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59 Projekte in 23 Ländern So konnten wir dank Ihrer Spende helfen – der Jahresrückblick der Stiftung stern

Virgina Mulwa unterrichtet im Computer-Zentrum von Kinakoni. Gemeinsam mit der Stiftung stern und der Welthungerhilfe suchen die Menschen in diesem Dorf in Kenia neue Wege, um den Hunger zu bekämpfen
Virgina Mulwa unterrichtet im Computer-Zentrum von Kinakoni. Gemeinsam mit der Stiftung stern und der Welthungerhilfe suchen die Menschen in diesem Dorf in Kenia neue Wege, um den Hunger zu bekämpfen
© stern
Vom Kindercamp in der Ukraine bis zum Wiederaufbau im Ahrtal: 2022 konnte die Stiftung stern mehr als 2,3 Millionen Euro ausschütten – ein Rekord. Das ist unsere Bilanz.

Ukraine: Ein Stück Alltag schenken

Ranzen für geflüchtete Kinder, Nothilfe vor Ort – eine Million Euro ging an Projekte für Kriegsopfer

Die fünfjährige Milena mit ihrem neuen Ranzen auf dem Bremer Marktplatz
Die fünfjährige Milena mit ihrem neuen Ranzen auf dem Bremer Marktplatz
© Maximilian Mann/STERN

Es war ein recht guter Tag nach dramatischen Wochen. Bremen, Ende April: Milena und ihre Brüder tobten vor dem Rathaus, versteckten sich mal hinter ihrer Mutter, mal hinter dem Denkmal der Bremer Stadtmusikanten.

Die Flucht aus der Ukraine, der ältere Bruder, der dort im Osten kämpfte, all das wirkte in diesen Momenten kurz wie ein surrealer Albtraum. Die Fünfjährige und die achtjährigen Zwillinge Andrej und Gleb waren einfach Kinder voller Vorfreude auf ein Geschenk.

Wenige Wochen zuvor hatten die Stiftung stern und das Deutsche Kinderhilfswerk zu einer ganz besonderen Spendenaktion aufgerufen: Wir wollten den aus der Ukraine geflüchteten Kindern ein Stück Alltag schenken, eine kleine Starthilfe geben für das Leben und Lernen in einem fremden Land – mit einem Schulranzen.

In Charkiw aktiv: Mike Seawright von ReliefAid
In Charkiw aktiv: Mike Seawright von ReliefAid
© privat

Unser Aufruf traf einen Nerv. Fast eine Viertelmillion Euro spendeten Leserinnen und Leser allein für diese Aktion, halfen so Familien wie der von Milena Owtschinikowa bei der Ankunft in Deutschland. Die Geschichte der Familie gleicht der von Tausenden, die hier im vergangenen Jahr Schutz suchten – und ist doch schwieriger als manch andere. Denn für Milenas Mutter und ihre Brüder war es schon die zweite Flucht. 2014 verließen sie Donezk, als Separatisten die Stadt im Osten der Ukraine übernahmen. Sie zogen nach Dnipro – und mussten nun erneut fliehen. Mehrere Tage dauerte ihre Odyssee bis nach Bremen.

Etwas Unterstützung beim Ankommen, das sollte Milena und den anderen Kindern, die zur Spendenübergabe auf den Marktplatz von Bremen kamen, der Schulranzen geben. Insgesamt konnten die Stiftung stern und das Deutsche Kinderhilfswerk knapp 2400 Ranzen in ganz Deutschland verteilen.

Auch in der Ukraine selbst und in den angrenzenden Ländern konnten wir helfen – dank der Großzügigkeit unserer Spenderinnen und Spender, die dafür mehr als eine Million Euro überwiesen. Mit den Partnern Ärzte ohne Grenzen und Caritas konnten Lebensmittel, Hygieneprodukte und medizinisches Material verteilt werden, die Mitarbeiterinnen von Care leisteten Erstversorgung, etwa mit Essen, Decken und Windeln für Kleinkinder.

