VALENTINO ROSSI Man kann nicht mit jedem Menschen befreundet sein


Am Wochenende startet der Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring. stern.de sprach mit Valentino Rossi, dem Weltmeister der 500er-Klasse von 2001 und Favoriten für die laufende Grand Prix-Saison.

Am Wochenende startet der Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring. stern.de sprach mit Valentino Rossi, dem Weltmeister der 500er-Klasse von 2001 und Favoriten für die laufende Grand Prix-Saison.

Der 23-jährige Italiener gilt als Shootingstar im internationalen Motorrad-Rennsport. Immer selbstbewusst, mit viel Mut zum Risiko, schnappte er 2001 den alten Hasen den Weltmeistertitel vor der Nase weg. Das Talent wurde ihm scheinbar in die Wiege gelegt. Vater Graziano Rossi gewann in den 70er-Jahren drei Grand-Prix-Rennen.

Herr Rossi, in der Kombination mit ihrer rund 240 PS starken Werks-Honda gelten Sie derzeit als unschlagbar. Hat die Konkurrenz in naher Zukunft überhaupt eine Chance gegen Sie?

Doch, natürlich. Schon jetzt am Sachsenring stehen die Aussichten für die anderen Teams gar nicht so schlecht, denn diese Strecke liegt mir überhaupt nicht.

Einer Ihrer schärfsten Konkurrenten, der 31-jährige Yamaha-Pilot Max Biaggi, sagte diese Woche in einem Interview, Sie seien auf dem falschen Weg, weil sie jung und unerfahren seien und außerdem die falschen Leute um sich hätten. Ärgert Sie so etwas?

Nein. Biaggi ist ein sehr guter Fahrer und mein härtester Rivale, aber wir denken anders, handeln anders und sind total verschiedene Typen. Wir haben keinen Draht zueinander und ich mag ihn auch nicht. Das ist alles. Aber halb so wild, man kann nicht mit jedem Menschen befreundet sein.

Was unterscheidet einen älteren Fahrer wie Biaggi sonst noch von Ihnen?

Ältere Rennfahrer haben den Vorteil der viel größeren Erfahrung.

Wie können Sie mit 23 schon wissen, ob die Erfahrung tatsächlich so viel bringt?

Na ja, ich bin immerhin auch schon seit sieben Jahren im Renngeschäft. Deshalb.

Was planen Sie für die Zukunft?

Ich habe einen Zweijahresvertrag mit Honda und den werde ich natürlich erfüllen. Aber danach ist für mich alles offen. Ich kann mir sogar vorstellen, Autorennen zu fahren. Ich hatte kürzlich Gelegenheit, ein Auto der World Rallye Championship zu fahren. Das hat unheimlich Spaß gemacht, so ein Gerät zu kontrollieren. Ein Formel-1 Auto stelle ich mir weniger aufregend vor, aber so einen Rennwagen habe ich bisher auch noch nicht fahren können. Vielleicht bietet sich die Gelegenheit zu einer Formel-1-Testfahrt ja nach dieser Saison.

Wie hat sich die neue Moto-GP-Serie bis jetzt bewährt, in der es seit diesem Jahr erlaubt ist, Zweitaktmotoren bis 500 Kubikzentimeter und Viertakter bis einen Liter Hubraum einzusetzen?

Das wird sicher die neue Formel 1 des Motorradsports. Im Moment gibt es wegen der unterschiedlichen Motoren noch etwas Verwirrung, aber die wird sich bald auflösen. In drei oder vier Jahren wird Moto-GP ohne Zweifel unangefochten die Spitze im Motorradsport darstellen. Das ist die Zukunft.

Interview: Frank Warrings


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