeld spielte selbst im Verein Fußball und hatte Sport-Leistungskurs im Abitur. Ihre Tennisvorbilder sind Roger Federer und Andrea Petkovic, "weil Andrea nach vielen Verletzungen immer wieder zurückgekommen ist".

Pfizenmaier kennt das. Sie hatte 2010 eine Schulter-OP am rechten Schlagarm, zudem erinnert noch eine Manschette links an Probleme am Handgelenk. Auch wegen der Verletzungen versucht sich das Mitglied des neuen Porsche-Nachwuchsteams erst seit Juli 2011 als Profi. "Die Jahre davor war ich ein bisschen unschlüssig: Tennisprofi? Mmh, mal gucken."

"Die Azarenka wird sich denken "Wer ist das?""

Nach Technikumstellungen und souveränem Abi tankte die Tochter zweier Lehrer im Herbst mit vier Erfolgen in Serie bei den kleineren ITF-Turnieren "unglaubliches Selbstbewusstsein" - im Dezember folgte der deutsche Meistertitel. "Jetzt weiß ich, dass ich Profi werden will", sagt die Regionalligaspielerin des VfL Bochum.

Der Spaß kommt trotzdem nie zu kurz. Die Blondine lacht gern, posierte in Paris für ihre Facebook-Seite wie ein Groupie mit Rafael Nadal und ist selten ohne ihre Musik im Ohr anzutreffen. Sie hört durchaus mal Schlager. Über das Duell mit der Nummer eins Azarenka witzelt sie: "Die Azarenka wird sich denken 'Wer ist das?'"

sportal.de / sportal

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