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Unterkunft für Kriegsopfer Ein Bett frei? Ein Digitalunternehmer vermittelt in Deutschland Schlafplätze für ukrainische Flüchtende

Ukranische Geflüchtete in Polen
Ukranische Geflüchtete in Polen

© Dominika Zarzycka/ / Picture Alliance
In Auto oder Bussen flüchten die Ukrainer vor dem Krieg nach Polen, Rumänien oder Moldawien. Noch ist unklar, wieviele der Menschen am Ende nach Deutschland weiter ziehen wollen. Der Digital-Unternehmer Lukas Kunert bereitet sich aber schon einmal vor – er hat eine Plattform aufgesetzt, bei der Leute hier freie Betten melden können.

Mehrere zehntausend Menschen sind in der Ukraine auf der Flucht vor den Kämpfen, Autos stauen sich auf den Straßen nach Westen, in Polen bereitet man sich auf etwa eine Million Flüchtlinge vor. Noch ist unklar, wie viele von diesen Frauen und Kindern – Männer zwischen 18 und 60 dürfen die Ukraine nicht verlassen – weiter nach Deutschland ziehen werden, aber Lukas Kunert aus Gersfeld bei Fulda will nicht warten, bis es vielleicht zu spät ist. Er hat schon begonnen Hilfe zu organisieren – in Form von freien Betten.

Mehr als 40.000 Schlafplätze für Flüchtende aus der Ukraine hat Kunert über die Plattform "Elinor" bis Sonntagmittag schon organisiert. Und mehr als 20.000 Menschen aus ganz Deutschland wollen Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen.

"Elinor"-Mitbegründer Lukas Kunert
"Elinor"-Mitbegründer Lukas Kunert
© Privat

Erst am Donnerstag war Kunert mit der Plattform gestartet und hatte innerhalb weniger Stunden gleich 2000 freie Betten organisiert. Die Idee ist simpel: Menschen tragen ihre freien Schlafstätten online ein, für mindestens zwei Wochen bieten sie Fremden Unterschlupf. "Mit so einer Welle der Hilfsbereitschaft, hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet", sagt Kunert.

Am Küchentisch kam die Idee

Die Idee entstand am ersten Tag des Ukraine-Krieges zuhause am Küchentisch. "Meine Frau kommt aus Russland, wir haben uns in der Ukraine kennen gelernt – wir haben uns gesagt: Wir müssen helfen! Dann rief unser Freund Falk Zietz an, Mitarbeiter der GLS Bank, der vor Jahrzehnten einen Kulturzug durch die damalige UdSSR organisierte und dieselbe Idee hatte wie wir. Da war klar, wir legen los", erzählt Kunert. Hinter der Plattform steckt ein achtköpfiges Team, das fieberhaft daran arbeitet, dafür zu sorgen, das Matching zwischen Flüchtlingen, die ein Bett suchen, und Anbietern zu organisieren. "Allein schaffen wir das nicht. Wir haben uns daher entschlossen, mit erfahrenen Organisationen wie Betterplace.org oder Project Together zusammen zu arbeiten, aber auch mit großen Firmen mit Sicherheits-Experten. Denn wichtig ist, dass wir sehr sensibel mit den Daten der Geflüchteten umgehen und sie schützen müssen."

Der 30-Jährige weiß, wie man soziale Hilfe aktiviert, Kunert ist Mitbegründer der sozialen Finanzierungsplattform "Elinor": Eine digitale Plattform über die Menschen gemeinsam und demokratisch Geld verwalten können. Etwa die Klimaaktivisten von Fridays for Future, die damit Bußgeldforderungen für streikende Schüler solidarisch geteilt haben.

Bereits 2020 hatte Lukas Kunert gemeinsam mit Kulturschaffenden die Crowdfunding-Aktion #KunstNothilfe" gestartet und über 400.000 Euro für Kulturschaffende gesammelt, die in Folge des Lockdowns in Not geraten waren. Die Stiftung stern hat Kunert damals bei seiner Aktion unterstützt und Spenden gesammelt.

Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.
Die Menschen in den von Krieg und Gewalt betroffenen Gebieten in der Ukraine brauchen unsere Hilfe. Die Stiftung stern arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, die von uns geprüft wurden. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug weiter. Über diesen Link kommen Sie direkt zu unserem Spendenformular.

Wie groß diese neue Aktion am Ende nun werden wird – das hängt auch vom weiteren Verlauf der Kämpfe vor Ort ab. Kunert hat allerdings in der Vergangenheit gelernt: Zu klein sollte man den Bedarf nie einschätzen.


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