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Kinakoni Ein Jahr geschafft – das ist die Bilanz des Projektdorfs von stern und Welthungerhilfe

Virginia Mulwa, einer der Computertrainerinnen, vor dem neuen IT-Zentrum von Kinakoni
Virginia Mulwa, einer der Computertrainerinnen, vor dem neuen IT-Zentrum von Kinakoni
© Birte Mensing
Im November 2021 begannen die Bewohner des Dorfes Kinakoni in Kenia mit stern und Welthungerhilfe ein einzigartiges Projekt. Gemeinsam suchen wir neue Lösungen gegen den Hunger. Start-ups aus Nairobi helfen uns dabei. Das ist die erste Bilanz.

Manchmal kommt der Kampf gegen den Hunger ziemlich einfach daher – in Form eines kreisrunden Beetes. Es ist Herbst in Kinakoni, jenem Dorf in Kenia, dessen Bewohner mit stern und Welthungerhilfe nach Lösungen gegen den Hunger suchen, und die Lage ist kritisch.

Ein Kreis Hoffnung: Inmitten des ausgetrockneten Flusses von Kinakoni wurde um ein Wasserloch ein kleines Feld angelegt – ein einfache Methode, um auch in Zeiten der Dürre Erträge zu erwirtschaften
Ein Kreis Hoffnung: Inmitten des ausgetrockneten Flusses von Kinakoni wurde um ein Wasserloch ein kleines Feld angelegt – ein einfache Methode, um auch in Zeiten der Dürre Erträge zu erwirtschaften
© Marc Goergen

Wie in weiten Teilen Ostafrikas sind auch in Kinakoni mehrere Regenzeiten fast komplett ausgefallen. Auch das Bett des Itumba, des Flusses von Kinakoni, liegt trocken, doch mitten in dieser Schlange aus Sand wächst Hoffnung heran. Bohnen, Kohl, Tomaten: All das hat Peter Mulwa, er lebt in der Nähe, in einem runden Beet um seinen Brunnen an­gepflanzt. Schon bald wird er ernten können – zu einer Jahreszeit, in der das sonst nicht möglich war.

Das Prinzip ist simpel. Seit jeher graben die Familien in der Trockenzeit Wasser­löcher in das Flussbett. Agrarexpertinnen des kenianischen Forschungsinstituts ­Latia brachten eine Idee auf: Warum legt man nicht einfach um die Brunnen nach Pflanzenarten gestaffelte Beete an?

Peter Mulwa, einer der Bauern von Kinakoni, wässert das kleine Feld, das er um sein Wasserloch angelegt hat
Peter Mulwa, einer der Bauern von Kinakoni, wässert das kleine Feld, das er um sein Wasserloch angelegt hat
© Marc Goergen

Peter Mulwa war einer der ersten, der dem Rat gefolgt ist. Inzwischen leuchten rund ein Dutzend Beete im trockenen Fluss. Dahinter steckt die Idee des Projektes: Nicht Experten aus Europa bringen die Lösungen, sondern Kenianer und Kenianerinnen selbst, Forscher oder auch Start-ups aus Nairobi – so wie Latia.

Ein gutes Jahr ist vergangenen, seit stern und Welthungerhilfe gemeinsam mit den Menschen aus Kinakoni begonnen haben, nach Lösungen gegen den Hunger zu suchen. Schon in diesem Jahr ist viel erreicht worden – auch dank der Spenden von Leserinnen und Lesern. Unter anderem: Zwei große Tanks sind errichtet worden, um Regenwasser zu speichern. Ein Pilotversuch eines Tourismus-Start-ups brachte einheimische Gäste ins Dorf. Die Sanierung der Grundschule wurde begonnen. Über all das informieren wir auch über unsere Website und einen TikTok-Kanal. Vor allem aber auf der Verbesserung der Erträge in Zeiten des Klimawandels liegt der Fokus.

Alte Gebäude werden abgerissen, neue errichtet – die Arbeiten an der Primary School von Kinakoni
Alte Gebäude werden abgerissen, neue errichtet – die Arbeiten an der Primary School von Kinakoni
© Birte Mensing

Die Beete sind dabei nur ein kleiner Baustein, wortwörtlich. Denn mitten im Dorf entsteht ein Fußballfeldgroßer ­Versuchsacker. Auch auf Basis von Bodenproben werden hier Experimente gestartet: Welche Pflanzen bringen die besten Erträge? 

