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China: Spielzeug macht nicht alle froh

Längst ist China der größte Spielzeugproduzent der Welt. Mehr als die Hälfte der importierten Ware in Deutschland kommt bereits aus dem Reich der Mitte. Doch die Medaille hat auch eine Kehrseite.

Ob nun Plüschspielzeug unter dem Weihnachtsbaum liegt, die ersehnte Puppe oder das neueste Videospiel - die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es chinesische Arbeiter und Arbeiterinnen waren, die in Deutschland für glänzende Kinderaugen sorgen. Denn die Bedeutung Chinas auch für den deutschen Spielwarenmarkt wächst ständig. Längst ist das Land der größte Spielzeugproduzent der Welt, in diesem Jahr werden Spielwaren für rund 1,5 Milliarden Euro von dort nach Deutschland exportiert. Zugleich verliert die deutsche Spielwarenindustrie an Kraft.

"Der Erfolg unserer Branche beruht nicht mehr auf der Produktion in Deutschland", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie (DVSI), Volker Schmid. Der Wert des in Deutschland hergestellten Spielzeugs sank 2003 um knapp ein Prozent auf 1,22 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich um sieben Prozent auf 13 200. Weitere Arbeitsplatzverluste stünden in den nächsten Jahren an, prophezeit der Branchenexperte. "Wir sind kein Land mehr, wo in großem Umfang Spielzeug hergestellt wird."

Dafür hat China seinen führenden Rang in der Importstatistik deutlich ausgebaut. Innerhalb eines Jahres legte das Importvolumen um rund eine halbe Milliarde Euro zu. Mehr als die Hälfte allen importierten Spielzeugs kommt bereits aus China - zu Lasten anderer Länder wie etwa Japan, das erhebliche Teile der Videospiel-Produktion an China verloren hat.

Aufstieg zur Spielwarennation Nummer eins

Der rasante Aufstieg Chinas zur Spielwarennation Nummer eins hängt vor allem mit der nahezu konkurrenzlos billigen Produktion dort zusammen. "Erstmalig werden auch Lieferengpässe aus Süd-China gemeldet", berichtete Geschäftsführer Walter Mackholt vom Spielwaren Groß-und Außenhandel kürzlich in Nürnberg. Als Ursache werde Arbeitskräftemangel angegeben.

Akkordarbeit, 7-Tage-Woche, unbezahlte Überstunden und mangelhafter Arbeitnehmerschutz: Das sind häufig die Bedingungen, unter denen die meisten Plüschtiere und Puppen hergestellt werden. Ein weiterer sensibler Punkt für die Branche sind daher die Produktionsbedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken. Regelmäßig berichteten kirchliche Organisationen in den vergangenen Jahren von skandalösen Zuständen. "'Geiz ist geil' können wir uns in Deutschland nur leisten, weil in China und anderen Billiglohnländern am Lebensnotwendigen gespart wird", mahnte kürzlich der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer. Der Verband der Spielwaren-Industrie sieht mittlerweile allerdings erste Erfolge.

Vor einem Jahr wurde eine Initiative zur Selbstverpflichtung der Mitglieder gestartet. "Nach einem Jahr haben bereits 21 Mitgliedsfirmen mehr als 40 Hersteller vor allem aus China über ein neutrales Institut überprüft", zieht Verbandsgeschäftsführer Schmid Bilanz. Die Mehrzahl dieser Hersteller habe sich dem Zertifizierungsprozess des "International Council of Toy Industries" angeschlossen. "Unsere Mitgliedsfirmen haben sich damit international an die Spitze gestellt", sagt Schmid, der hofft, dass andere Länder dem Beispiel folgen werden.

Skepsis unter Kritikern

Skeptischer wird die Entwicklung von den Kritikern beurteilt. "Es ist Bewegung in die Branche gekommen, doch das Verhalten der Firmen ist sehr unterschiedlich", sagt Uwe Kleinert von der von kirchlichen Verbänden getragenen "Aktion fair spielt". Einige Firmen nähmen die Selbstverpflichtung ernst und seien gesprächsbereit. "Andere verweigern sich." Notwendig ist nach Ansicht der Aktion vor allem die Kennzeichnung der "fair" produzierten Spielwaren mit einem Siegel.

Stephan Maurer/DPA / DPA
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