HOME

Rekordkurs: Dax klettert auf Allzeithoch

Der Dax kennt derzeit nur eine Richtung: aufwärts. Nun knackt das wichtigste deutsche Börsenbarometer den nächsten Rekord. Der Index schließt auf dem höchsten Wert seiner Geschichte.

Nach mehreren Anläufen hat es auch der Dax geschafft: Er überwand am Dienstag seine Vor-Krisen-Bestmarke aus dem Sommer 2007 und markierte bei 8206,01 Zählern ein Rekordhoch. Vor ihm hatten das schon der Dow-Jones-Index und der S&P 500 an der Wall Street geschafft.

Der Dow-Jones-Index schloss in New York erstmals in seiner Geschichte über der Marke von 15.000 Punkten und notierte bei 15.056 Zählern. "Das billige Geld ist wie Wasser - es sucht sich seinen Weg", kommentierte Aktienmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank die Hochstimmung an den Börsen.

Entscheidender Auslöser der globalen Rally ist die extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken: Die Bank of Japan hatte Anfang April ihre Geldschleusen weit geöffnet. Die amerikanische Fed hat signalisiert, der weltgrößten Volkswirtschaft noch lange unter die Arme zu greifen. Und die EZB wird nicht müde zu wiederholen, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun wird, um die Euro-Zone zu retten. Am Dienstag hat nun auch die australische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt.

Aktien werden als Geldanlage immer attraktiver

Die von den Zentralbanken verursachte niedrige Verzinsung an den Anleihe-Märkten hatte Investoren in den vergangenen Monaten in Anlagenot gebracht. Immer mehr setzten deshalb wieder auf Aktien und schoben so die Börsenrally an. Nach einer Durststrecke kamen zuletzt sogar wieder recht optimistisch stimmende Unternehmens-Bilanzen und Konjunkturdaten.

Dem japanischen Nikkei half die Gemengelage aus billigem Geld und Konjunkturhoffnung auf ein Fünf-Jahres-Hoch, dem britischen FTSE auf den höchsten Stand seit Ende 2007, der französische CAC40 notiert so hoch wie seit Sommer 2011 nicht mehr.

"Anleger nehmen in Kauf, dass es mal schlechter läuft"

"Man will wieder dabei sein", sagte Aktienstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. "Wirklich neu ist, dass Anleger in Kauf nehmen, wenn es mal schlechter läuft. Investoren haben zum ersten Mal seit langem viel mehr Angst, die Rally zu verpassen als vor einem Rücksetzer."

Der Dax ging 0,9 Prozent höher bei 8181 Punkten aus dem Handel. Seit seiner Gründung vor fast 25 Jahren hat er sich damit in etwa verachtfacht. Der EuroStoxx50 notierte 0,5 Prozent höher bei 2765 Zählern. In den USA notierte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Deutschland 0,3 Prozent höher bei 15.018 Punkten.

Auch wenn Börsianer dem hiesigen Leitindex nun kurzfristig eine Verschnaufpause prophezeien: Mittelfristig wird der Dax ihrer Einschätzung nach weiter klettern. "Nur wenn es für die Konjunktur wieder so richtig bergab geht oder wirklich ein Schocker kommt, dürfte die Stimmung drehen", sagte Rahn.

Auch die Experten von Allianz Global Investors sind optimistisch. Kapitalmarktstratege Hans-Jörg Naumer spricht von einem qualitativen Unterschied in der Dax-Entwicklung im Vergleich zu 2007. Bei der Berechnung des Dax wird unterstellt, dass von den Unternehmen ausgeschüttete Dividenden reinvestiert werden. Rechne man diese Zahlungen heraus, dann notiere der Dax aktuell noch rund 1000 Punkte niedriger als 2007, so Naumer.

In einer Umfrage im März hatten Analysten dem Leitindex bis Ende 2013 im Schnitt einen Anstieg auf 8369 Zähler vorhergesagt.

Für gute Stimmung an der Börse sorgten am Dienstag - neben der Geldschwemme - auch die Quartalsbilanzen der Unternehmen. Positiv überrascht wurden die Anleger vor allem von der Allianz. Europas größter Versicherer hat seinen Gewinn dank sprudelnder Einnahmen im ersten Quartal deutlich gesteigert - die Aktien stiegen um 3,6 Prozent auf 120,70 Euro; den höchsten Stand seit rund fünf Jahren. Punkten konnte auch die Commerzbank: Der Verlust fiel im ersten Quartal mit 94 Millionen Euro geringer aus als von Analysten erwartet. Die Aktien gewannen 2,6 Prozent auf 11,09 Euro.

Auch das Anleger-Echo auf die Zwischenbilanz der Münchener Rück war positiv: die Aktien legten in Reaktion auf einen Quartals-Gewinn, der die Milliarden-Marke nur knapp verfehlte, knapp ein Prozent zu.

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten die Aktien von HeidelbergCement mit einem Plus von 3,5 Prozent. Ein zuversichtlicher Ausblick der französischen Lafarge wurde von Investoren auf den Konkurrenten übertragen. Die Titel des weltgrößten Zementhersteller schlossen an der Pariser Börse 4,4 Prozent höher.

kmi/brü/anb/Reuters / Reuters