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Spendenskandal: Großspender droht Unicef mit Ausstieg

Noch mehr schlechte Nachrichten für Unicef: Nun droht auch das Unternehmen Payback damit, dem Kinderhilfswerk den Geldhahn zuzudrehen. Mit zwei Millionen Euro ist das Rabattpunke-Unternehmen ein bedeutender Spender. Aber: Unicef kann den Spendenverlust noch abwenden.

Nach dem Ausstieg von mehreren Tausend Dauerspendern droht dem Kinderhilfswerk Unicef auch der Absprung von Großsponsoren. So forderte das Rabattpunkte-Unternehmen Payback angesichts der Vorwürfe über die Verschwendung von Spendengeldern personelle Konsequenzen. Sollte dies nicht geschehen, werde das Unternehmen künftig sein Geld anderen Organisationen spenden, kündigte Payback-Geschäftsführer Alexander Rittweger.

Eigenen Angaben zufolge hat Payback in den vergangenen acht Jahren mehr als zwei Millionen Euro für Unicef gesammelt. Mittlerweile riefen jedoch beunruhigte Kunden in den Call Centern an und verlangten ihre gespendeten Punkte zurück. Geschäftsführer Rittweger betonte, Payback gehe zwar nicht davon aus, dass bei Unicef Spendengelder veruntreut oder verschwendet worden seien. Jedoch sei man "in großer Sorge" über die mangelnde Fähigkeit im Hause Unicef, "durch eindeutige Worte und Taten Schaden vom bisher untadeligen Unicef-Image abzuwenden". Man hoffe nun, dass Unicef den Ernst der Lage erkenne und rasch die richtigen - auch personellen - Konsequenzen ziehe.

"Es geht auch deutlich preiswerter"

In die Debatte um Unicef Deutschland hat sich auch das katholische Hilfswerk Adveniat mit scharfen Vorwürfen eingeschaltet. "Es geht auch deutlich preiswerter", sagte der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Adveniat-Mitarbeiter Christian Frevel mit Blick auf die Verwaltungskosten. Während Unicef 18 Prozent der Spenden dafür einsetze, seien es bei Adveniat 6,2 Prozent. Zudem zahle Adveniat keinerlei Provisionen an Spendenwerber.

Frevel bemängelte außerdem, dass das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) sein Spendensiegel unterschiedslos vergebe, obwohl es beim Haushaltsgebaren intern drei Stufen kenne. Diese reichten von "sparsam" (bis 10 Prozent Verwaltungs- und Werbungskostenanteil) über "angemessen" (bis 20 Prozent) bis hin zu "satzungsgemäß" (bis 30 Prozent). "Das heißt, eine Organisation kann von jedem Spendeneuro 30 Cent für Verwaltung und Werbung ausgeben und erhält trotzdem das scheinbar gleiche Siegel wie wir, die wir nur sechs Cent verbrauchen. Das muss transparenter werden", forderte Frevel.

Seriös, aber nicht transparent genug

Das DZI, das die Zuverlässigkeit von Hilfsorganisationen prüft und dafür das Spendensiegel vergibt, bescheinigte Unicef indes Seriosität, forderte aber mehr Transparenz. Der Geschäftsführer des Prüfinstituts, Burkhard Wilke, forderte, Unicef müsse einen "noch aussagekräftigeren Jahresbericht" vorlegen und seine "Führungsstrukturen überdenken". Das Hilfswerk stehe auch deshalb so schlecht da, weil es in der Öffentlichkeit viel Halbwissen gebe. "Die Organisationen müssen sich mehr erklären", riet er.

Die zurückgetretene Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis, legte dem Vorstand personelle Konsequenzen nahe. "Jetzt sollte sich jedes Vorstandsmitglied fragen, ob es auch persönliche Konsequenzen zieht", sagte sie. Dem Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs warf sie Sorglosigkeit, Unbekümmertheit, Großzügigkeit und Schlamperei vor.

Bis zu 10.000 Dauerspender abgesprungen

Der Hamburger Reeder und Initiator der Unicef-Projekts "Schulen für Afrika", Peter Krämer, ist nach eigenen Worten entsetzt über die Krise beim Kinderhilfswerk: "Ich erwarte, dass sich Geschäftsführer Dietrich Garlichs und der Vorsitzende Reinhard Schlagintweit für die Schlampereien bei Unicef glaubhaft entschuldigen", sagte Krämer. Eine Unicef-Sprecherin hatte am Mittwoch bestätigt, dass inzwischen bis zu 10.000 von 200.000 Dauerspendern bei Unicef abgesprungen sind.

Unicef und vor allem Garlichs war vorgeworfen worden, hoch dotierte Beraterverträge für pensionierte Mitarbeiter, fragwürdige Provisionen für Spendenvermittler sowie einen teuren Umbau der Kölner Zentrale aus Spendengeldern finanziert zu haben.

Reuters/ AP/ DPA / AP / DPA / Reuters