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Einkommen: Krankenkassen-Vorstände verdienen bis zu 221 000 Euro

Vorstandsvorsitzende großer gesetzlicher Krankenkassen verdienen bis zu 221 000 Euro brutto im Jahr. Patientenverbands-Präsident Christian Zimmermann schlägt dagegen 5000 Euro Grundgehalt vor.

Vorstandsvorsitzende großer gesetzlicher Krankenkassen verdienen bis zu 221 000 Euro brutto im Jahr. Das geht aus freiwilligen Auskünften der Kassen vom Freitag hervor. Bei den kleineren Kassen liegen die Gehälter deutlich darunter. Die Vorstandsmitglieder von rund 290 gesetzlichen Kassen müssen ihre Bezüge nach dem Gesetz zur Gesundheitsreform von Mitte kommender Woche an im Bundesanzeiger veröffentlichen. Der Allgemeinen Patienten-Verband kritisierte die Höhe der Bezüge. Eine AOK-Chefin beklagte die Offenlegungspflicht.

DPA

Nach Auskunft der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) verdient ihr Vorstandschef Hansjoachim Fruschki 221 000 Euro, Aufwandsentschädigungen inklusive. Seine beiden Stellvertreter erhalten ein Brutto-Gehalt von je 210 000 Euro. Bei der Techniker Krankenkasse erhält der Vorstandsvorsitzende Norbert Klusen 216 730 Euro im Jahr, seine Stellvertreter verdienen 198 835 Euro sowie 170 000 Euro. Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, Ingo Kailuweit, bekommt in diesem Jahr 183 300 Euro, teilte die Kasse auf Anfrage in Hannover mit.

Die drei Vorstandsmitglieder des Branchenführers Barmer Ersatzkasse erhalten nach Informationen der "Bild"-Zeitung je 185 000 Euro im Jahr. Erst mit Abstand folgt der Chef der Gmünder Ersatzkasse, Dieter Hebel. Die Kasse zahlt ihrem Vorstand 165 184 Euro im Jahr. Sein Stellvertreter erhält rund 155 000 Euro. Auch der Vorstandschef der Securvita BKK, Elis Huber, legte sein Gehalt offen: Er verdiente im vergangenen Jahr 104 814 Euro.

5000 Euro Grundgehalt

Patientenverbands-Präsident Christian Zimmermann sagte dem Kölner "Express" (Samstag): "Die gesetzlichen Krankenkassen sind nach dem Solidaritätsprinzip aufgebaut. Das sollten auch die Vorstände beherzigen. Statt sich üppige Gehälter, Luxus-Dienstwagen und großzügige Altersversorgung zu genehmigen, sollten sie ihre Vergütung auf den Höchstsatz des Bundesangestelltentarifs (BAT) beschränken." Bei 5000 Euro Grundgehalt monatlich plus Zulagen würden die Kassenchefs auch nicht am Hungertuch nagen, sagte Zimmermann.

Schon im vorigen Jahr war Kritik an den Bezügen von Kassenvorständen laut geworden. Das Bundesversicherungsamt hatte damals jedoch gesagt, bei einer Überprüfung von rund 120 Kassen seien nur bei neun überhöhte Chef-Bezüge festgestellt worden.

Die Vorstandsvorsitzende der AOK Niedersachsen, Christine Lüer (Jahresgrundgehalt 180 000 Euro), sagte zu der Offenlegungspflicht: "Ich halte das für nicht in Ordnung." Sie manage ein Riesenunternehmen und halte ihr Gehalt im Vergleich zu den Einkommen in der freien Wirtschaft für "lächerlich".

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