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Fusionsfieber: Sanofi soll Aventis schlucken

Für viele Börsianer ist die Geschichte einfach zu schön, um falsch sein zu können: Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis fusioniert mit Sanofi-Synthelabo SA zum zweitgrößten Pharmakonzern der Welt.

Für viele Börsianer ist die Geschichte einfach zu schön, um falsch sein zu können: Der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis fusioniert mit Sanofi-Synthelabo SA zum zweitgrößten Pharmakonzern der Welt. Der Weltmarkt würde neu geordnet, die alte Frankfurter Hoechst AG wieder einmal in neue Strukturen eingebunden - und diverse Aktionäre um einiges reicher.

Gezielte Indiskretionen

Seit Monaten werden in Paris die Fusionsgerüchte mit gezielten Indiskretionen geschürt. Richtig Schwung kam aber in die Sache, als die Analysten von Exan im Herbst 2003 eine "Fusionssimulation" erstellten, mit der Sanofi praktisch gedrängt wurde, die viel größere Aventis SA zu schlucken. Zwar hatte Aventis alleine in den ersten neun Monaten 2003 mit 12,4 Milliarden Euro die Hälfte mehr umgesetzt als Sanofi im Gesamtjahr 2003 mit 8,05 Milliarden Euro. Aber gemessen am Börsenwert bringt Sanofi etwas mehr auf die Waage als Aventis. Die Gelegenheit zur Übernahme wäre zu schön.

Aventis will gar nicht

Aventis will aber nicht. Der Straßburger Konzern beteuert, es gebe keine Fusionsgespräche und man setze auf internes Wachstum. Auch Sanofi hat auf Anfrage der Pariser Börsenaufsicht entsprechende Berichte dementiert. Die Fusionsgerüchte konnte das nicht ersticken. Denn Sanofi könnte auch eine feindliche Übernahme starten - ohne Verhandlungen. Eine solche Attacke soll bisher allerdings an der Uneinigkeit der Sanofi-Aktionäre Total und L'Oréal gescheitert sein.

Aventis-Kapital breit gestreut

Der Ölkonzern und der Kosmetikanbieter beherrschen zusammen 43 Prozent des Kapitals und 63 Prozent der Stimmrechte von Sanofi. Total hat mit Übernahmeattacken auf größere Konkurrenten gute Erfahrungen gemacht: Der Konzern hat sich (neben FINA) 1999 den Elf-Konzern einverleibt und steht prächtig da. Zudem ist das Aventis-Kapital breit gestreut und nicht "verriegelt" wie bei Sanofi. Total könnte die Chance nutzen, um bei der Pharmafusion aus dem Geschäft mit Medikamenten auszusteigen und dabei richtig Kasse zu machen. 7 Milliarden Euro Gewinn wären bei den jetzigen Börsenkursen drin.

L'Oreal würde durch Fusion verlieren

Für L'Oréal sieht die Sache aber anders aus: Bisher sitzt der Kosmetikkonzern mit 19,5 Prozent als Total-Partner bei Sanofi mit am Steuer und zieht ein Viertel seines Gewinns aus dem Pillenanbieter. Nach einer Fusion würde L'Oréal weniger als 10 Prozent am neuen Pharmariesen halten - kaum mehr als eine Finanzbeteiligung. Dass das der Aufsichtsratschefin Liliane Bettencourt gefallen würde, die mit ihrer Familie die Mehrheit an der L'Oréal-Mehrheitseignerin Gesparal hält, gilt in Paris als unwahrscheinlich.

Total will Überzeugungsarbeit leisten

Bis zum 2. Dezember 2004 ist Total noch mit einem Aktionärspakt an L'Oréal gebunden. Aber vielleicht können die Ölmanager die Patriarchin ja schon vorher überzeugen, dass eine - freiwillige oder feindliche - Pharmafusion sich lohnt. Die Pariser Börse glaubt jedenfalls gerne daran.

Hans-Hermann Nikolei / DPA
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