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Bahn-Börsengang: Schröder stellt sich hinter Mehdorn

Nach dem geplatzten Börsengang mehrt sich die Kritik an Bahn-Chef Mehdorn. Rückhalt erhält er allerdings von Schröder und Stolpe, die ihm demonstrativ den Rücken stärken.

Der verschobene Börsengang der Bahn soll spätestens 2008 nachgeholt werden. Diesen Termin nannte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag in Berlin. Schröder und Verkehrsminister Manfred Stolpe stellten sich hinter Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Opposition und Grüne forderten dagegen seinen Rücktritt und eine Absage an die für Dezember geplanten Preiserhöhungen. Mehdorn selbst warf Kritikern "geradezu geschäftsschädigende Diskussionen" vor.

Die Bahn hatte am Mittwoch erklärt, 2006 als Zieljahr für den Börsenstart aufzugeben. Mehdorn soll sich bis zuletzt dagegen gesträubt haben. Nach AP-Informationen ging die Entscheidung vor allem von der Regierung aus. Nach Angaben aus Regierungskreisen sprach Schröder unmittelbar zuvor mehrere Stunden mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Frenzel.

Stolpe und Schröder stärken Mehdorn demonstrativ den Rücken

Schröder habe nach der Aufregung um die Preiserhöhungen einen raschen Schlussstrich unter die Börsengang-Debatte angestrebt, hieß es. Schröders Sprecher Bela Anda betonte, der Kanzler habe aber nicht "die Reißleine gezogen". Über die Möglichkeit einer Ablösung Mehdorns wurde den Angaben zufolge nicht gesprochen. "Er bleibt." Nach offiziellen Bahn-Angaben will Mehdorn seinen bis 2008 laufenden Vertrag erfüllen.

Schröder und Stolpe stärkten Mehdorn demonstrativ den Rücken und verteidigten dessen Strategie. "Das wird helfen, dass der Börsengang der Bahn, den ich in einem zeitlichen Korridor von 2006 bis 2008 erwarte, ein voller Erfolg wird", betonte der Kanzler. Der Bahn-Chef habe gute Arbeit geleistet und sei der richtige Mann auf dem Posten. Allerdings kam dennoch bereits eine Nachfolgediskussion in Gang. Bei Verkehrspolitikern im Gespräch seien unter anderem DaimlerChrysler-Manager Rolf Eckrodt und Fraport-Chef Wilhelm Bender, berichtete der "Tagesspiegel".

Entscheidend ist die Stabilität des Unternehmens

Verkehrsminister Stolpe lobte Mehdorn als erfahrenen Manager. Es habe jedoch "ein paar Konditionen" gegeben, die eine Verschiebung des für 2006 geplanten Börsengangs rechtfertigten. Entscheidend sei nicht das Datum, sondern die Stabilität des Unternehmens. Laut Stolpe ist die Entscheidung "mit ihm (Mehdorn) getroffen worden, nicht gegen ihn".

Vertreter von Opposition und Koalition im Bundestag plädierten nach einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses für Mehdorns Rücktritt, da das Verhältnis zwischen ihm und dem Parlament nachhaltig gestört sei. Stolpe sagte aber auf die Frage, ob Mehdorn zu halten sei: "Ganz sicher."

Es gibt keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum Börsengang

Mehdorn betonte in einem Brief an seine Mitarbeiter, den das "Handelsblatt" veröffentlichte, es gebe keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative zum Börsengang. Aus den "unterschiedlichsten Motiven" würden Zweifel am Erfolgskurs der Bahn gesät. Doch habe der Vorstand die Verantwortung, das Unternehmen auf Kurs zu halten. "Das ist unter den teilweise geradezu geschäftsschädigenden Diskussionen sehr schwierig geworden", schrieb Mehdorn der Zeitung zufolge.

Politiker von SPD, Grünen und Fahrgastverbände forderten erneut ein Überdenken der angekündigten Preisrunde im Nah- und Fernverkehr. Der Konzern will dem Proteststurm aber standhalten. Ein Sprecher wies den Vorwurf zurück, die Preiserhöhungen seien unbegründet.

AP / AP