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Vogelgrippe-Impfung: Proben für den Ernstfall

Mit dem Vogelzug im Herbst wächst die Gefahr, dass die Vogelgrippe wieder ausbricht. Europa wappnet sich gegen die Seuche: Das Friedrich-Löffler-Institut startet einen Impfversuch, und auch die Pharmaindustrie meldet Fortschritte.

Der bundesweit erste Freiland-Impfversuch gegen die Vogelgrippe soll in den kommenden Wochen in Ostwestfalen-Lippe beginnen. "Wir stehen in den Startlöchern", sagte Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Ostseeinsel Riems, und bestätigte einen Bericht der Tageszeitung "Die Glocke". Der zweijährige Versuch an Hühnern und Gänsen steht unter der Leitung des FLI, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Allerdings seien einige Anträge noch "in der Schwebe". Ziel des Tests sei es, einen verfügbaren Wirkstoff auf seine Zuverlässigkeit im Ernstfall zu prüfen.

Der Vogelgrippe-Erreger H5N1 hat sich in den vergangenen Jahren von Asien aus nach Europa und Afrika ausgebreitet. In Deutschland war das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 erstmals Mitte Februar bei Wildvögeln auf der Ostseeinsel Rügen aufgetaucht.

Stallpflicht bleibt in Kraft

Mit dem Test wolle man herausfinden, ob eine effiziente und schnelle Impfung möglich sei und ob geimpfte Tiere das Virus ausscheiden können, erklärte Reinking. Bei dem Versuchsimpfstoff handele es sich noch nicht um einen so genannten Marker-Impfstoff, der infizierte und geimpfte Tiere voneinander unterscheiden helfe. Die Pilotstudie sei angesetzt für zwei Jahre, Teilbestände erhielten eine zweimalige Impfung im Abstand von drei Wochen. Etwa 56 Tage nach der zweiten Impfung solle eine Stichprobe von Impftieren und Kontrolltieren nach Riems gebracht und dort "unter Sicherheitsbedingungen" dem aggressiven Vogelgrippevirus H5N1 ausgesetzt werden.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist der Versuch an 5000 Hennen in Bokel und 1200 Gänsen in Kaunitz im Kreis Gütersloh geplant. Nach Reinkings Angaben müssen die Bestände zuvor auf Influenza untersucht werden. Der Test werde aber nicht zur Abschaffung der Stallpflicht führen, betonte Reinking. "Wichtig ist, den Kontakt von Nutzvögeln mit Wildvögeln zu verhindern."

Sicherheit auch gegen andere Virusvarianten?

Fortschritte bei der Vogelgrippe-Impfung meldet auch das Pharmaunternehmen Sanofi Pasteur: Ein möglicher Impfstoff gegen den Erreger H5N1 erwies sich in Tests als wirksam auch gegen andere Stränge des Virus. Dies deute darauf hin, dass Impfstoffe, die auf der Basis älterer H5N1-Varianten entwickelt wurden, bei einer weltweiten Grippewelle auch gegen künftige Stränge Sicherheit bieten könnten, teilte Sanofi Pasteur mit.

Bei einem Versuch des Unternehmens wurden 300 Freiwillige mit einem Virus geimpft, das 2004 in Vietnam isoliert wurde. Anschließend wurden die gebildeten Antikörper untersucht. Offenbar konnten diese auch H5N1-Viren neutralisieren, die aus der Türkei und Indonesien stammten.

Meilenstein, aber noch keine "ultimative Antwort"

Der leitende Wissenschaftler für Influenza-Überwachung bei der Weltgesundheitsorganisation, Klaus Stohr, sprach von einem Meilenstein bei der Entwicklung von Impfstoffen. Tierversuche hätten bereits einen solchen möglichen Schutz nahegelegt, erstmals habe sich dies aber auch bei Versuchen mit menschlichen Probanden gezeigt, sagte Stohr.

Auch wenn ein effektiver Vogelgrippe-Impfstoff gegen andere H5N1-Stränge schützt, ist damit aber nicht automatisch auch eine Wirkung gegen verschiedene Influenza-Erreger und eine Pandemie garantiert. "Wir wissen nicht, ob die nächste Pandemie von H5 ausgelöst wird", sagte der Leiter des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten, Angus Nicoll. Ein Vogelgrippe-Impfstoff mit weitergehendem Schutz sei "nicht die ultimative Antwort".

AP/DPA / AP / DPA