HOME

Geldanlage: Ja, Schatz!

Wer Geld sicher anlegen will, greift häufig zu Geldmarktfonds. Dabei sind Finanzierungsschätze kostengünstiger - und meistens sogar rentabler.

Hans Eichel braucht Geld. Das leiht er sich für eine bestimmte Zeit bei Anlegern - gegen Zins, versteht sich. Für Kleinsparer bietet der Finanzminister Bundesschatzbriefe und -obligationen sowie Finanzierungsschätze des Bundes. Doch sind die besser als die Angebote der privaten Konkurrenz? Wer bei Banken und Sparkassen nachfragt, bekommt als sicherheitsorientierter Sparer seit Monaten verstärkt Fonds empfohlen, die in sehr kurzfristige Zinspapiere investieren. Rund 70 Milliarden Euro stecken in diesen so genannten Geldmarktfonds, allein fünf Milliarden strömten dieses Jahr neu hinzu.

Für den stern hat die Frankfurter FMH Finanzberatung in Zusammenarbeit mit dem Informationsdienst für Bundeswertpapiere (IBW) in Düsseldorf die Einjahresrenditen von Finanzierungsschätzen mit denen von 28 Euro-Geldmarktfonds der Banken und Sparkassen verglichen. Das Ergebnis wird Eichel freuen: In zehn Testzeiträumen, jeweils über zwölf Monate von Ende Januar 2002 bis Ende Oktober 2003, schafften die Geldmarktfonds nur in neun von 281 Rechenfällen eine höhere Rendite als die Finanzierungsschätze. Dreimal war die Wertsteigerung identisch.

"Der Grund für die niedrigeren Renditen bei den allermeisten Fonds sind ihre Gebühren", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt zwacken die Geldmarktfonds 0,5 Prozent vom Wertzuwachs für sich ab. Die FMH-Analyse zeigt: Nur die wenigen Fonds, die deutlich niedrigere Gebühren einbehalten, brachten ihren Anlegern ein größeres Plus als Finanzierungsschätze. Der Haken: Diese Spitzen-Fonds werden Kleinsparern meistens gar nicht angeboten. Erst ab 20.000 Euro (beim SEB Invest Money Market-Fonds) oder gar 50.000 Euro beim Activest Euro-Geldmarkt Plus-Fonds ist der Einstieg möglich.

Die Hypobank-Tochter Activest bietet auch ein Produkt für Normalkunden ab 500 Euro Anlagesumme an - doch für die liegen die Gebühren fast viermal so hoch. Die SEB verlangt für ihre Kleinsparervariante mehr als die doppelte Gebühr, verglichen mit ihrem Betuchtenangebot. Und so wie SEB und Activest machen es fast alle: Wer wenig hat, muss viel Gebühren zahlen. "Je mehr Geld in solchen Fonds gesammelt ist und je weniger Kleinbuchungen anfallen, desto günstiger wird die Verwaltung", begründet Hans-Werner Martin von der SEB Invest den Gebührenunterschied. Außerdem hinke der Renditevergleich, weil das Kapital in Geldmarktfonds täglich verfügbar ist, Finanzierungsschätze aber mindestens für ein Jahr festgelegt sind.

Doch auch den Vergleich mit solchen Angeboten von Banken und Sparkassen, die den Sparbetrag für ein Jahr festlegen, müssen Finanzierungsschätze nicht scheuen: Festgeld mit deutscher Einlagensicherung wird derzeit mit maximal drei Prozent pro Jahr verzinst, der Zinsdurchschnitt liegt aber deutlich tiefer. Einjährige Sparbriefe bringen es auf bis zu 2,5 Prozent. Aber: Die Mindestanlagesummen liegen bei beiden Sparofferten zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Der Einstieg in Finanzierungsschätze ist schon ab 500 Euro möglich - gebührenfrei bei der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg.

Wer auf die tägliche Verfügbarkeit nicht verzichten will, ist mit gebührenfreien Tagesgeldkonten gut bedient. Denn deren aktuelles Zinsniveau um 2,5 Prozent dürften auch künftig nur wenige Geldmarktfonds überbieten.

von Frank Donovitz / print