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Bonuskarten: Handel geizt bei Rabattpunkten

Das Sammeln von Rabattpunkten bringt weniger ein als gedacht: Wer sich von Kundenkarten anlocken lässt, bekommt heute oft weit geringere Preisnachlässe als noch vor zwei Jahren.

Nach Angaben der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf könnten Bonussysteme Kunden davon abhalten, zu handeln und so einen womöglich deutlich höheren Rabatt zu erzielen. Auch der Preisvergleich bringe häufig mehr.

Payback und HappyDigits wiesen Kritik zurück

Payback und HappyDigits, die insgesamt fast 50 Millionen Karten ausgegeben haben, wiesen diese Kritik zurück. Mit Gutscheinen und Sonderaktionen werde mehr Geld denn je an die Kunden ausgeschüttet. Zusätzlich zu den so genannten Basispunkten seien vergangenes Jahr bei Payback insgesamt 470 Millionen Euro ausgeschüttet worden, sagte die Sprecherin Nina Purtscher in München. Es gehe schon lange nicht mehr allein um den Basis-Kartenrabatt. So habe es vergangenen Woche eine Großaktion mit 5-fachen Punkten gegeben.

Auch die Betreiberfirma des HappyDigits-Systems, CAP, verwies auf zahlreiche Gutscheinaktionen der Handelspartner. Einzelne Coupons brächten bis zu 30 Prozent Preisnachlass für bestimmte Waren in einem Aktionszeitraum, erläuterte Sprecherin Daniela Dura in Köln. Daneben gebe es Angebote wie eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr. Die Darstellung, Kunden bekämen für ihren Einkauf immer weniger Punkte, stimme bei HappyDigits nicht. Nur die Telekom habe ihren Rabatt für analoge Telefonanschlüsse seit August von 1 auf 0,5 Prozent gesenkt.

Früher gab's mehr Punkte

Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucher-Zentrale NRW, sieht das anders. Beim Vorläufer von HappyDigits, der Karstadtkundenkarte, hätten die Kunden vor zwei Jahren noch drei Prozent Rabatt bekommen. Heute sei es nur ein Prozent oder weniger. "Die niedrigen Rabatte allein zahlen sich oft nicht aus." Auch bei Partnern von Payback werde jetzt weniger geboten: Kaufhof, Sportarena und Apollo-Optik hätten vor zwei Jahren noch zwei bis drei Prozent Rabatt eingeräumt. Sie begnügten sich gegenwärtig mit gerade mal einem Prozent.

Andere Partnerunternehmen wie die Ufa-Kinos, FTI-Touristik und der Wäschehersteller Palmers hätten sich inzwischen ganz von dem Payback- Bonussystem verabschiedet, ergänzte Schröder. Die Betreiber wiesen dagegen darauf, dass neue Partner hinzukommen. Hinter der Betreiberfirma von Payback stehen die Lufthansa und Deutschlands größter Handelskonzern, METRO. Die Betreiberfirma von HappyDigits wird von KarstadtQuelle und der Deutschen Telekom getragen. Partner der Systeme sind dementsprechend auch viele Töchter der Konzerne.

In fast jeder vierten Brieftasche

Payback hat nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 26 Millionen Karten im Umlauf, bei HappyDigits sind des nach Betreiberangaben rund 21 Millionen. Damit sind diese beiden großen Kundenkarten in mindestens jeder vierten Brieftasche der Bundesbürger vorhanden. Daneben haben zahlreiche Handelskonzerne eigene Kundenkarten herausgegeben. Dabei geht es um Rabattpunkte, Gutscheine oder um Gewinnspiele. Die Karten sind für Einzelhändler ein Mittel, um Kunden an sich zu binden. (dpa)

DPA