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Börse: AOL fährt fast 100 Mrd. Dollar Verlust ein

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat im Jahr 2002 mit fast 100 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der Unternehmens-Geschichte der USA ausgewiesen.

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner hat im Jahr 2002 nach hohen Firmenwertabschreibungen für die angeschlagene Online-Tochter mit fast 100 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der Unternehmens-Geschichte der USA ausgewiesen.

Vizepräsident Ted Turner wirft das Handtuch

Nach Firmenwert-Abschreibungen von 45,5 Milliarden Dollar im Schlussquartal 2002 bezifferte der Konzern am Mittwoch in New York für das Gesamtjahr den Nettoverlust mit 98,7 Milliarden Dollar. Zugleich kündigte Medienmogul Ted Turner (64) an, dass er den Posten des Vice-Chairman niederlegen werde. Turner besitzt 3,4 Prozent der Aktien des Medienkonzerns.

Allein im vierten Quartal sei vor allem wegen der Abschreibungen auf den Firmenwert von America Online ein Nettoverlust von 44,9 Milliarden Dollar oder 10,04 Dollar je Aktie entstanden, teilte das Unternehmen mit. Im Vergleichsquartal des Vorjahres hatte AOL Time Warner einen Nettoverlust von 1,8 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Anteilschein ausgewiesen.

Der Umsatz habe im Quartal hingegen um acht Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar zugenommen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) sei um 16 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar gewachsen. Analysten hatten das Ebitda im Durchschnitt mit 2,6 Milliarden Dollar vorausgesagt. Der Konzern versicherte, dass die Liquidität oder Kreditverpflichtungen durch die hohen Abschreibungen nicht gefährdet seien. Die Kreditlinien seien neu verhandelt worden. Analyst Hat Vogel von Vogel Capital Management sah allerdings durch die immensen Verluste die Kreditwürdigkeit des Unternehmens betroffen.

Rückgang der Werbeausgaben und schwaches Wachstum als Gründe

Das durch Produktionen wie „Herr der Ringe“ gestärkte Film- und Unterhaltungsgeschäft habe die Schwäche bei der Online-Sparte ausgleichen können, erklärte das Unternehmen. America Online leide unter dem drastischen Rückgang der Werbeausgaben und dem schwachen Wachstum der Kundenzahlen.

Das Quartal schließt ein turbulentes Jahr ab. Rund zwei Jahre nachdem AOL den Medien- und Filmkonzern Time Warner für 106,2 Milliarden Dollar übernommen hatte, haben die Medien-Veteranen von Time Warner das Ruder des Konzerns übernommen. Dagegen wurden die Schlüsselfiguren der Übernahme auf Druck der Investoren, die die Fusion als Fehler kritisierten, aus dem Unternehmen herausgedrängt.

Für das Jahr 2003 erwartet AOL Time Warner ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dagegen dürfte das Ebitda im wesentlichen unverändert bleiben oder um niedrige einstellige Raten niedriger ausfallen, hieß es.

Schon vor der Vorstellung des Quartalsberichts hatte AOL Time Warner mitgeteilt, den Anteil von 8,4 Prozent am Satellitenbetreiber Hughes Electronics im Rahmen der Entschuldungsbemühungen des Konzerns verkauft zu haben. Der Erlös wurde mit rund 800 Millionen Dollar beziffert. Finanzielle Einzelheiten dazu wurden nicht genannt. AOL Time Warner kündigte dabei an, bis Ende 2004 seine Gesamtverschuldung auf rund 20 Milliarden Dollar von derzeit 25,8 Milliarden Dollar zurückzufahren.

AOL-Aktien fielen im nachbörslichen Instinet-Handel auf 12,58 von 13,96 Dollar bei Handelsschluss der Wall Street.