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Auktion Die Schätze des letzten Bayernkönigs waren lange in einem Schloss eingemauert, jetzt werden sie verkauft

Schloss Nadasdy in Ungarn
Blick in den Prunksaal des Schlosses Nádasdy in Sárvár, dessen Wände reich mit Fresken geschmückt sind. (Undatierte Aufnahme)
© Ralf Freyer/ Dumont Bildarchiv / Picture Alliance
Hinter dicken Mauern fristeten die Kunstwerke der Wittelsbacher in Ungarn lange ein Schattendasein, sie wurden vergessen. Jetzt werden sie der Öffentlichkeit nicht nur zugänglich gemacht, sie werden versteigert.

Ludwig III. war Bayerns letzter König. Jetzt wird ein Teil seiner Schatzkammer geräumt. Die Erben machen wertvolle Stücke aus dem Nachlass zu Geld. Am Montag kommen im Münchner Auktionshaus Neumeister Gemälde, Silberservice und weitere kostbare Stücke des royalen Schatzes unter den Hammer.

Dass diese Stücke überhaupt existieren, war lange Zeit in Vergessenheit geraten - sie fristeten über Jahre ein verstecktes Dasein in einem ungarischen Schloss, eingemauert in einem Zimmer. 1875 hatte Ludwig III. das Schloss Nádasdy in Sárvár geerbt. Dort urlaubte er regelmäßig mit seinen Söhnen. Damit war 1945 Schluss. Zum Kriegsende mussten die Wittelsbacher fliehen, die Rote Armee rückte an. Mitnehmen konnten sie nur wenig, die meisten Kunstwerke mussten sie in den Gemächern zurücklassen. Um diese zu schützen, wurden sie in einem Zimmer des Palastes eingemauert. Sárvár sollte der letzte Aufenthaltsort des Bayernkönigs werden. 

Vergessene Schätze des Königs

Verkauft werden bei der Auktion "Kunst im Exil" nun unter anderem Porträts der Familie, die einst der Münchner Hofmaler Joseph Stieler anfertigte. Zu Lebzeiten genoss der einen Ruf wie Donnerhall, noch heute werden horrende Summen für seine Werke gezahlt. Er malte die bekanntesten Bildnisse von Beethoven und Mozart. Versteigert werden vier Porträts der Königsfamilie, darunter Bildnisse von dem ersten bayerischen König Maximilian I Joseph und seiner Gemahlin.

"Sie sind eine absolute Neuigkeit für die Forschung. Sie waren unbekannt. Einige der Gemälde waren überliefert durch Lithographie, durch Druckgrafiken, aber niemand wusste, wie sie ausgesehen haben", so Rainer Schuster, Experte bei Neumeister, über die Stieler-Porträts in einem Video, in dem das Auktionshaus die Werke vorstellt. Es handele sich dabei um private Auftragsarbeiten des Königshauses, sie seien 1924 ins Schloss nach Ungarn gebracht worden, wo sie bis in die 60er-Jahre verborgen blieben. Bis zu 80.000 Euro sollen die Stücke schätzungsweise wert sein. 

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Erst 2020 kamen die Schätze zurück in den Besitz der Familie. Zuvor hatte es zähe Verhandlungen zwischen den Wittelsbachern und Ungarn gegeben, die aufgenommen wurden, nachdem das Land der EU beigetreten war. Behalten wollen die Erben allerdings nur einen Bruchteil des Schatzes. "Einige private Dinge haben wir behalten", zitiert "Bild" Urenkel Prinz Luitpold von Bayern, der Rest wird nun veräußert. "Wir sind eine Erbengemeinschaft. Um diese gerecht auseinanderzusetzen, ist eine Auktion der fairste Weg."

Quellen: NeumeisterBild

tpo

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