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Verkehr: Börsenpläne der Bahn auf dem Prüfstand

Für die ehrgeizigen Börsenpläne der Deutschen Bahn brechen wichtige Monate an. Geht es nach Vorstandschef Hartmut Mehdorn, könnte der bundeseigene Konzern schon in zwei Jahren an den Kapitalmarkt rollen.

Für die ehrgeizigen Börsenpläne der Deutschen Bahn brechen wichtige Monate an. Geht es nach Vorstandschef Hartmut Mehdorn, könnte der bundeseigene Konzern schon in zwei Jahren an den Kapitalmarkt rollen. Doch vor der erhofften Entscheidung des Bundes für eine Teilprivatisierung stehen noch Hürden. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat schon klar gemacht, dass ein baldiges Ja überhaupt nur denkbar ist, wenn 2004 die Fahrt in Gewinnzone glückt. Erste Belege kann Mehdorn bei der Bilanzvorlage im Mai liefern. Bereits an diesem Montag sind die Börsenpläne Thema einer Expertenanhörung des Bundestages. Die Stimmung in den Fraktionen ist wenig euphorisch.

Experten sollen weiterhelfen

Gut zwei Monate nach dem noblen Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Deutschen Bahn als Aktiengesellschaft wollen die Abgeordneten des Verkehrsausschusses nun eine nüchterne Bilanz der Sanierung ziehen. Den geladenen Experten aus der Wissenschaft, von der Gewerkschaft Transnet oder vom größten privaten Bahn-Konkurrenten Connex liegt eine lange Listen mit Fragen vor. "Welche Voraussetzungen müssen aus Ihrer Sicht erfüllt sein, damit eine Privatisierung möglich ist?" wollen CDU/CSU und FDP wissen. Die rot-grünen Regierungsfraktionen fragen nach, ob der Konzern als Ganzes oder nur einzelne seiner Geschäftsfelder an die Börse gehen sollten.

Dabei haben die Parlamentarier, die früher oder später zusammen mit dem Bundesrat über die Zukunftsträume der Bahn abstimmen müssen, einen Großteil der Antworten schon gegeben. Vor allem das politische Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, dürfe nicht unter die Räder kommen, lautet die wichtigste gemeinsame Vorgabe. Und natürlich dürfe der von Mehdorn wieder und wieder versprochene Gewinn für 2004 keine Eintagsfliege bleiben. "Es muss eine erkennbare Linie sein, in der schwarze Zahlen geschrieben werden", sagt Eduard Oswald (CSU), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses. Von zwei bis drei Jahren auf der wirtschaftlich sicheren Seite sprechen Albert Schmidt (Grüne) und Karin Rehbock-Zureich (SPD). Das Tempo bestimme nicht der Bahnchef.

Weitere Weichen gestellt

Die Manager im Bahntower haben in den vergangenen Monaten bereits weitere Weichen gestellt. Die Töchter Mitropa und Ameropa stehen zum Verkauf, auch das Aktienpaket an der Lufthansa darf der Vorstand mit Segen des Aufsichtsrats zu Geld machen. Neben solchen einmaligen Erträgen kommt zum 1. April die Preiserhöhung der Tickets für ICE und Intercity um im Schnitt 3,4 Prozent. Überhaupt muss sich das nach massivem Ärger im Sommer revidierte Preissystem mit der Rückkehr der alten Bahncard nachhaltig bewähren. Denn die Fernzüge, die die Bahn auf eigene Rechnung fährt, sollen aus den tiefroten Zahlen heraus - den Konzernverlust insgesamt konnte Mehdorn im vergangenen Jahr schon auf 177 Millionen Euro mehr als halbieren.

Streitpunkt bei den Börsenplänen ist auch die Zukunft des 36.000 Kilometer langen Schienennetzes. Geht es nach Mehdorn, bleibt es im Konzern, und der wird als Ganzes an die Börse gebracht. Doch dafür hat der Bahnchef unter Verkehrspolitikern bisher keine Verbündeten. Zumindest mittelbar müsse der Staat Eigentümer des Netzes bleiben, heißt es in Anträgen von Koalition wie Opposition. Schließlich fließen in Erhalt und Ausbau Milliarden aus Steuergeldern. Eine gar über mehrere Jahre garantierte Blankozusage der Zuschüsse für ein mitprivatisiertes Netz würde den Bundestag unzulässig binden, sagt CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer. Horst Friedrich (FDP) warnt davor, Barrieren gegen private Bahn-Konkurrenten zu zementieren.

Sascha Meyer, dpa / DPA