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Deutsche Bahn: Mehdorn muss kräftig sparen

Zu optimistische Konjunkturprognosen und Probleme beim Güterverkehr werden der Deutschen Bahn die Gewinne verhageln. Bahnchef Hartmut Mehdorn wird deshalb auf die Kostenbremse drücken.

"Wir wollen unser Ergebnis im kommenden Jahr um 300 Millionen Euro verbessern", sagte Mehdorn in einem Interview der "Financial Times Deutschland" (FTD). Die Bahn wird nach eigenen Angaben in diesem Jahr ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 200 Millionen Euro erzielen. Für das kommende Jahr hatte die Bahn bislang in ihrer Mittelfristplanung, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, einen Gewinn von rund einer Milliarde Euro erwartet.

Bis 2009 jährlich eine Milliarde Euro ersparen

2006 sollten der angeschlagene Fern- und Schienen-Güterverkehr wieder die Gewinnzone erreichen, sagte Mehdorn der "FTD". "Das bleibt zumindest das Ziel", schränkte er ein. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen plant der Bahnchef ein neues Sparprogramm, mit dem bis 2009 jährlich rund eine Milliarde Euro gewonnen werden solle.

Das Verfehlen der Finanzplanung begründete der Bahnchef dem Blatt zufolge mit zu optimistischen Konjunkturprognosen. "In der nächsten Jahresplanung werden wir das nach unten korrigieren", sagte er.

Im Rahmen des milliardenschweren Spar- und Sanierungsprogramms sollen allein bei Railion Unternehmenskreisen zufolge im Jahr 2005 nahezu 2000 Stellen gestrichen werden. Bis 2009 war von deutlich mehr als 5000 Arbeitsplätzen die Rede. Railion leidet unter einem Preisverfall sowie verstärkter Konkurrenz durch Lastwagen vor allem im Verkehr mit Osteuropa.

Gütersparte Railion erst 2007 wieder mít schwarzen Zahlen

Nach den derzeitigen Bahn-Planungen würden Railion und auch der Personenfernverkehr erst im Gesamtjahr 2007 wieder einen Gewinn ausweisen, hieß es aus Konzernkreisen. Dies schließt nicht aus, dass die beiden Sparten bereits zu einem Punkt im Jahresverlauf 2006 wieder in die schwarzen Zahlen kommen, wie es Mehdorn angedeutet hatte.

Wegen der schlechten Zahlen soll es angeblich zu Spannungen zwischen dem Güterverkehr-Vorstand Bernd Malmström und Mehdorn gekommen sein. Der Vorstandschef lehnt aber personelle Veränderungen in der Geschäftführung ab. "Wir haben einen kompetenten Vorstand. Der sollte, wenn es nach mir ginge, so bleiben, wie er ist", sagte der Bahnchef. In der Kritik steht neben Malmström, Mehdorn selbst auch Fernverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch.

Im Interview mit der "FTD" kündigte Mehdorn an, dass die Deutsche Bahn im kommenden Jahr erstmals die Vorstandsgehälter offen legen will. Auf Druck der rot- grünen Bundesregierung hatten in jüngster Zeit bereits mehrere andere Konzerne angekündigt, die Einkommen ihrer Spitzenverdiener offen zu legen. Die Bahn ist zu 100 Prozent in Bundesbesitz.

Reuters/DPA / DPA / Reuters
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