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Aktien im Aufwärtstrend: Nur nicht hetzen lassen

An der Börse herrscht wieder Optimismus. Doch ob der Aufwärtstrend der Aktienkurse stabil ist, wird sich zeigen. Langfristig orientierte Anleger sind gut beraten noch abzuwarten.

Von Thomas Strohm

Die Börse startet so gut ins Jahr wie lange nicht - und die Privatanleger stehen abseits, wie eine repräsentative Studie der DZ Bank belegt. Sie misstrauen der Rally und fürchten, dass die Kurse wieder abstürzen könnten. Ein bisschen Zurückhaltung schadet aber auch gar nicht, wenn man Caspar von Zitzewitz fragt: "Wir laufen auf eine große Entscheidung zu", sagt der Partner der Wiesbadener Vermögensverwaltung Trendconcept: "In ein bis zwei Monaten wird sich zeigen, wohin die Reise geht." Und das hängt nach seiner Ansicht letztlich kaum von der Entwicklung in Griechenland ab. "Die Euro-Staatsschuldenkrise wird uns noch einige Jahre begleiten", sagt von Zitzewitz.

Kommt es in den nächsten rund acht Wochen lediglich zu einer kurzen Konsolidierung und Einbußen der Leitindizes von circa fünf Prozent, gebe es Aufwärtspotenzial bei Aktien. Und dann sei auch für vorsichtigere Anleger der passende Zeitpunkt gekommen, um richtig einzusteigen, sagt von Zitzewitz.

Die Philosophie des Vermögensverwalters klingt einfach: große Teile des Aufwärtstrends mitnehmen, jedoch nicht unbedingt versuchen, zum niedrigsten Kurs zu kaufen. Vielmehr soll sich bereits ein stabiler Trend entwickelt haben.

"Nicht nur ein Zucken im Abwärtstrend"

Karsten Tripp, Anlagestratege von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf, hat den Schalter ebenfalls noch nicht umgelegt und setzt derzeit eher auf sichere Anleihen statt auf riskantere Aktien. Probleme wie die Staatsschuldenkrise würden früher oder später wieder für Unsicherheit sorgen - und für Druck auf die Aktienkurse. "Ist die wirtschaftliche Großwetterlage dann noch so wie zurzeit, werden wir Käufe ernsthaft in Betracht ziehen", sagt Tripp.

Gerade wegen der konjunkturellen Aussichten, die sich überraschend schnell zum Positiven gewandelt hätten, gibt sich Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon in Hannover, bereits forscher: "Wir gehen nicht davon aus, dass es sich nur um ein Zucken im Abwärtstrend handelt, sondern um eine Trendwende."

Der Rückenwind für die Finanzmärkte dürfte noch eine Weile erhalten bleiben, sagt Preißler: "Für risikobehaftete Assets wie Aktien, Rohstoffe und Unternehmensanleihen lässt das gute Rahmenbedingungen erwarten." Die Kurstrends zeigen also aufwärts - allerdings unter starken Schwankungen, wie Preißler hervorhebt.

Privatanleger, die erst einsteigen, wenn sich der Trend gefestigt hat, haben zwar die Jahresanfangsrally verpasst. Für den langfristig orientierten Sparer ist das jedoch sowieso nicht entscheidend. Für ihn ist es wesentlich wichtiger, den erfahrungsgemäß unweigerlich kommenden nächsten großen Kursabschwung zu vermeiden - und auszusteigen, bevor der Trend an den Börsen sich wieder dreht.

Bei Niedrigstkursen nicht verunsichern lassen

"Rechtzeitig raus" lautet auch die Devise bei Trendconcept. "Wir kaufen im längerfristigen Trendverlauf relativ kurz nach dem Passieren des Tiefpunkts", sagt von Zitzewitz: "Und wir verkaufen, wenn der Aufwärtstrend über etwa sechs Monate bis zu einigen Jahren gelaufen ist, relativ kurz nach den Höchstkursen, sobald wir einen mathematisch objektiven Bruch des Aufwärtstrends identifiziert haben." Viele Anleger machen nach seiner Beobachtung genau das Gegenteil: Sie steigen ein, wenn die Kurse schon viel zu hoch sind - und sie halten viel zu lange an ihren Investments fest, auch wenn es längst wieder abwärtsgeht. "Erst bei Niedrigstkursen geraten sie in Panik und verkaufen doch noch schnell", so von Zitzewitz.

Um aber einen Verlust von 50 Prozent wieder aufzuholen, müssen die Kurse 100 Prozent steigen. "Das ist simple Prozentrechnung - aber die beherrschen viel zu wenige Anleger wirklich", sagt der Vermögensverwalter und mahnt: "Wer langfristig Gewinn machen will, darf nicht substanziell verlieren." Es gelte deshalb, unbedingt die großen Fehler zu vermeiden. Und wohin die Reise gehe, zeige der Markt selbst an, so von Zitzewitz.

Nicht zu waghalsig agieren

Wer das beherzigt, kann auch erst einmal abwarten und muss nicht zu waghalsig agieren, wenn es so aussieht, als würden die Kurse wieder auf breiter Front zulegen. Auf ein paar Prozentpunkte Zuwachs können solche Anleger getrost verzichten. Der Vermögensstand, von dem aus es aufwärtsgeht, ist ja bei Weitem nicht so stark geschrumpft.

Die Privatanleger sind allerdings nicht die Einzigen, die derzeit trotz der Rally noch vorsichtig sind. Unter den von der Beratungsfirma Cognitrend zum weiteren Verlauf des DAX befragten Fondsmanagern dominieren momentan klar die Pessimisten: "Sich an die Rally gewöhnen und mit dem Strom schwimmen wollen sie nicht", sagt Analyst Gianni Hirschmüller. Noch nicht.

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