Wimbledon Michael Stich schlägt verbal daneben


Ex-Wimbledon-Champion Michael Stich hat sich zum Start des Rasenturniers offenbar im Ton vergriffen. In einem Radio-Kommentar der BBC soll er über das anzügliche Verhalten einiger Tennis-Damen hergezogen haben. Das Stöhnen einer 16-jährigen Nachwuchsspielerin entlockte ihm demnach einen besonders heiklen Vorschlag.

Michael Stich ist zum Start des Tennis-Klassikers Wimbledon als Radio-Kommentator der BBC kräftig ins Fettnäpfchen getreten. Der 40-Jährige Ex-Champion soll sich abfällig über einige der bei dem Grand-Slam-Turnier in London aufschlagenden Tennis-Damen geäußert haben, die "nur da sind, um Sex zu verkaufen", wie die "Mail on Sunday" vor dem berühmten Rasenturnier titelte. Dem Bericht des Boulevard-Blattes widersprach Stich am Montag entschieden. Die Zitate seien falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen.

"Ich habe in keinster Art und Weise gesagt, dass sich Frauen meiner Meinung nach auf dem Tennisplatz über Sex und Sex-Appeal verkaufen sollten", erklärte Stich in einer Pressemitteilung und ergänzte: "Allerdings habe ich den Vorschlag gemacht, dass man den entsprechenden Damen einmal ein Tape ihrer Matches vorspielen sollte, damit sie selbst hören, wie unangenehm es ist, wenn Matches von regelmäßigem Stöhnen oder Kreischen begleitet werden."

"Da hilft nur eines: Erschießen"

Stich soll der Zeitung zu diesem Thema auch gesagt haben: "Das Gegrunze der Tennis-Spielerinnen auf dem Platz ist abscheulich." Als größter verbaler Fehltritt wurde dem als eloquent geltenden hanseatischen Unternehmer und Stifter aber der Kommentar zu der 16-jährigen Nachwuchsspielerin Michelle Larcher de Brito vorgehalten. Deren ohrenbetäubendes, schrilles "Quieken", das zugegebenermaßen selbst hart gesottenen Tennisfans zu viel ist, soll er mit den Worten kommentiert haben: "Da hilft nur eines: Erschießen."

Dieser Satz sei zwar gefallen, "aber das war doch ein Witz", soll der Hamburger gegenüber "Bild.de" gesagt haben. In Stichs Presseerklärung klingt es anders: "Ich habe nie eine ernsthafte Aussage gemacht, jene Frauen ’zu erschießen’. So eine Äußerung wäre nicht einmal im Scherz tragbar. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich so etwas nie sagen würde." Dabei ist Stich im Kampf gegen das unbotmäßige Stöhnen auf dem Court nicht allein. Auch Boris Becker hat sich mehrfach darüber beklagt - wohl aber geschickter, indem er sich für ein Verbot stark machte. Das erwägen auch die Macher der All England Championchips.

Die 16-jährige Portugiesin, die am Montagabend auf einem kleinen Nebenplatz ihr Wimbledon-Debüt gegen die Tschechin Klara Zakopalova geben sollte, ficht die Aufregung wegen ihrer Lautstärke überhaupt nicht an. Wie schon Monica Seles oder Maria Scharapowa, die gegen sie regelrecht verhalten klangen, rät sie den vom Krach "Gestörten": "Wem es nicht gefällt, der kann ja den Ton leiser drehen."

Andreas Bellinger, DPA DPA

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