Frankreich Millionenstrafe für Vivendi und Messier

Die Börsenaufsicht in Paris hat den französische Mischkonzern Vivendi und dessen früheren Chef, Jean-Marie Messier, zur Zahlung von je einer Million Euro Strafgeld verurteilt. Die Pariser Justiz ermittelt unter anderem wegen Kursmanipulation.

Messier habe zwischen Oktober 2000 und April 2002 die Öffentlichkeit und die Investoren über die Zahlungsschwierigkeiten des von ihm geschaffenen Medienimperiums getäuscht, hieß es zum Abschluss einer 15-monatigen AMF-Untersuchung. Messier habe absichtlich falsche Informationen über die Schuldenentwicklung des Unternehmens veröffentlicht. Die Pariser Justiz ermittelt gegen Messier wegen Kursmanipulationen, die Verbreitung falscher Informationen und Unterschlagung. Messiers Anwalt bezeichnete die Entscheidung als überzogen und kündigte Widerspruch an. Der Konzern erklärte, es werde die Entscheidung prüfen. Wirklich trefen dürfte Messier die Strafzahlung aber nicht - immerhin wurde ihm sein Abgang mit satten 18 Millionen Euro Abfindung versüßt.

Führungsgremium neu strukturiert

Messier hatte den ehemaligen Wasserver- und Entsorger Vivendi zu einem der weltweit größten Medien- und Unterhaltungskonzerne ausgebaut und dabei Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Er war im Juli 2002 entlassen worden. Während die AMF ihre Entscheidung verkündete, gab das Unternehmen eine Aufspaltung seines Führungsgremiums bekannt. Künftig werde es einen von Jean-Rene Fourtou geführten Aufsichtsrat und einen von bisherigen COO Jean-Bernard Levy geführten Vorstand geben.

Nach zweijährigen Sanierungsarbeiten verlässt Vivendi Universal-Chef Jean-René Fourtou zum April nächsten Jahres seinen Posten. Der Verwaltungsrat von Vivendi Universal (VU) hat am Dienstag in Paris dieser Entscheidung zugestimmt, hieß es nach Angaben des Unternehmens. Als Nachfolger ist Fourtous bisheriger Stellvertreter Jean-Bernard Lévy vorgesehen. Der 64 Jahre alte Fourtou soll Vorsitzender des Aufsichtsrates werden.

Vivendi schreibt wieder schwarze Zahlen

Fourtou hatte im Juli 2002 nach der Entlassung von Jean-Marie Messier die Führung des Medienkonzerns übernommen, nachdem dieser mit übermäßigen Firmenkäufen das Unternehmen in eine tiefe Schuldenkrise gestürzt hatte. Mit einer strikten Sparpolitik und Verkäufen zahlreicher Beteiligungen im Musik- und Filmbereich war es Fourtou gelungen, den Konzern auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Im November hatte VU einen Reingewinn von 776 Millionen Euro für das dritte Quartal 2004 bekannt gegeben, im Vergleich zu 131 Millionen im Vorjahreszeitraum. Gewinn bringend sind dabei in erster Linie die Mobiltelefonnetze. (DPA/Reuters)

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