HOME

Devisen: Euro fliegt auf Allzeithoch

Der starke Euro ist wohl eher ein schwacher Dollar. Zwar wird die europäische Gemeinschaftswährung mit bis zu 1,1894 Dollar gehandelt, aber nur, weil der amerikanischen Exportwirtschaft ein schwacher Dollar hilft.

Der Euro hat am Dienstag ein Allzeithoch erklommen: Zunächst wurde die europäische Gemeinschaftswährung in der Nacht in Tokio mit bis zu 1,1888 Dollar gehandelt. Sie stieg damit über den bisherigen Höchststand von 1,1884 Dollar am 4. Januar 1999. Tagsüber legte die rund viereinhalb Jahre alte Währung weiter zu und wurde mit bis zu 1,1894 Dollar gehandelt. Am Montagnachmittag war der Referenzkurs des Euros in Frankfurt/Main noch bei 1,1813 Dollar nach 1,1790 Dollar am Freitag festgestellt worden. Auch gegenüber dem japanischen Yen gab der Greenback nach.

Dollarschwäche hilft US-Exporten

Zum Höhenflug des Euros tragen nach Meinung von Devisenexperten gleich mehrere Faktoren bei. Zum einen hatte US-Finanzminister John Snow zuletzt mehrfach angedeutet, dass ein schwacher Dollar gut für die US-Exporte sei. Zugleich sind immer mehr Anleger in Sorge um die weitere Entwicklung der US-Konjunktur und der Finanzmärkte. Wenn diese Investoren ihre Gelder aus den USA zurückziehen, verkaufen sie Dollar und üben zusätzlichen Druck auf die US-Währung aus. Ein weiterer Faktor ist das höhere Zinsniveau in Europa, das ebenfalls zu einem Zufluss von Geldern aus den USA führt. Dort haben die Zinsen inzwischen den tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht.

Alles dreht sich um den fallenden Dollar

Die meisten Analysten vertreten die Ansicht, dass es sich bei der derzeitigen Entwicklung eher um eine Dollar-Schwäche als um eine Euro-Stärke handelt und verweisen auf das nach wie vor nur moderate Wirtschaftswachstum in Europa. "Das alles dreht sich mehr um den fallenden Dollar als um den steigenden Euro", erklärte am Dienstag der Volkswirt Tatsuya Torikoshi vom Daiwa-Forschungsinstitut in Tokio. "Die Stärke des Euros wird aufgewogen durch die Stärke des Yens gegenüber dem Dollar." Allerdings werde die Schwäche des Yens gegenüber dem Euro der stagnierenden japanischen Volkswirtschaft etwas Luft verschaffen angesichts der Gefahren für die japanischen Exporte durch die Dollarschwäche, sagte Torikoshi weiter.

Starker Dollar stellt deutsche Industrie vor Probleme

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, erklärte in Berlin, er rechne mit einem weiteren Anstieg des Euro-Kurses und mit daraus folgenden Problemen für die deutsche Wirtschaft. Experten hielten einen Euro-Kurs von bis zu 1,30 Dollar für möglich. "Das ist eine Belastung", sagte Rogowski. "Jeder Cent der über eins zu eins liegt, verstärkt meine Magenschmerzen." Es werde zu Auftragsverlusten und Gewinneinbußen für deutsche Unternehmen, vor allem im Mittelstand, kommen.

Kein Hinweis auf Erholung des Dollars

Es gebe derzeit keine Hinweise, dass der Dollarkurs bald wieder steigen werde. Das Kursverhältnis deute mehr auf eine Dollar-Schwäche als auf eine Euro-Stärke. Hintergrund seien große Defizite in der amerikanischen Handelsbilanz und im Haushalt. "Die Konjunkturlokomotive USA zieht nicht", sagte Rogowski.