Auto VW-Werk in Mexiko hofft auch auf den neuen Golf


Im Volkswagen-Werk im mexikanischen Puebla kündigt sich eine neue Auto-Generation an: Vom kommenden Jahr an fertigt die Volkswagen de México S.A. das nächste Modell des Bora/Jetta auch für den europäischen Markt.

Im Volkswagen-Werk im mexikanischen Puebla kündigt sich eine neue Auto-Generation an. Im Presswerk für Karosserieteile steht eine kürzlich erworbene vollautomatische Anlage. Daneben: alte Pressen, die auf ihre Verschrottung warten. Vom kommenden Jahr an fertigt die Volkswagen de México S.A. das nächste Modell des Bora/Jetta auch für den europäischen Markt. Ob der aktuelle Golf ab 2005 ebenfalls in Mexiko gebaut wird, ist noch nicht sicher. Dessen Verkauf war in Deutschland schleppend angelaufen.

Entscheidung noch nicht gefallen

Zwar hatte VW vor einigen Monaten angekündigt, dass das Vorzeigemodell des Autokonzerns auch in dem lateinamerikanischen Land produziert werden soll. Aber noch sei nichts entschieden, heißt es nun in dem rund 125 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernten Puebla. VW untersuche "Alternativen". Gründe will VW-de-México-Sprecher Thomas Karig nicht nennen. "Unser Werk bekommt aber neben dem Jetta/Bora ein zusätzliches Projekt - das kann der Golf sein oder aber ein anderes Modell", betont er. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte kürzlich gesagt, dass in Puebla ein weiteres Fahrzeug mit einer Jahresproduktion bis zu 100 000 Stück gebaut werden solle.

Der neue Jetta/Bora werde ab 2005 exklusiv in Mexiko produziert, sagt Karig. Mit einer Ausnahme. In China rollt das für den boomenden nationalen Markt bestimmte Auto in einem eigenen Werk vom Band. In Puebla fertigt VW derzeit das aktuelle Jetta-Modell vor allem für den nordamerikanischen Markt sowie weltweit exklusiv den New Beetle. Rund 80 Prozent der in Mexiko gefertigten Autos werden exportiert. Knapp zwei Drittel der in Puebla produzierten Fahrzeuge sind für den nordamerikanischen Markt bestimmt, 15 Prozent für Europa.

Produktion soll weiter gekappt werden

Bisher ist nach den Worten von Karig nicht entschieden, wie das Werk zum Milliarden schweren Sparprogramm "ForMotion" des in schwieriges Fahrwasser geratenen Konzerns beitragen soll. Daran werde gearbeitet. Im Februar hatte der Autobauer bereits angekündigt, die Produktion in Mexiko noch weiter zu kappen. Seit vergangenen August arbeiten die etwa 9640 Arbeiter lediglich vier Tage die Woche. Damit vermied VW Entlassungen.

2004 will Volkswagen de México 235 000 Autos fertigen. Das sind knapp acht Prozent weniger als ursprünglich angepeilt und fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Im Rekordjahr 2000 liefen in Puebla 425 703 Fahrzeuge vom Band. Die Nachfrage nach dem 1998 eingeführten New Beetle hat sich mittlerweile abgeschwächt. Und in den USA tobt ein Preiskampf zwischen den Autokonzernen. "Volkswagen beteiligt sich nicht an den Rabattschlachten", sagt Karig. Der Absatzschwund von VW auf dem US-Markt war stärker als der anderer Autohersteller.

Exporte sollen wieder wachsen

In Mexiko sind nach Angaben des Herstellerverbands AMIA (Asociación Mexicana de La Industria Automotriz) auch BMW, Ford, Chrysler, General Motors, Nissan und Honda ansässig. Insgesamt wurden 2003 laut AMIA in Mexiko 1,54 Millionen Fahrzeuge hergestellt - 13,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Export sank um knapp 12 Prozent, während der Inlandsabsatz leicht stieg. Für das laufende Jahr ist der Autoverband optimistisch. Er erwartet ein Produktionsplus von 6 bis 8 Prozent. Der Export dürfte um ein Zehntel wachsen und der Absatz in Mexiko um 7 Prozent.

Bei Volkswagen war der operative Gewinn im abgelaufenen Jahr eingebrochen. Europas größter Autokonzern begründete dies mit hohen Anlaufkosten für neue Modelle, dem starken Euro und der Sanierung des Brasilien-Geschäfts. Das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres sei "miserabel" verlaufen, wie Konzernchef Pischetsrieder erst kürzlich bekräftigte. Auch der Verkauf des neuen Golf war zunächst nur schleppend angerollt. Bis Ende nächsten Jahres will der VW-Konzern über sein Umbauprogramm rund 4 Milliarden Euro einsparen. Dafür sollen 5.000 Stellen wegfallen. 2003 beschäftigte der Autobauer weltweit 335.000 Menschen.

Sabine Brendel, dpa DPA

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