Einfach mal Kind sein: Mehr als 200 ukrainische Jungen und Mädchen, deren Familien vom Krieg besonders schwer betroffen sind, verbringen zehn Tage in einem Freizeitcamp im Westen des Landes
Einfach mal Kind sein: Mehr als 200 ukrainische Jungen und Mädchen, deren Familien vom Krieg besonders schwer betroffen sind, verbringen zehn Tage in einem Freizeitcamp im Westen des Landes
© privat

Um die gefährliche Evakuierung von Menschen aus umkämpften Dörfern kümmerte sich Proliska, eine ukrainische Organisation, mit der die Stiftung stern schon mehrfach zusammengearbeitet hat – unsere Reporterinnen waren vor Ort auf die Helfer aufmerksam geworden.

Auf Einsätze in Kriegsgebieten hat sich auch die neuseeländische Organisation ReliefAid spezialisiert. Dieser Partner der Stiftung stern unterstützt Kriegsopfer unter anderem beim Wiederaufbau ihrer Häuser und Wohnungen. Ein gefährlicher Job. Mike Seawright, den Gründer der Organisation, ficht das nicht an: "Wenn wir bei jedem Luftalarm Schutz suchen würden, könnten wir gar nicht mehr arbeiten."

Flutgebiet: Mobile Hilfe für traumatisierte Kinder

Die Stiftung stern finanziert die Stelle einer Schulpsychologin in Eschweiler

Annika Lange fährt mit einem Beratungsbus zu Schulen und bietet Unterstützung vor Ort
Annika Lange fährt mit einem Beratungsbus zu Schulen und bietet Unterstützung vor Ort
© Paula Tümmeler

An normalen Tagen plätschert die Inde gemächlich durch Eschweiler, ist gerade mal 20 Zentimeter tief. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 wurde aus dem Fluss ein reißender Strom, der Pegel stieg auf 3,73 Meter. Braune Wassermassen zerstörten Wohnungen, Läden und Schulen.

Eineinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe können viele Schülerinnen und Schüler noch immer nicht wieder zum Unterricht in ihre Klassen, täglich bringen Busse sie zu fremden Schulen. Das erzeugt Stress – und viele sind ohnehin durch die Erfahrungen während der Flutnacht traumatisiert.

Ein Gruppe syrischer Freiwilliger hilft beim Wiederaufbau im Ahrtal – eines von mehreren Projekten im Flutgebiet, die von der Stiftung stern gefördert wurden
Ein Gruppe syrischer Freiwilliger hilft beim Wiederaufbau im Ahrtal – eines von mehreren Projekten im Flutgebiet, die von der Stiftung stern gefördert wurden
© Theodor Barth

"Wir beobachten mehr Gewalt, mehr Mobbing, mehr Suchtverhalten wie Essstörungen, aber auch Depressionen bei Kindern und Jugendlichen", sagt Michael Raida, Leiter des Jugendamts Eschweiler. "Viele brauchen dringend psychologische Hilfe." Doch es gibt nicht genug Angebote, und der Kommune Eschweiler fehlt das Geld. Die Flut hat vor allem Gebiete schwer getroffen, in denen sozial schwache Familien leben. Deshalb finanziert die Stiftung stern die Stelle einer Schulpsychologin für die kommenden drei Jahre.

Annika Lange, 34, hat sich auf die psychosoziale Beratung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert. "Viele Kinder fühlen sich nicht mehr sicher, sie leiden unter Panikattacken. Und sie machen sich auch Sorgen wegen des Kriegs und der Inflation." Oft erzählen sie Lange: "Mama und Papa haben doch schon genug andere Sorgen." Mit einem Bus besucht die Psychologin regelmäßig sieben Schulen, außerdem bietet sie Sprechstunden im Jugendtreff an. "Bei mir braucht man keinen Termin, man kann einfach einsteigen und losreden."

