HOME

Billigflieger: Ryanair hält den Kurs

Der irische Ryanair hat trotz rasant gestiegener Treibstoff-Kosten seinen Gewinn im vergangenen Quartal um 14,9 Prozent gesteigert. Wegen des hohen Ölpreises erwartet Billigflieger-Chef O'Leary nun ein "Blutbad" bei der Konkurrenz.

Der irische Billigflieger Ryanair steuert unverändert auf Kurs und will trotz der hohen Ölpreise keine Spritzuschläge verlangen. Die Ticketpreise würden eher weiter sinken, teilte das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mit. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs 2004/2005 (31. März) stieg der Umsatz um 21 Prozent auf 721 Millionen Euro und der Gewinn um 15 Prozent auf 201 Millionen Euro. Die Zahl der Passagiere legte ebenfalls zweistellig auf 14,0 Millionen (plus 24 Prozent) zu. Für das Gesamtjahr werden nach wie vor 27,5 Millionen Passagiere angepeilt.

Zweite Basis in Deutschland wackelt

Der Flughafen im rheinland-pfälzischen Hahn soll ab März mit einer sechsten Maschine ausgestattet werden. Das Potenzial reiche noch bis zu zehn Flugzeugen, betonte eine Sprecherin. Hahn ist dann nach Stansted bei London und Dublin das drittgrößte Ryanair-Drehkreuz. Zur Frage einer zweiten Basis in Deutschland, über die ursprünglich Ende des Jahres entschieden werden sollte, äußert sich das Unternehmen inzwischen etwas zurückhaltender. "Wir werden in den nächsten Monaten mindestens eine neue Basis in Europa ankündigen", sagte eine Sprecherin. Mit den neuen Strecken ab Deutschland sei man aber zufrieden.

Mit Hinweis auf die hohen Kerosin-Preise beurteilte Firmenchef Michael O’Leary die weitere Geschäftsentwicklung bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Dublin zurückhaltend. Noch härter werde der Preisanstieg allerdings die Konkurrenz treffen, sagte O'Leary: "Das von uns vorausgesagte Blutbad und die Opfer bei den Fluglinien dürften von den Rekordölpreisen und dem irrationalen Wettbewerb beschleunigt werden." Gegen steigende Ölpreise ist Ryanair seit diesem Monat nicht mehr abgesichert. Allerdings will man auf Kerosin-Zuschläge wie bei einigen Konkurrenten verzichten und stattdessen weiter aggressive Preise anbieten. Mittelfristig rechnet das Unternehmen mit wieder nachlassenden Ölpreisen.

24 Prozent mehr Passagiere

Der Nettogewinn in dem am 30. September beendeten Quartal stieg den Angaben zufolge auf 147,6 Millionen Euro im Vergleich zu 128,4 Millionen Euro im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich um 15,2 Prozent auf 19,31 Cent. Der Umsatz legte um 19 Prozent auf 418,3 Millionen Euro zu. Die Treibstoffkosten schnellten im zweiten Quartal um knapp 42 Prozent auf 61,9 Millionen Euro. Die Passagierzahl stieg im gleichen Zeitraum um 24 Prozent auf 14 Millionen. "Diese Rekordzahlen bei Verkehr und Gewinn zeigen, wie robust das Billigflugmodell von Ryanair auch in einem sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ist", sagte O’Leary.

Die Fluggesellschaft hat im Sommer neue Stützpunkte in Barcelona und Rom eröffnet und ihr Streckennetz um 41 Routen erweitert. Insgesamt umfasst es nun 189 Routen in 17 Länder . Angeflogen werden 91 Flughäfen in ganz Europa. Das Unternehmen beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter. (AP, DPA)