Banken Deutsche Superbank erregt die Gemüter


Fusionsfantasien ohne Grenzen heizen ständig das Spkulationsfieber an: Erst in der vergangenen Woche wurde ein anonymer US-Investor gesucht, der angeblich die Commerzbank im Visier hatte.

Die Fusionsfantasien über die deutsche Bankenlandschaft treiben immer exotischere Blüten. Erst in der vergangenen Woche wurde ein anonymer US-Investor gesucht, der angeblich die Commerzbank im Visier hatte. Kaum war dieses Gerücht abgeklungen, erreichte das Spekulationsfieber neue Höhen. Nun sollen die drei Frankfurter Großbanken Deutsche, Dresdner und Commerzbank zusammen mit der Münchener HypoVereinsbank (HVB) schon in "Sondierungsgesprächen" für eine deutsche Superbank sein. "Alles Unsinn", heißt es unisono bei den Instituten. "Es gibt weder Verhandlungen noch Gespräche", kommentieren die Geldhäuser entsprechende Berichte des "Spiegel" und der "Financial Times Deutschland". An der Börse reichten die Spekulationen aber für Kursgewinne von mehr als drei Prozent.

Eichel als treibende Kraft?

Als treibende Kraft hinter dem Fusionskarussell wird diesmal Bundesfinanzminister Hans Eichel genannt. Auf einem Treffen der vier Vorstandsvorsitzenden vor mehr als zwei Wochen habe er seine Sorge über drohende ausländische Übernahmen geäußert. Eine Konsolidierung sei auch deshalb notwendig, weil die mittelständischen Unternehmen nicht mehr mit der notwendigen Liquidität versorgt werden könnten.

Mittelstand zunehmend auf Sparkassen angewiesen

Warum ausgerechnet eine deutsche Superbank - aus dem Zusammenschluss von vier um ihre Ertragskraft kämpfenden Häuser - zum Retter des Mittelstandes werden sollen, bleibt Branchenbeobachtern verschlossen. "Die Deutsche Bank hat sich vom Mittelstand verabschiedet", klagte schon in der vergangenen Woche der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU), Max Schön. Bei der schwierigen Beschaffung von Fremdmitteln sind kleine und mittlere Unternehmen zunehmend auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken angewiesen.

Großfusionen bislang problematisch

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt bereits die Schwierigkeiten von Großfusionen im deutschen Kreditgewerbe. Der einzig vollzogene Zusammenschluss großer Geschäftsbanken zwischen den Münchener Instituten Vereins- und Hypobank zur HVB war nicht zuletzt wegen verdeckter Immobilienrisiken ein finanzieller Kraftakt. Die Ehe zwischen Deutscher und Dresdner Bank zum "deutschen Powerhouse" scheiterte nach der Vertragsunterzeichnung an widerstreitenden Interessen und Kulturen. Der zweite Frankfurter Fusionsversuch zwischen Dresdner und Commerzbank blieb ebenfalls im Gestrüpp unterschiedlicher Kulturen, persönlichen Eitelkeiten und Machtansprüchen stecken.

Nicht mal technische Kooperation klappte

Die Neuauflage einer Vierer-Fusion wird deshalb ins Reich der Fantasien verwiesen. Die privaten Geschäftsbanken Deutsche und Dresdner Bank konnten sich nach langen Verhandlungen nicht einmal auf die gemeinsame Abwicklung des technischen Zahlungsverkehrs einigen. Für die Bündelung von Kerngeschäften stellen Unterschiede in der Unternehmenspolitik, der Gehaltsstrukturen und regionalen Schwerpunkte kaum zu überbrückende Hürden dar. Wenn in den nächsten Tagen die Aufregung über die deutsche Superbank nachlässt und die Aktienkurse wieder bröckeln, bleibt immer noch der Rückgriff auf die schon häufig gezogene Karte "Commerzbank mit HVB". Den Kapitalmärkten bleiben die Spekulationen mit Sicherheit erhalten.

Wolf Pampel DPA

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