Insgesamt wurde der Wiederaufbau im Flutgebiet 2022 mit Spenden von mehr als 380.000 Euro unterstützt.

Kenia: Arbeit, die Früchte trägt

Trotz der Dürre in Ostafrika: Das Projektdorf Kinakoni bricht auf in eine bessere Zukunft

Das Versuchsfeld im Dorf: Fast eine halbe Million Euro floss insgesamt in das Projekt
Das Versuchsfeld im Dorf: Fast eine halbe Million Euro floss insgesamt in das Projekt
© Maximilian Mann/STERN

Manchmal kommt der Fortschritt ziemlich einfach daher – in Form eines kreisrunden Beetes zum Beispiel. Es ist Herbst in Kinakoni, jenem Dorf in Kenia, dessen Bewohner mit der Hilfe von stern und Welthungerhilfe dem Hunger entkommen wollen. Und die Lage ist angespannt.

Wie in weiten Teilen Ostafrikas sind auch in Kinakoni mehrere Regenzeiten fast komplett ausgefallen. Die Dürre ist dramatisch, nach der Definition der Vereinten Nationen ist die Ernährungslage in der ganzen Region kritisch. Was zum Beispiel heißt: Es gibt nur eine Mahlzeit am Tag, abends.

Das Bett des Itumba, des Flusses von Kinakoni, liegt trocken – aber anders als sonst zu dieser Jahreszeit wächst mitten in dieser Schlange aus Sand eine neue Hoffnung. Bohnen, Kohl, Tomaten: All das hat Peter Mulwa, er lebt in der Nähe, in einem runden Beet um seinen Brunnen herum angepflanzt. Schon bald wird er ernten können.

Das Prinzip ist simpel. Von jeher graben die Familien in der Trockenzeit Wasserlöcher in das Flussbett. Agrarexpertinnen des kenianischen Forschungsinstituts Latia machten nun einen Vorschlag: Warum legt man nicht einfach um die Brunnen herum nach Pflanzenarten gestaffelte Beete an? Peter Mulwa war einer der Ersten, der dem Rat gefolgt ist. Inzwischen leuchtet rund ein Dutzend Beete im trockenen Fluss.

In ihnen gedeihen Früchte und Gemüse – und sie zeigen, was die Idee des Projekts ist: Nicht Experten aus Europa bringen die Lösungen, sondern Kenianer und Kenianerinnen selbst, Forscher oder eben auch Start-ups aus Nairobi wie Latia.

Ein Jahr ist vergangen, seit stern und Welthungerhilfe gemeinsam mit den Menschen aus Kinakoni begonnen haben, nach neuen Waffen im Kampf gegen den Hunger zu suchen. Schon in diesem Jahr ist viel erreicht worden – auch dank der Spenden von Leserinnen und Lesern. Unter anderem sind zwei große Tanks errichtet worden, um Regenwasser zu speichern. Der Pilotversuch eines Tourismus-Start-ups brachte einheimische Gäste ins Dorf. Die Sanierung der Grundschule hat begonnen. Vor allem aber wurde viel gearbeitet an einer dauerhaften Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge – immer mit Blick auf die Veränderungen durch den Klimawandel.

Die runden Beete sind dabei nur ein kleiner Baustein. Mitten im Dorf entsteht ein Versuchsacker, so groß wie ein Fußballfeld. Unter anderem auf der Basis von Bodenproben werden hier Experimente gestartet, wird ausprobiert: Welche Pflanzen bringen die besten Ernten?

Läuft alles nach Plan, werden die jetzt noch braunen Furchen demnächst von ganz verschiedenen Nutzpflanzen bedeckt sein. Und was sich bewährt, so die Idee, das soll den Menschen von Kinakoni und anderen Dörfern als Modell dienen.

