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Deutsche Bahn: Börsenpläne auf dem Abstellgleis

Im Fahrplan von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat es zuletzt nur einen wirklich wichtigen Termin gegeben, den Börsengang 2006 der nach eigenen Worten "besten Bahn, wenn nicht gar der Welt". Dieser Zug ist nun erst einmal abgefahren.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bahn, Michael Frenzel, habe sich im Einvernehmen mit dem Eigentümer Bund und mit dem Vorstand der Bahn darüber verständigt, den ursprünglich vorgesehenen Zeitplan für den Börsengang der Bahn "neu zu definieren", hieß es am Mittwoch in einer knappen Mitteilung der Bahn. Die Bundesregierung wollte eigentlich ihre Entscheidung im Frühjahr 2005 treffen.

Der anvisierte Termin für einen Gang auf das Parkett noch vor der Sommerpause 2006 erscheine angesichts der Rahmenbedingungen nicht realistisch. Aufgehoben seien die Pläne indes keineswegs, betonte der Konzern. Es werde an dem Ziel festgehalten, die Bahn für die Börse aufzupolieren. Was dafür nötig oder eben nicht nötig ist, hatte zuletzt für einige Auseinandersetzungen gesorgt – innerhalb des Vorstandes bis hin zum einzelnen Bahnkunden.

Mehdorn will Konzern zusammenhalten

So stellte Mehrdorn erneut klar, dass er auf der Vollständigkeit des Konzerns bestehe. Damit spielt er auf eine Forderung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI und des Industrie- und Handelskammertages (DIHK) an. Beide Verbände hatten für einen Börsengang die Abtrennung des Schienennetzes von dem Bahnkonzern gefordert. Das Netz solle als eigenständiges Unternehmen des Bundes geführt werden und möglichst viele Bahnunternehmen auf die Schienen locken.

Zehn Jahre nach Beginn der Bahnreform zogen die Verbände - gestützt auf eine neue Studie - eine weitgehend negative Bilanz. Zwar seien die Bemühungen zu Einsparungen und Modernisierungen des Unternehmens unverkennbar und anzuerkennen. Doch sei beispielsweise der Marktanteil der Schiene beim Güterverkehr von 16 auf 14 Prozent gesunken. Dabei sei ein Ziel der Reform gewesen, Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern.

Mehdorn sieht sich durch aufgeschobenen Börsengang nicht gefährdet

Auch die Bahn-Gewerkschaft Transnet forderte, den Zeitplan zu ändern. Ihr Vorsitzender Norbert Hansen bezweifelte, dass die Bahn für den Aktien-Handel schon gut genug aufgestellt sei. Das Hick-Hack um Zeitpunkt und Ausmaß des Börsenganges hätten bei den Bahn-Beschäftigten für Angst und Unruhe gesorgt.

Selbst seine Kunden hatte der noch staatseigene Konzern mit dem straffen Börsenfahrplan auf die Barrikaden getrieben. Die jüngst angekündigten Fahrpreiserhöhung von gut drei Prozent zum Winterfahrplan interpretierten viele Fahrgäste als Finanzspritze für die Erstnotierung und nicht als Ausgleich für die gestiegenen Energiepreise, wie die Bahn die neuen Preise begründete.

Durch die aufgeschobene Privatisierung des Konzerns sieht sich Hartmut Mehdorn in seiner Position nicht gefährdet. Über den Zeitpunkt eines Börsengangs entscheide der Eigentümer, also der Bund, sagte Mehdorn der Agentur Reuters. Er selbst habe stets nur auf eine Kapitalmarktfähigkeit des Unternehmens gedrängt. Daher hänge auch seine Position als Vorstandschef nicht mit dem Datum 2006 zusammen.

Nach Angaben aus Kreisen der Bundesregierung genieße Mehdorn weiterhin Rückendeckung. Der oberste Eisenbahner gilt als enger Freund von Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Wir brauchen jetzt eine klare Botschaft vom Bund", sagte Mehdorn am Mittwoch. Der Konzern brauche jetzt Ruhe.