Nach "Im Schatten der Angst" (2019) und "Im Schatten der Angst – Du sollst nicht lügen" (2023) schlüpft Julia Koschitz am Montagabend im Zweiten im ORF/ZDF-Thriller "Im Schatten der Angst – Der Skorpion" zum dritten Mal in die Rolle der Wiener Psychiaterin Karla Eckhardt. Obwohl die Täterschaft in einem Mordfall auf den ersten Blick klar zu sein scheint: Man darf dem psychologischen Spiel, das Drehbuchautor Nils-Morten Osburg und Regisseur Umut Dag) hier entwerfen, nicht so einfach trauen.
"Der Mann ist gefährlich ... Sie machen einen großen Fehler!", beschwört Helene Zenker (Margarethe Tiesel) Karla verzweifelt. Anton Lisky (Stefan Gorski) hatte ihren Sohn vor acht Jahren im Drogenrausch getötet und soll nun die Erlaubnis auf unbewachten Freigang erhalten – abhängig vom Gutachten seiner Psychiaterin. "Er hat hart an sich gearbeitet, und Menschen können sich ändern", urteilt Karla. Zu Beginn ihrer Therapiesitzungen nach der Tat hatte Lisky die Fabel vom Skorpion und dem Frosch angeführt. Er sei darin der Skorpion, er müsse töten, es sei sein Naturel. Ein Tattoo des Tieres bedeckt seinen kompletten Rücken.
Doch auch optisch hat er sich seitdem verändert, er ist kaum wiederzuerkennen. Stefan Gorski spielt das sehr überzeugend. "An der Figur ist eben gerade die Vielschichtigkeit so spannend", erklärte der Schauspieler der Kronenzeitung gegenüber. "Die verschiedenen Facetten, die jeder Mensch in sich trägt und die durch äußere Umstände herausgekitzelt werden."
Einmal Skorpion, immer Skorpion?
Der Antrag wird bewilligt, Lisky darf ab sofort ohne polizeiliche Begleitung in einer Gärtnerei arbeiten. Nur wenig später wird der Gärtner Wimmer (Anton Noori) ermordet aufgefunden, Lisky selbst ist abgetaucht. Ein Schuldeingeständnis, davon ist nicht nur die sensationsheischende Presse überzeugt, sondern auch die ruppige Hauptkommissarin Irene Radek (Susi Stach). Karla ist erschüttert: Hat sie einen fatalen Fehler begangen?
Dann steht der Gesuchte überraschend vor Karlas Tür und erinnert sie an ihr Versprechen: dass er ihr immer vertrauen könne. Er bittet sie, ihm zu helfen, seine Unschuld zu beweisen. Er habe Wimmer nicht getötet, aber zuvor Verdächtiges beobachtet. Gibt es also einen dritten Mann? Das wäre, zumal in Wien, gar nicht so ungewöhnlich.
Es ist einmal mehr eine Paraderolle für Julia Koschitz, die Karlas Gefühlchaos durch subtile Mimik zu transportieren versteht. Der Schock über die Tat, der Unglaube über ihr mögliches Fehlurteil, die beinahe schon unprofessionelle Vertrautheit zu ihrem Patienten und das Dilemma, sein hart erarbeitetes Vertrauen nicht zerstören zu wollen und gleichzeitig der Polizei helfen zu müssen. Auch Liskys früherer Psychiater Kressmann (Jörg Schüttauf) weiß nicht, was er ihr raten soll.
Karla entscheidet sich für einen Kompromiss. Sie möchte Lisky dazu bringen, sich selbst zu stellen, doch nun ist es eine riskante Entscheidung der Kommissarin, die zur Katastrophe führen soll – und zu einer Wendung, so überraschend, dass sie wohl keiner vorhersehen konnte, selbst die mit einem Wissensvorsprung ausgestatteten Zuschauerinnen und Zuschauer nicht ...
"Im Schatten der Angst – Der Skorpion" – Mo. 09.03. – ZDF: 20.15 Uhr