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Aktionärsstreit: "Wildwest-Methoden" bei Wella

Nach der Übernahme von Wella durch den US-Konzern Procter & Gamble kocht der Zorn der Kleinaktionäre. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung klagten sie über "Wildwest-Methoden", zu niedrige Preise und eine potenzielle Ausweidung von Wella.

Auf einer teils turbulenten Hauptversammlung hat Wella-Vorstandschef Heiner Gürtler die umstrittene Übernahme des Haarpflegespezialisten durch den US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble energisch verteidigt. Wella habe in Kooperation mit P&G die Chance, Weltmarktführer im Bereich prestigeträchtiger Friseur-, Duft- und Kosmetikprodukte zu werden, sagte er am Dienstag in Frankfurt am Main. Kritiker warfen dem US-Konzern vor, Wella zerschlagen und ausschlachten zu wollen. Dabei sei ihnen der Wella-Vorstandschef behilflich.

Unabhängige Überprüfung verlangt

Paul Polman, Westeuropachef von P&G, kündigte an, sein Unternehmen werde als Mehrheitsaktionär gegen alle Anträge der Minderheit stimmen. Die Minderheitsaktionäre, auf deren Druck die außerordentliche Hauptversammlung zu Stande gekommen war, hatten gefordert Gürtler das Vertrauen zu entziehen.

Zudem verlangten sie eine unabhängige Überprüfung der Übernahme und der aktuellen Situation von Wella. Außerdem sei ein Beherrschungsvertrag nötig, um die Einflussnahme des US-Konzerns auf Wella zu legitimieren. Der würde allerdings auch zu höheren Preisen für die Aktien führen. P&G besitzt seit dem vergangenen Jahr rund 98,3 Prozent der stimmberechtigten Wella-Stammaktien sowie rund 43 Prozent der Vorzugsaktien.

Kleinaktionäre: Wella nur noch als P&G-Abteilung?

Reinhild Keitel, Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, sagte, es gebe den Verdacht, dass Wella in Zukunft nur noch als Abteilung von Procter & Gamble geführt werden solle. Matthias Schröder von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz warf dem US-Konzern "Wildwest-Methoden" vor. Besonders scharf wurde von Aktionärsvertretern der in der vergangenen Woche abgeschlossene Lizenzvertrag zwischen P&G und Wella kritisiert. Mit dem Lizenzvertrag erhält der US-Konzern das Recht zur weltweiten Vermarktung aller Wella-Haarpflegeprodukte für Endverbraucher.

Angst vor einer "Ausweidung von Wella"

Der Lizenzvertrag sei "nur der erste Schritt hin zu einer Ausweidung von Wella", sagte Josef Broich als Sprecher eines Konsortiums mehrerer Investmentfonds. Es sei zu befürchten, dass sich P& G die geheimen Forschungsergebnisse und Produktrezepte von Wella aneigne: "Es ist evident, dass hier Milliardenwerte auf dem Spiel stehen."

Gürtler wies auf der Hauptversammlung die Kritik in allen Punkten zurück. "Man muss sich der Realität stellen und Chancen nutzen", sagte der Vorstandschef. Der Lizenzvertrag bringe dem Darmstädter Unternehmen stabile Erträge, führe zu einer Auslastung der Produktion sowie zu einer Weiterführung der Forschung und Entwicklung von Wella. Die Ausführungen des Wella-Chefs wurden immer wieder von lautstarken Protesten und Zwischenrufen unterbrochen. Aufsichtsratschef Gerhard Wirth musste einzelnen Aktionären androhen, sie des Saales zu verweisen.

Hintergrund: Streit um die Preise für Vorzugsaktien

Hintergrund des Streits ist der bei der Übernahme von Procter & Gamble gebotene Preis für Vorzugsaktien von 65 Euro. Dieser Preis wurde am Dienstag erneut von Aktionärsvertretern als zu niedrig bezeichnet. Procter-Manager Polman sprach dagegen von einem fairen Angebot. Der Westeuropachef warf den Kritikern vor, sie wollten lediglich einen höheren Preis durchzusetzen. Die Minderheitsaktionäre hätten dagegen kein Interesse am Gedeihen von Wella.

AP / AP