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Neuer Gesamtbetrieb : Deutsche Post: Angestellte sollen mit Billig-Tochterfirma ausgelagert werden

Bei der Deutschen Post wird es wohl einen entscheidenden Umbruch im Personalwesen geben. Die Angestellten im Bereich Zustellung sollen künftig zusammen mit denen der Billig-Tochterfirma Delivery arbeiten. Die Gewerkschaften kritisieren die Pläne stark und sind besorgt.

Ein Zusteller der Deutschen Post AG

In der Zustellung der Deutschen Post bahnt sich eine radikale Umstrukturierung an 

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Die Deutsche Post plant eine Neustrukturierung des Pesonalwesens im Bereich Zustellung. Wie die "Welt" in der Montagsausgabe berichtet, sollen künftig die Mitarbeiter der hauseigenen Billigfirma Delivery mit den Angestellten der Deutschen Post zusammen arbeiten und die gleichen Räumlichkeiten nutzen. Das hätte offenbar erhebliche Auswirkungen auf das Arbeitsgeschäft der Post. Die Gewerkschaften sehen hinter der Auslagerung das Ziel, Löhne und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, die Tarifverträge sollen somit "ausgehöhlt" werden.
Demnach sollen die nach Haustarifvertrag angestellten Mitarbeiter der Deutschen Post Aktiengesellschaft künftig unmittelbar mit den Kollegen der vor zwei Jahren gegründeten Billig-Tochterfirma Delivery zusammenarbeiten. Nach Informationen der "Welt" soll dies bereits zum 1. Mai umgesetzt werden.

Unter dem Dach von ein und derselben Postniederlassung sollen dann Kollegen mit unterschiedlichen Stundenlöhnen, Wochenarbeitszeiten oder auch Pausenzeiten tätig sein, wie die Zeitung berichtete. Die Gewerkschaften sehen dahinter das Ziel des Managements, Löhne und Arbeitsbedingungen verschlechtern zu wollen. "Wir befürchten, dass das Lohnniveau bei der Post auf Dauer abgesenkt werden soll", sagte die Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM, Christina Dahlhaus, der "Welt". Dies sei ein "Einstieg in die weitere Aushöhlung der Tarifverträge der Deutschen Post AG".

Delivery und Post-Angestellte sollten eigentlich getrennt voneinander arbeiten

Im Jahr 2015 war es dem Management trotz des bislang größten Tarifstreits mit mehr als zwei Monaten Dauerstreik gelungen, die Gründung einer Tochterfirma mit Namen Delivery (übersetzt: Lieferung) durchzusetzen. In dieser Firma arbeiten dem Bericht zufolge mittlerweile rund 10.000 Beschäftigte, sie stellen täglich mehr als eine Million Pakete in Deutschland zu. Doch anders als ihre Kollegen in der Deutschen Post AG werden sie nicht nach dem Haustarif bezahlt, sondern nach den regional unterschiedlichen Bedingungen des Logistik- und Speditionsgewerbes. Im Durchschnitt liegen diese Löhne laut "Welt" um etwa ein Viertel niedriger.

Damals legte das Postmanagement Wert darauf, dass beide Firmen strikt voneinander getrennt arbeiten. Das galt für die Fahrzeuge über die Kleidung bis hin zu den Pausenräumen. Diese Trennung soll dem Bericht zufolge nun beendet werden. In einem vertraulichen Manuskript der Deutschen Post wird darauf hingewiesen, dass die Arbeitsbedingungen unverändert bleiben. "Für die Beschäftigten kommen weiterhin die Tarifverträge der Deutschen Post AG beziehungsweise Spedition-Logistik zur Anwendung", zitiert die "Welt" aus dem inoffiziellen Papier.

fk / AFP