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Tour de France: Die Apotheke rollt wieder

Nach dem Debakel der Tour 2007 bemüht sich das größte Radrennen der Welt um einen Neuanfang. Die große Hoffnung der Veranstalter: Ohne Stars gibt es auch kein Doping. Die offene Frage: Sind die Unbekannten immer auch unschuldig.

Von Nico Stankewitz

Hinter den Kulissen tobt ein offener Krieg zwischen den großen Veranstaltern, angeführt von der Tour-Organisation ASO und dem Radsport-Weltverband UCI. Dieser Kampf hat nun dazu geführt hat, dass die Tour 2008 nicht mehr unter der Hoheit des Weltverbandes stattfindet. Für viele Katastrophen der Vergangenheit machen die Franzosen den Weltverband verantwortlich, dessen Anti-Doping-Politik in den vergangenen Jahren ziemlich wirkungslos geblieben ist und den Radsport an den Rand des Abgrunds geführt hat.

Nachdem man in der Vergangenheit öfter die Hände in den Schoß legte und sich trotz klarer Anhaltspunkte auf einen Standpunkt wie "solange keine Beweise vorliegen, können wir auch nichts machen" zurückzog, hat man in diesem Jahr offenbar dazu gelernt. Bei der Tour (und nur bei der Tour) wird jetzt das Team mit 100.000 Euro für jeden Dopingfall bestraft, Geld, was dann dem französischen Anti-Dopingkampf zufließen soll. Mit neuen Tests, schnelleren Labors und einer konsequenteren Rechtsprechung – vor allem aber mit einer Einladungspolitik, die sich ohne die regelnde Hand der UCI nun durchsetzen ließ erhofft sich die ASO echte Fortschritte im kampf um die "sauberste Tour aller Zeiten".

Heißt Unbekannt auch unschuldig?

So wurde die berüchtigte kasachische Astana-Mannschaft nicht geladen, wobei man mit Titelverteidiger Contador, Leipheimer und Klöden gleich drei Favoriten vom Rennen ausschloss. Auch Tom Boonen wurde nach seiner Kokain-Affäre ausgeladen, LPR mit dem umstrittenen Danilo Di Luca wurde nicht berücksichtigt. Im Ergebnis fehlen natürlich etliche Topstars – große Namen der Vergangenheit wie Ullrich, Armstrong, Heras, Basso, Mancebo, Rasmussen, Landis, Vinokourov – diese Liste könnte noch fortgesetzt werden. Damit fehlt der Glamour durch die Spitzenfahrer, nur ein Toursieger der Vergangenheit ist mit dem Spanier Pereira am Start, und auch diesen Sieg hat er erst vor einigen Tagen am Grünen Tisch errungen, als Floyd Landis der Titel aus dem Jahre 2006 endgültig aberkannt wurde.

Man darf auf den Verlauf dieser Tour gespannt sein, ob die "unschuldigen" Nobodys Vertrauen und Reputation für ihren Sport zurückgewinnen können, oder ob neue Dopingfälle die Tour wieder zurück in den Abgrund werfen, aus dem sie gerade versucht herauszuklettern.

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