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Coca-Cola-Jubiläum: Zwischen Mythos und Kritik

Coca-Cola, die weltbekannte braune Brause aus den USA, blickt auf 75 Jahre in Deutschland zurück. Als Anti-Kopfschmerz-Sirup entwickelt, brachte sie den zuckersüßen Geschmack des "American way of life" über den Teich.

"Alle Welt trinkt Coca-Cola", besangen bereits in den 30er Jahren die Comedian Harmonists einen amerikanischen Mythos. Wie Kaugummi, Blue Jeans oder Rock'n'Roll prägte die braune Brause aus den USA das Lebensgefühl ganzer Generationen. Das Erfrischungsgetränk aus Atlanta gilt als Vorreiter der Globalisierung und eine der ersten weltumspannenden Marken. Nach dem amerikanischen "okay" ist Cola wohl der weltweit am besten verstandene Begriff. In mehr als 200 Ländern löschen heute die Menschen ihren Durst mit einer Coke. Vor 75 Jahren wurde die Cola erstmals auf den deutschen Markt gebracht.

Doch die US-Brause ist nicht nur Kult und Mythos vom "American way of life". Ärzte und Ernährungswissenschaftler warnen immer wieder vor dem Genuss des süßen koffeinhaltigen Muntermachers. So berge Cola erhebliche gesundheitliche Risiken. Bei übermäßigen Genuss soll die Limonade Knochenschwund und Diabetes verursachen. Bei Kindern führt die Brause nicht selten zu Übergewicht und Karies.

Was vielen nicht bewusst ist: Allein eine 0,33 Liter Dose Cola enthält 12 Stücke Würfelzucker. In Deutschland verklagte vor zwei Jahren ein zuckerkranker Richter die Hersteller von Limonaden und Süßigkeiten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Der schwergewichtige Jurist aus Mecklenburg-Vorpommern wollte damit auch den Zusammenhang von Cola-Konsum und seiner Krankheit nachweisen.

Unheimlich geheim seit 1886

1886 entwickelte der Apotheker John S. Pemberton in Atlanta einen Sirup gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit, der mit Soda zur Coca-Cola aufgemischt wurde. Die genaue Rezeptur - Cola besteht aus Wasser, Zucker, Kohlensäure, Lebensmittelfarbstoff, Aromen und Koffein - ist wohl weiterhin eines der best gehüteten Firmengeheimnisse. Der Name wurde ursprünglich abgeleitet aus den Zutatenlieferanten Kokablatt (englisch: coca leaves) und Kolanuss (englisch: cola nut).

Am 8. April 1929 wurde in Essen die erste Cola-Flasche in Deutschland abgefüllt, ein Jahr später die Coca-Cola GmbH gegründet. Mittlerweile ist der deutsche Markt für Coca-Cola der fünftgrößte der Welt und der größte Europas. Rund 12 000 Menschen arbeiten für die US-Tochter, das nach eigenen Angaben größte deutsche Getränkeunternehmen. 2003 wurde die Deutschland-Zentrale von Essen nach Berlin verlegt. In der vergangenen Woche feierte Coca-Cola anlässlich der Ausstellung des New Yorker Museums of Modern Art in der Neuen Nationalgalerie in Berlin Jubiläum.

Fanta entstand aus der Rohstoff-Not heraus

Nicht ganz unumstritten war die Rolle Coca-Colas in Deutschland zur Zeit der Nationalsozialisten, als Geschäftsführer Max Keith nicht nur gute Kontakte zu den damaligen Machthabern pflegte, sondern auch 1936 die Berliner Olympiade mit der US-Brause belieferte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Cola-Produktion wegen Rohstoffmangels immer schwieriger und schließlich 1942 ganz eingestellt. Doch Not macht erfinderisch. Auf Molkebasis erfanden die deutschen Cola-Hersteller ein neues Produkt: Fanta, abgeleitet von Fantasie, heute eine Orangenlimonade.

Auch die Flasche ist kultig

Erst vier Jahre nach Kriegsende wurde die deutsche Cola-Produktion wieder aufgenommen. Seit dem Mauerfall 1989 gibt es Cola in ganz Deutschland - so wie es Billy Wilder in seiner Komödie 'Eins, Zwei, Drei' schon fast 40 Jahre zuvor vorausgesehen hatte. In dem Kultfilm mit Horst Buchholz will Cola-Filialleiter McNamara (James Cagney) noch vor dem Mauerbau vom damaligen Westberlin aus die amerikanische Brause im gesamten Ostblock vermarkten.

Der Wert der Marke Coca-Cola wird heute auf stolze 68 Milliarden Dollar geschätzt. Zum Kult wurde auch die klassische kleine Konturflasche mit den legendär weiblichen Formen. Als ihr Vorbild diente eine Tiffany-Vase.

Leichte Zukunftspläne

Coca-Cola will in Deutschland künftig mehr Getränke mit weniger Kalorien anbieten. "Wir reagieren damit auf die veränderten Konsumgewohnheiten", sagte der deutsche Coca-Cola-Chef Götz-Michael-Müller am Dienstag in Berlin. So werde in diesem Jahr ein neues Fanta-Produkt mit weniger Zucker eingeführt, das vor allem für Erwachsene gedacht ist. Außerdem soll das Mineralwasser-Angebot ausgebaut werden. Coca-Cola setzte in Deutschland 2003 wie im Vorjahr rund 3,8 Milliarden Liter Getränke ab. Das US-Unternehmen ist seit 75 Jahren in Deutschland präsent. An 80 Standorten sind hier 12.000 Menschen tätig.

Das Dosenpfand habe sich auch bei Coca-Cola negativ ausgewirkt. Wegen des großen Sortiments von mittlerweile 40 Produkten habe das Unternehmen darauf allerdings flexibel reagieren können. "Mit Plus-Minus-Null im Vergleich zum Vorjahr haben wir uns gut behauptet", sagte Müller. Durch das Dosenpfand seien aber "erhebliche Investitionen" in Flaschen und Kisten nötig gewesen. Zahlen, auch zu Umsatz und Ergebnis, wurden nicht genannt.

Der deutsche Markt sei für Coca-Cola der größte in Europa und der sechstgrößte der Welt. China habe hinsichtlich des Absatzes die Deutschen im vergangenen Jahr überholt. Der Erfolg in Deutschland im europäischen Vergleich sei auf unterschiedliche Gewohnheiten zurückzuführen.

Maren Martell, DPA / DPA