In Kinakoni haben schon jetzt Familien begonnen, mit neuen Methoden zu wirtschaften. Makali und Lina Kilii etwa, die der stern seit Beginn des Projekts begleitet, haben "Cowpeas" angepflanzt – eine Bohnenart, die gut mit Trockenheit klarkommt.

Die Anregung dazu kam von ihrem Sohn Kennedy. Der 20-Jährige gehört zu einer Gruppe von Jugendlichen, die mehrere Monate lang auf dem Latia-Campus bei Nairobi ausgebildet wurden. Lernen und Austausch – auch das soll durch das Projekt gefördert werden. Und so wagt sich das Dorf nicht nur an neue Pflanzen heran, sondern auch an Computer und Internet. Hilfe kommt hier ebenfalls von anderen Kenianern, genauer dem Team des "Stem Impact Center Kenya" – wobei "Stem" für Technik, Naturwissenschaften, Mathe steht. Trainer bringen Jungen und Mädchen spielerisch das Programmieren bei. Die Kinder sitzen vor Laptops und lernen etwa, wie man Roboter aus Legosteinen mit einfachen Befehlen in Bewegung setzt.

Um noch mehr Menschen aus Kinakoni an Computer heranzuführen, ist am Rand des Marktes ein IT-Zentrum eingerichtet worden – ein Raum, in dem jeden Tag Erwachsene wie Kinder mit Rechnern vertraut gemacht werden. Trainerin Virgina Mulwa hat sich das Know-how in Nairobi angeeignet, jetzt ist sie zurück in Kinakoni und gibt es weiter. "Der Andrang", sagt sie, "ist einfach riesengroß."
 

Helfen, wo die Not am grössten ist
Stiftung stern: Hier spenden

"Wir wollen die Not in der Welt nicht hinnehmen. Das Schicksal von Menschen bewegt uns. Wir machen Journalismus, der hilft." Mit diesen Aussagen ist die Stiftung stern angetreten. Seit 2003 unterstützen wir Projekte in Deutschland und im Ausland. Allein in diesem Jahr konnten wir dank der Spenden von Leserinnen und Lesern schon mehr als 2,3 Millionen Euro an 59 Projekte in 23 Ländern ausschütten – so viel wie noch nie. Unser Engagement ist vielfältig: Es reicht von der Soforthilfe in Kriegsgebieten bis hin zu langfristigen Partnerschaften wie mit der „Arche“. Unsere Reporterinnen und Reporter überzeugen sich vor Ort von den Projekten.

Helfen Sie uns, weiter zu helfen. Dieser Link führt Sie zu unserem Spendenformular. Oder überweisen an: IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 

Kinderarmut

Jedes fünfte Kind kommt zu kurz

Arche
Arche
© Katrin Streicher

Es ist eine erschreckende Zahl: Rund 2,8 Millionen Mädchen und Jungen in Deutschland sind von Armut bedroht oder betroffen. Viele werden ausgegrenzt und schämen sich. Arme Kinder haben es schwerer in der Schule, viele kaschieren ihre Situation. Der stern will den Kindern eine Stimme geben und hat außerdem 2022 mit drei Aktionen zu Spenden aufgerufen. So konnte unter anderem das Kinder- und Jugendhilfswerk "Die Arche" mit 70.000 Euro unterstützt werden.

Südafrika

Mit Musik und Tanz gegen Gewalt

Brotherhood Social Club
Brotherhood Social Club
© Marc Goergen

Gang-Kriminalität ist in den Townships von Kapstadt weit verbreitet. Der Brotherhood Social Club hat eine ganz eigene Methode entwickelt, um Jugendliche vor dem Weg in die Gewalt zu bewahren: Er begeistert sie mit ausgefallenen Klamotten und Tanzevents, hilft aber auch dabei, Jobs zu finden. Mit 2000 Euro unterstützte die Stiftung stern 2022 die Arbeit des Clubs. Unter anderem wurde mit der Spende ein Tanzwettbewerb organisiert.

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