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Vor allem Kinder betroffen: Schere zwischen armen und reichen Familien in Deutschland geht weiter auseinander

Die Kluft zwischen armen und reichen Familien in Deutschland ist in den vergangenen Jahren noch tiefer geworden - und Leidtragende sind vor allem die Kinder. Das zeigt eine neue Studie.

Ein Kind sitzt vor ein paar Stapeln Geldmünzen

Ein Kind sitzt vor ein paar Stapeln Geldmünzen

DPA

Die Schere zwischen armen und reichen Familien in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren weiter auseinandergegangen. Arme Familien haben inzwischen preisbereinigt noch weniger Geld für ihre Kinder zur Verfügung als vor zehn Jahren, während sich reiche Familien immer mehr für ihren Nachwuchs leisten können. Dies geht aus einer Studie des Paritätischen Gesamtverbandes hervor.

Die ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte könnten lediglich 364 Euro im Monat für ihr Kind ausgeben, heißt es in der Studie, die der Nachrichtenagentur AFP vorab vorlag. Die reichsten zehn Prozent der Familien hätten hingegen im Schnitt 1200 Euro pro Monat für ihr Kind zur Verfügung. Der durchschnittliche Betrag aller Familien liege bei 600 Euro.

Noch größer fällt der Unterschied bei Ausgaben für die soziale Teilhabe aus - also etwa für Zoo-Besuche, ein Eis bei einem Ausflug, Spielzeug, Besuche im Kindertheater oder andere Freizeit- und Kulturaktivitäten. Für solche Ausgaben habe das ärmste Zehntel der Familien nur 44 Euro pro Monat zur Verfügung - dies seien preisbereinigt fast 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren.

Autoren der Studie alarmiert 

Das reichste Zehntel hat dafür rund 257 Euro zur Verfügung – fast sechs Mal so viel, wie das ärmste Zehntel. Dies waren preisbereinigt knapp 15 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die Schere geht also auseinander. Im Durchschnitt gaben Familien für solche Teilhabeaktivitäten 123 Euro im Monat für ihr Kind aus.

Die Autoren der Studie zeigten sich alarmiert darüber, dass die Kinder aus den ärmsten zehn Prozent der Familien immer weiter zurückfielen. "Offenkundig herrschen in diesen Haushalten Mangel und Entbehrung", schreiben sie. "Ein gleichberechtigtes Aufwachsen ist für die Kinder in den einkommensarmen Haushalten nicht möglich, Einschränkungen sind programmiert." Damit seien auch die Entwicklungsperspektiven der Kinder beeinträchtigt.

Die Studienautoren forderten daher mehr Sozialleistungen für Kinder aus ärmeren Familien. Die bisherigen Leistungen seien "im Ergebnis nicht bedarfsdeckend, um Armut und soziale Ausgrenzung zu vermeiden". Manche Leistungen, wie etwa der steuerliche Kinderfreibetrag, würden die Spaltung noch vertiefen, weil sie Besser- und Spitzenverdiener besser entlasteten als den Durchschnitt.

Fanny H. 

Kinder und Jugendliche überdurchschnittlich von Armut betroffen

Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern seien außerdem überdurchschnittlich stark von Armut betroffen. Insgesamt 22,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren seien arm. Besonders betroffen seien Alleinerziehende oder Familien mit drei oder mehr Kindern.

Für die Studie gingen die Wissenschaftler insbesondere den Fragen nach, wie die Konsummöglichkeiten von Familien aussehen, ob ausreichend Geld zur Verfügung steht und wie viel Geld die Eltern im Schnitt für ihre Kinder ausgeben. Sie werteten dafür Daten des Statistischen Bundesamts aus, in denen etwa 13,8 Millionen Kinder in 6,8 Millionen Haushalten erfasst sind.

Der Studie zufolge waren bei einem Paar mit einem Kind durchschnittlich 21,5 Prozent aller Konsumausgaben für das Kind vorgesehen. Bei zwei Kindern stieg der Anteil auf 32,7 Prozent, bei drei Kindern auf 41,8 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind galten 35,1 Prozent der Konsumausgaben dem Kind, bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern waren es 45,3 Prozent.

rw / AFP