HOME

Tennis: Kiefer braucht nur ein Bett zum Schlafen

Keine Luxusherberge, kein Coach, keiner reicht ihm beim Training das Handtuch und bringt ihm die Bälle. Dennoch gewinnt Nicolas Kiefer nach über fünfmonatiger Turnierpause wieder.

Keine Luxusherberge, kein Coach, keiner reicht ihm beim Training das Handtuch und bringt ihm die Bälle. Dennoch gewinnt Nicolas Kiefer nach über fünfmonatiger Turnierpause wieder. Nach dem Abschied aus der Tennis-Glamourwelt, seinem Ermüdungsbruch im linken Fuß und dem Weltranglisten-Absturz vom 4. auf den 76. Rang ist für den Profi aus Holzminden Bescheidenheit Trumpf. "Für mich ist das kein Problem. Wichtig ist doch nur, dass ich ein Bett habe zum Schlafen", beteuerte der deutsche Daviscup-Spieler, der am Montag beim mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Masters in Indian Wells durch ein 6:2, 6:4 gegen den Kroaten Mario Ancic in die zweite Runde einzog. Dort trifft der 25-Jährige am Mittwoch auf den Amerikaner Vincent Spadea.

Drei Siege in Folge

Über dieses Duell wollte sich Kiefer am Tag seines Weiterkommens noch keine Gedanken machen. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich nach der schwierigen Qualifikation nun den nächsten Schritt nach vorn vollzogen haben. Voriges Jahr habe ich in den ersten sechs Monaten gerade einmal gewonnen. Jetzt habe ich schon drei Mal hintereinander gesiegt", konstatierte Kiefer zufrieden, nachdem er sich in der kalifornischen Wüste über die Qualifikationsrunde mit zwei Erfolgen ins Hauptfeld gespielt hatte. Und das ohne Trainer.

Training am Telefon

Der in Paris lebende Algerier Farid Bentaous wartet seit Wochen vergebens auf sein Einreisevisum für die Vereinigten Staaten. "Farid coacht mich übers Telefon. Das ist nicht gerade ideal, dennoch bin ich erstaunt, wie gut das geht. Wir reden täglich fünf, sechs Mal miteinander", erzählte Kiefer. Weil er sonst auf sich allein gestellt ist, fällt es ihm inzwischen auch nicht mehr schwer, sich während der Übungsmatches um alles zu kümmern. Der Sportmanagement-Fernstudent, der sich wieder zu 100 Prozent fit fühlt, kam dabei zu der Erkenntnis, dass es "durchaus nichts schadet, wenn man die Bälle selber einsammeln muss oder einem niemand das Handtuch reicht". Nach seinem Einzug ins Hauptfeld verzichtete er auch auf den Umzug von seinem Motel in ein First-Class-Hotel, das ihm standesgemäß zusteht.

Ungeduldiger Kranker wieder fit

Der einstige Junioren-Weltmeister ist überglücklich, im Tenniszirkus wieder mitzuspielen. Vor drei Wochen nahm er erstmals wieder einen Schläger in die Hand. Die Zeit davor war "schrecklich". Sein lädierter Fuß lag lange in Gips. Von großer Ungeduld getrieben, ließ er sich von Klaus Eder, dem Physiotherapeuten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, gesund pflegen. Aufmunternde Worte von Leverkusens Torjäger Ulf Kirsten oder Hannovers Stürmerstar Fredi Bobic hätten den Genesungsprozess genauso gefördert wie der "grandiose Finaleinzug" von Rainer Schüttler bei den Australian Open. Das gab ihm einen "zusätzlichen Push", meinte der "Edel-Fan" von Fußball-Erstligist Hannover 96, der seiner Verletzungspause auch Positives abgewinnen kann. "Ich habe etwas Abstand zu allem bekommen und bin dadurch nicht mehr so verkrampft im Kopf. Ich gehe jetzt lockerer und mit mehr Spaß auf den Platz", behauptete Kiefer, der für diese Saison nur einen Wunsch hat: "Verletzungsfrei bleiben". Dann, so glaubt er, werden sich die Erfolge schon wieder einstellen

DPA
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity