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TRIMM-PFADE: Relikt aus einer längst vergangenen Zeit

Manchmal trifft man noch beim Waldspaziergang auf sie: Übungserklärungsschilder neben Geräten, an denen Wind, Regen und Vandalismus ihre Spuren hinterlassen haben: Trimm-Pfade. Von München aus sollen sie jetzt eine Neugeburt erleben.

In den siebziger Jahren, als es kaum Fitness-Studios gab und Jogging ein Exotensport war, schossen in Deutschland Trimm-Pfade wie Pilze aus dem Waldboden. Heute wirken die Trimm-Pfade mit ihren skurril anmutenden Erklärschildern wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. An vielen Geräten haben Wind, Regen und Vandalismus ihre Spuren hinterlassen. Wo früher keuchende Freizeitsportler hangelten, kriecht heute Moos Zentimeter für Zentimeter vorwärts.

Neugeburt?

Das könnte sich ändern: Von München aus sollen die Pfade eine Neugeburt erleben. In Zeiten von Freeclimbing und Inline-Skating heißen sie natürlich nicht mehr Fitness- oder Trimm-Park. Der Nutzer kann vielmehr nach den Übungen berichten, er habe im »4 F Circle« trainiert, das steht für »Fit, Free, Fun, Function«.

Einst waren die Pfade Vorläufer für die Fitness-Bewegung: Hier ein paar Klimmzüge an einer Eisenstange, eine kurze Laufstrecke weiter dann Sprünge über einen Baumstamm - und immer die spannende Frage: Welche Übung verbirgt sich hinter dem nächsten Gebüsch? 1000 bis 1500 Trimm-Pfade warten nach Schätzungen des Deutschen Sportbundes (DSB) noch immer in den Wäldern zwischen Kiel und Oberstdorf auf Freizeitsportler. Dennoch gelten die Übungen heute als überholt oder zumindest als falsch kombiniert.

Falscher Ansatz

In den siebziger Jahren spielten solche Überlegungen noch kaum eine Rolle. Viele Kommunen wollten ihren Einwohnern die Möglichkeit zum kostenlosen Training bieten - und verzichteten bei der Einrichtung der Trimm-Pfade oft auf den Rat von Experten. »Vieles wurde von den Städten auf eigene Faust gemacht«, erinnert sich Jürgen Palm, einer der Väter der Trimm-Bewegung beim Deutschen Sportbund. Statt Übungen an einem Ort zu bündeln, entschieden sich die meisten Kommunen für einen Parcours mit Laufstrecken zwischen den Übungen - aus trainingswissenschaftlicher Sicht der falsche Weg.

Die Ursache für den Niedergang der Trimm-Pfade sieht der Deutsche Sportbund allerdings nicht nur in ihrem falschen Ansatz. Nach Ansicht von Wolfgang Baumann, Breitensport-Geschäftsführer des DSB, profitierten die Trimm-Pfade in der Anfangszeit von dem geringen Angebot für Anfänger innerhalb der Sportvereine. »Das hat sich inzwischen grundlegend geändert«. Die heutige Fülle an Kursen und Gruppen habe den Trimm-Pfad in den Hintergrund gedrängt. Rückblickend habe er seinen Zweck dennoch erfüllt. »Viele Menschen sind durch die Trimm-Bewegung erst zum Sport gekommen«, sagt Baumann.

Trimm-Pfade werden zu Fitness-Parks

Einige Kommunen halten trotz des gesunkenen Interesses an ihren Trimm-Pfaden fest. Die Stadt Frankfurt etwa lässt sich den Unterhalt ihrer vier Anlagen jährlich rund 15 000 Euro kosten. Sie seien ein »wichtiger Bestandteil des Freizeitangebotes«, heißt es beim zuständigen Forstamt. Die Stadt München und ihre Technische Uni haben sogar ein Projekt zur Neubelebung der Fitness-Parks angestoßen. Sie erinnern zwar auf den ersten Blick an die Trimm-Pfade, beruhen dabei aber auf aktuellen Erkenntnissen der Sportmedizin.

(Von Marc Strehler, dpa)

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