Die Hoffnung wächst: Die ersten Sämlinge sprießen auf dem Agrar-Versuchsfeld mitten in Kinakoni
Die Hoffnung wächst: Die ersten Sämlinge sprießen auf dem Agrar-Versuchsfeld mitten in Kinakoni
© Birte Mensing

Läuft alles nach Plan, werden die jetzt noch braunen Furchen demnächst von ganz verschiedenen Nutzpflanzen bedeckt sein. Und was sich bewährt, so die Idee, das soll den Menschen von Kinakoni und anderen Dörfern als Modell dienen.

In Kinakoni haben schon jetzt Familien begonnen, mit neuen Methoden zu experimentieren. Makali und Lina Kilii etwa, die der stern seit Beginn des Projekts begleitet, haben auf ihrem Feld ein Rechteck abgegrenzt, Furchen gezogen und "Cow ­Peas"-Sämlinge angepflanzt – eine Bohnenart, die mit Trockenheit klar kommt.

Die Anregung kam von ihrem Sohn Kennedy. Der 20-Jährige gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die mehrere Monate lang auf dem Latia-Campus bei Nairobi ausgebildet wurden. Noch allerdings ist das neue Beet ziemlich klein – und der staubtrockene Acker, der es umgibt, ziemlich groß. Denn die Dürre in Ostafrika ist dramatisch. Auch Kinakoni zählt zu den Regionen, deren Ernährungslage nach Definition der Vereinten Nationen als kritisch gilt. Was zum Beispiel heißt: Es gibt nur eine Mahlzeit am Tag, abends.

Alex Magu, Gründer des STEM Impact Center Kenya, erklärt einer Schülerin die Software, um einen Roboter zu steuern
Alex Magu, Gründer des STEM Impact Center Kenya, erklärt einer Schülerin die Software, um einen Roboter zu steuern
© Privat

Trotzdem erschließen sich die Menschen hier Bereiche, die vielen Dörfern bislang fremd waren, Computer und Internet. Auch dabei helfen andere Kenianer: Das Team des "STEM Impact Center Kenya" – "STEM" steht für Technik, Naturwissenschaften, Mathe. Trainer bringen Jungen und Mädchen spielerisch das Programmieren bei. Die Kinder sitzen vor Laptops und lernen, wie man die Roboter aus Lego-­Steinen mit einfachen Befehlen in Bewegung setzt.

Die ersten Computerkurse sind erfolgreich absolviert: In einer feierlichen Zeremonie erhalten Jungen und Mädchen aus Kinakoni ihre Zertifikate
Die ersten Computerkurse sind erfolgreich absolviert: In einer feierlichen Zeremonie erhalten Jungen und Mädchen aus Kinakoni ihre Zertifikate
© Kelvin Shingles

Um noch mehr Menschen aus Kinakoni an Computer heranzuführen, ist am Rand des Marktes ein IT-Zentrum an­gelegt worden – ein Raum, in dem jeden Tag Erwachsene wie Kinder mit Computern vertraut gemacht werden. Trainerin Virgina Mulwa hat sich das Knowhow vor einigen Jahren in Nairobi angeeignet, jetzt ist sie zurück im Dorf und gibt es weiter. "Der Andrang", sagt sie "ist einfach riesengroß." 

In einem einzigartigen Projekt suchen der stern und die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Menschen aus dem Dorf Kinakoni in Kenia nach neuen Lösungen gegen den Hunger. Hier finden Sie alle Infos. Die Arbeit vor Ort wird unter anderem unterstützt von der Deichmann Stiftung, der Wilo Foundation, der Stiftung Block und im Bereich des Schulneubaus von der Regine-Sixt-Kinderhilfe-Stiftung. Die Ernährungslage in Kinakoni ist vor allem aufgrund von Dürre und Preissteigerungen kritisch, das Projekt ist weiterhin auf Spenden angewiesen. Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.
In einem einzigartigen Projekt suchen der stern und die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Menschen aus dem Dorf Kinakoni in Kenia nach neuen Lösungen gegen den Hunger. Hier finden Sie alle Infos. Die Arbeit vor Ort wird unter anderem unterstützt von der Deichmann Stiftung, der Wilo Foundation, der Stiftung Block und im Bereich des Schulneubaus von der Regine-Sixt-Kinderhilfe-Stiftung. Die Ernährungslage in Kinakoni ist vor allem aufgrund von Dürre und Preissteigerungen kritisch, das Projekt ist weiterhin auf Spenden angewiesen. Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.

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